Von den Charts aufs Festival: Wie vielfältig ist das Deichbrand 2026?
Erfolgreiche Künstlerinnen sind aus den Charts kaum noch wegzudenken. Auf Festivals fällt ihr Anteil oft geringer aus. Das Deichbrand in Wanhöden sieht sich auf einem guten Weg und spricht von rund einem Drittel FLINTA*-Acts.
Taylor Swift, Billie Eilish, Sabrina Carpenter, Ayliva oder Nina Chuba gehören zu den erfolgreichsten Künstlerinnen der vergangenen Jahre. Internationale Auswertungen zeigen: Frauen und FLINTA*-Personen sind in der Musikbranche heute sichtbarer als noch vor zehn Jahren.
Nach Angaben des Deichbrand-Festivals besteht 2026 rund ein Drittel des Line-ups aus FLINTA*-Acts oder Acts mit FLINTA*-Beteiligung. FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Rund zwei Drittel der Acts bestehen ausschließlich aus cis-männlichen Künstlern oder Bands. Der Begriff cis-männlich bezeichnet Männer, deren Geschlechtsidentität dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht.

Festival sieht positive Entwicklung
Für das Deichbrand ist Diversität ein wichtiger Bestandteil eines zeitgemäßen Festivalprogramms. Ziel sei es, ein möglichst vielfältiges Line-up zusammenzustellen, das unterschiedliche Genres, Zielgruppen, Perspektiven und Künstler abbilde, so die Deichbrand-Pressestelle. Eine ausgewogene Geschlechterverteilung sei dabei ein wichtiges Ziel, jedoch nicht das einzige Entscheidungskriterium beim Booking.
Nach Angaben des Festivals wird die Entwicklung des Line-ups kontinuierlich ausgewertet - auch mit Blick auf Künstlerinnen, FLINTA*-Acts und Acts mit FLINTA*-Beteiligung. Der Anteil liege 2026 bei rund einem Drittel. Das wertet das Festival als positive Entwicklung und betont, Vielfalt nicht als reine Quotenfrage, sondern als langfristigen Entwicklungsprozess zu verstehen.
Als Herausforderungen nennt das Deichbrand unter anderem Tourneeplanungen, internationale Festivalrouten, Verfügbarkeiten, Exklusivvereinbarungen sowie produktionstechnische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Insbesondere im internationalen Headliner-Bereich sei das Angebot an Künstlerinnen und divers besetzten Acts weiterhin kleiner als bei männlich besetzten Acts.

Die Keychange-Initiative
Das Reeperbahn-Festival gehört zu den Initiatoren der internationalen Keychange-Initiative. Sie setzt sich für eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung auf Festivalbühnen und in der Musikbranche ein. Nach eigenen Angaben hat das Festival inzwischen eine paritätische Besetzung seines Programms erreicht.
Mehr als eine Frage der Quote
Ein Blick auf den Musikmarkt zeigt, wie stark sich dieser verändert hat. Internationale Studien belegen, dass der Anteil von Künstlerinnen unter den erfolgreichsten Songs seit 2017 deutlich gestiegen ist - von rund 16 auf etwa 30 Prozent. Auch an den Spitzen der Streamingdienste und Charts sind Frauen heute so präsent wie nie zuvor. Taylor Swift war 2024 weltweit die meistgestreamte Künstlerin bei Spotify. Sabrina Carpenter, Billie Eilish, Olivia Rodrigo und Chappell Roan dominierten ebenfalls die internationalen Streaming- und Albumcharts. In Deutschland gehören Ayliva, Nina Chuba, Shirin David und Leony regelmäßig zu den erfolgreichsten.
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