Voll gesperrt: Die A 27 zwischen Uthlede und Hagen wurde etwa 1,5 Kilometer vor der Abfahrt Hagen unterspült. Die Fahrbahnen könnten absacken. Foto: Scheschonka
Voll gesperrt: Die A 27 zwischen Uthlede und Hagen wurde etwa 1,5 Kilometer vor der Abfahrt Hagen unterspült. Die Fahrbahnen könnten absacken. Foto: Scheschonka
Umleitung

Voll gesperrt: Darum geht auf der A 27 im Kreis Cuxhaven nun erst einmal nichts mehr

22.02.2024

Zwei kleine Löcher mit enormer Auswirkung: Die Autobahn 27 ist zwischen Hagen und Uthlede in beide Richtungen komplett gesperrt. Rund 27.000 Fahrzeuge am Tag sind betroffen. Die Sperrung der A27 wurde notwendig, weil die Fahrbahnen abzusacken drohen.

Von Thorsten Brockmann

Der Grienenbergsmoorgraben entwässert das Landschaftsschutzgebiet zwischen Hagen und der Autobahn - ein plätschernder Bach, der auf gut 50 Metern seiner Länge unter der A 27 hindurchfließt, in den Indiekkanal mündet und weiter in die Weser fließt.

Wer oben drüberfährt über den Graben nimmt die Brückenkonstruktion aus einem Stahlgewölbe gar nicht wahr. Der sogenannte Grabendurchlass aber ist an mehreren Stellen durchgerostet - so sehr, dass im Böschungsbereich der A 27 nun ein größerer Erdbereich abgesackt ist.

Gefahr in Verzug, sofortige Vollsperrung

Zwei Löcher, so groß, dass ein Mensch darin problemlos verschwinden könnte. Der Autobahnmeisterei aus Debstedt war der Schaden vor einer Woche aufgefallen, sodass die Autobahn GmbH des Bundes eine außerplanmäßige Brückenprüfung in Auftrag gab. Sie steht routinemäßig ansonsten alle drei Jahre an. Als die Prüfer am Mittwoch in Wathosen durch den Graben liefen, sahen sie das ganze Ausmaß der Schäden: Gefahr in Verzug, sofortige Vollsperrung der A 27, lautete ihr Urteil.

 "Die Brücke lässt Wasser durch", sagt Gisela Schütt, die Leiterin der Verdener Außenstelle der Autobahn GmbH. Vier bis fünf Meter unter der Autobahn rieselt beständig Erdreich in den Graben. Die gesamte Konstruktion der Brücke sei instabil, der Stahl an einigen Stellen durchgerostet. Das könnte zur Folge haben, dass auch die Fahrbahnen absacken könnten wie bereits die Böschung nebendran. "Das kann jederzeit passieren", warnt Schütt. Deshalb sei die spontane Sperrung unausweichlich gewesen. Hätte nicht Tempo 30 genügt? "Nein", sagt sie. "Wenn sich plötzlich ein Loch auftut, fällt man auch bei Tempo 30 rein..."

Die Arbeiten sollen
 schnellstens beginnen

Wie lange die Sperrung und die "Notsanierung" des Stahlgewölbes dauert, sei noch nicht abzuschätzen, teilt die Autobahn GmbH mit. Die Arbeiten sollten schnellstens beginnen, mit mindestens einer Woche Dauer sei zu rechnen. Das Bauwerk sei aber insgesamt so marode, dass ab sofort auch ihr Neubau geplant werden muss. Dafür, schätzt Gisela Schütt, müsse die Autobahn dann wohl monatelang gesperrt werden. Die Autobahn müsse auf ihrer gesamten Breite geöffnet werden, um darunter den neuen Durchlass zu bauen. Weil der Graben Wasser führt, könne der Verkehr vermutlich auch nicht einspurig vorbeigeleitet werden.

Der Verkehr wird vorerst über die dauerhaft ausgeschilderten Bedarfsumleitungen geführt:

in Fahrtrichtung Bremen ab der Anschlussstelle Hagen über die U 28 zur Anschlussstelle Uthlede,

in Fahrtrichtung Cuxhaven ab der Anschlussstelle Uthlede über die U 33 zur Anschlussstelle Hagen.

Beide Umleitungen verlaufen auf derselben Strecke durch Hagen und Uthlede. Von den 27.000 Fahrzeugen am Tag auf der A 27 seien etwa 3.500 Lkw - die Zahlen stammten von einer letzten Erhebung im Jahr 2021. Insgesamt sei der Verkehr im Vergleich zu anderen Bundesautobahnen relativ gering, heißt es.

Etliche Brücken auf der Strecke sind marode

Das Stahlgewölbe über dem Grienenbergsmoorgraben steht bereits wie beinahe alle Brücken der A 27 auf einem Plan, dass sie erneuert werden müssen. Der Verkehr auf dem Autobahnabschnitt zwischen Bremen und Bremerhaven läuft inzwischen mehr als 46 Jahre. Dieser Teil der Autobahn stammt aus dem Jahr 1977 und ist seitdem nie grunderneuert worden. "Viele Brücken sind marode", sagt Gisela Schütt. Die Moorbrücke an der Abfahrt Bremerhaven-Süd wird bereits seit einem Jahr saniert, die Autobahnbrücke über die B 71 in Bremerhaven wird in ein paar Wochen komplett abgerissen. Die Moorbrücke nördlich der Abfahrt Bremerhaven-Zentrum wurde 2018/19 so weit auf 1,5 Kilometern Länge saniert, dass sie bis zu einem Neubau in einigen Jahren durchhält.

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