Dorfentwicklung im Ahlenmoor: Jetzt können Bürger ihre Heimat mitgestalten
Die Ahlenmoor-Region nutzt das Dorfentwicklungsprogramm Niedersachsens, um sich mit Bürgerbeteiligung zu erneuern. Gemeinden planen Workshops, um Ideen zu sammeln und nachhaltige Veränderungen zu initiieren.
Die "Dorfregion Ahlenmoor" ist in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen worden. Dazu zählen die Ortschaften Flögeln, Krempel und Neuenwalde aus der Stadt Geestland sowie die Gemeinden Wanna und Nordleda aus der Samtgemeinde Land Hadeln. Jetzt hat der Auftaktworkshop für das Vorhaben stattgefunden.
Das Dorfgemeinschaftshaus in Krempel platzte am Montagabend aus allen Nähten. Das Interesse an dem Programm, von dem sowohl öffentliche Träger als auch Privatpersonen sowie Vereine profitieren können, war enorm. Die Bürgerinnen und Bürger aus den beteiligten Gemeinden wollten wissen, was sich in ihren Orten in den kommenden Jahren ändern und verbessern könnte und wo sie möglicherweise selbst von den Fördermöglichkeiten profitieren könnten.
Bürgerbeteiligungsprojekt zum Leben zu erwecken
Vor allem aber ging es zunächst darum, die nächsten organisatorischen Schritte festzulegen, um die Dorferneuerung als Bürgerbeteiligungsprojekt zum Leben zu erwecken, Ideen zu sammeln und in die Umsetzung zu kommen. Helfen soll dabei das Planungsinstitut "Stadt - Land - Raum", das mit Projektleiter Dr. Daniel Trebing und Joselien Kadi in Krempel vertreten war.
Alles, was in der Dorfregion künftig geplant wird, ist relevant für das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg (ArL). Von der Geschäftsstelle Bremerhaven waren Jennifer Novakovskij und Lienhard Varoga gekommen, um die Rahmenbedingungen für die möglichen Förderungen und deren erfolgreiche Bewilligung vorzustellen. Stets gehe es um den sinnvollen Einsatz der - unbegrenzten - Fördermittel, ob bei öffentlichen, privaten oder gemeinnützigen Investitionen. Vorhaben von Gemeinden können mit bis zu 90 Prozent gefördert werden - zehn Prozent mehr als die Regel, weil sowohl Geestland als auch Land Hadeln Leader-Regionen sind. Private Investoren können beispielsweise für die Sanierungen ortsbildtypischer Gebäude rund 40 Prozent Förderung erwarten. Gemeinnützige Vereine erhalten bis zu 75 Prozent für ihre Projekte.

Beteiligungsworkshops im Dezember
Förderanträge können frühestens zum 30. September 2027, dann soll das Dorfentwicklungsprogramm fertiggestellt sein, gestellt werden. Bis Ende dieses Jahres sollen in den fünf Dorferneuerungsgemeinden rund ums Ahlenmoor Beteiligungsworkshops stattfinden, bei denen sich Bürgerinnen und Bürger mit ihren Ideen einbringen können. Für Wanna steht der Termin bereits fest. Dafür ist der 8. Dezember vorgesehen. Auch online soll Beteiligung ermöglicht werden. Im kommenden Jahr soll außerdem ein Jugend-Beteiligungsworkshop stattfinden, um dieser Gruppe Gelegenheit zu geben, ihre eigenen Interessen zu artikulieren.
Im Laufe des kommenden Jahres stehen zudem die Auswertung der Workshops sowie die Entwicklung von Strategien bis hin zum Maßnahmenpaket auf dem Programm.
Dorfmoderatoren spielen entscheidende Rolle
Gebündelt werden die Planungen und Maßnahmen durch eine Steuerungsgruppe, die beteiligten Gemeinden, Facharbeitskreise sowie das Amt für regionale Landesentwicklung. Eine bedeutende Rolle in dem Prozess der Dorfentwicklung kommt zudem den so genannten Dorfmoderatoren zu. In Niedersachsen ist die Dorfmoderation ein zentrales Instrument der Dorferneuerung und Dorfentwicklung. Sie dient dazu, engagierte Bürgerinnen und Bürger zu qualifizieren, um Entwicklungsprozesse in ihren Orten eigenständig zu moderieren, Ideen zu sammeln und Projekte zu begleiten. Wer Interesse hat, Dorfmoderatorin und -moderator - im besten Fall mehr als eine Person pro Ort - zu werden, kann sich an seine jeweilige Kommune wenden. Die Qualifizierung findet an zwei Wochenenden im Ev. Bildungszentrum in Bad Bederkesa statt.
Auch eine digitale Umfrage zur Zufriedenheit mit dem Wohnort und zu anderen Themen wie Versorgung, Tourismus, Landwirtschaft, ÖPNV, Barrierefreiheit und so fort soll durchgeführt werden.
Laufzeit für Dorferneuerung mindestens sechs Jahre
Die Laufzeit der Dorfentwicklung beträgt nominell sechs Jahre. Allerdings seien Verlängerungen und Nachspielzeit die Regel, so Lienhard Varoga vom ArL. Ein festes Budget gebe es nicht, wohl aber Förderhöchstgrenzen für einzelne Projekte. Bei öffentlichen Vorhaben liegen sie bei etwa 500.000 Euro, bei privaten zwischen 50.000 und 150.000 Euro und bei Vereinen zwischen 50.000 und 200.000 Euro. Hinzu kommen Kleinstprojekte, die mit rund 2500 Euro gefördert werden können und bei Bedarf bereits im kommenden Frühjahr in die Umsetzung gehen können.
Die Dorferneuerung sei ein Programm "von unten nach oben", also eines der Bürgerinnen und Bürger. Dementsprechend komme es entscheidend auf die Dorfgemeinschaften und das Engagement der Dorfmoderatoren an, ob das Vorhaben gelingt.
Es gehe darum, die Ahlenmoor-Region zu vernetzen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, die die Dörfer dauerhaft verändern und die Lebensqualität verbessern. Claus Seebeck (MdL), Flögelner Ortsbürgermeister, verdeutlichte: "Wir wollen das Ahlenmoor im Herzen des Cuxland für die Zukunft und künftige Generationen weiterentwickeln."
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