Seit 25 Jahren arbeitet Kai Reimers nun schon als Schwimmmeister. Foto: Zinn
Seit 25 Jahren arbeitet Kai Reimers nun schon als Schwimmmeister. Foto: Zinn
Sommer im Kreis Cuxhaven

Sommer, Hitze, bestes Badewetter: So ist der Job als Schwimmmeister in der Wingst

10.06.2023

Der Sommer steht bevor und die Temperaturen steigen. Wer hat da nicht Lust auf eine frische Abkühlung zum Beispiel im Freibad in der Wingst? Wir haben mit dem Wingster Schwimmmeister Kai Reimers über Berufsanforderungen und Vorurteile gesprochen.

Ist der Job als Schwimmmeister ein attraktiver Beruf?
Ganz klar Ja! Einige behaupten sogar für mich wäre es kein Beruf, sondern eine Berufung. 

Die Arbeit als Schwimmeister ist unheimlich abwechslungsreich. Ich habe meine Technik, die ich betreuen muss. Dann habe ich natürlich hier die Aufsicht aber auch die Kurse, die ich gebe. Angefangen von der Wassergymnastik, über Aqua-Jogging bis hin zu den Schwimmkursen. Besonders sind immer die Schwimmkurse. Einem Kind das Schwimmen beigebracht zu haben und die strahlenden Augen zu gucken, wenn man ihnen die Seepferdchen-Urkunde übergibt, ist was Schönes. Da fühlt man sich schon fast wie der Weihnachtsmann. Etwas Schöneres gibt es einfach nicht. Mittlerweile habe ich in 25 Jahren über 2500 Kindern das Schwimmen beigebracht eine Mutter meinte, dass ich ihnen dadurch das Leben gerettet habe. 

Wie sind denn die Arbeitsbedingungen? Beruf und Familie als Schwimmmeister unter einen Hut zu bekommen ist sicherlich nicht ganz einfach.
Natürlich ist es nicht einfach. Natürlich kommt durch die Wochenend- und Feiertagsdienste das Familienleben teilweise zu kurz. Auf der anderen Seite ist es aber natürlich so, dass ich so auch in der Woche mal einen freien Tag habe. Das gleicht es dann natürlich aus.  

Jetzt sind meine Kinder schon größer, aber früher konnte ich sie dann mal einen Tag nicht in den Kindergarten bringen und habe etwas mit ihnen unternommen. In der Woche! Da waren wir dann halt nicht so auf das Wochenende angewiesen, wo alle anderen dann unterwegs waren und etwas unternommen haben. Aber auch das mag nicht jeder.  

Natürlich sind auch Früh- und Spätschichten so eine Sache. Aber wenn ich um 14 Uhr Feierabend habe, habe ich den kompletten Nachmittag frei. Oder ich fange erst um 14 Uhr, dann habe ich morgens noch Zeit, um beispielsweise mit den Kindern zu frühstücken. 

Sie sagen, der Beruf des Schwimmmeister ist ein attraktiver und die Arbeitsbedingungen seien auch nicht schlecht. Nun hört man ja aber immer wieder, dass Schwimmmeister fehlen. Was glauben Sie, woran das liegt?
Natürlich kann ich immer nur für meine Person sprechen. Aber es ist halt so, dass viele es etwas anders sehen. Die Menschen sehen ja auch, welche Verantwortung wir hier haben. Und das ist der Knackpunkt. Da kann nicht jeder mit umgehen.  

Was ich aber auch so höre, ist ein weiterer Faktor die Bezahlung. Viele sagen dann, dass sie für die Verantwortung, die sie übernehmen, zu wenig Bezahlung bekommen. Dabei verdient man mit gut 2000 Euro netto gar nicht so schlecht. 

Ich wusste auch gar nicht, dass es für Schwimmmeister eine Ausbildung gibt. Oft wirken die Menschen im Bad ja eher wie junge Leute mit einem Sommerjob.
Die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe [Anm. D. Red.; gibt es seit 1997] dauert drei Jahre und umfasst eine technische Ausbildung. Aber auch die Kurse und die Beckenaufsicht sind Teil der Ausbildung. 

Müssen Saisonkräfte die Ausbildung auch machen oder gibt es da eine Art Crash-Kurs?
Da ist tatsächlich der Rettungsschwimmschein Silber ausreichend. Aber die Kollegen, die in der Wasseraufsicht unterstützen, sind Rettungsschwimmer, die haben nicht die Verantwortung für den technischen Bereich, wie ich oder meine Kollegen. 

Man hört ja, dass auch jetzt noch durch Corona immer mehr Menschen, vor allem Kinder, einfach nicht schwimmen gelernt haben oder nicht gut schwimmen können. Wie ist denn da der Stand der Dinge?
Also ich kann für unsere Bäder sagen, dass wir nach Corona unheimlich vielen Kindern wieder das Schwimmen beigebracht haben. Die Wartelisten werden kürzer, sind aber noch nicht auf dem Stand, wo wir vor Corona waren. Die Tendenz geht zum Glück aber wieder in die richtige Richtung.  

Welches Klischee über Schwimmmeister nervt Sie am meisten?
‘Wie du arbeitest, möchte ich Urlaub machen. ' Ich sag mal so, wenn man acht Stunden am Tag Aufsichtsdienst gemacht hat, ist man geistig und körperlich genauso erschöpft wie in anderen Berufen auch. Man unterschätzt das immer gewaltig. Wir sitzen hier nicht nur mit Zigarette und Kaffee am Beckenrand und schauen den Frauen beim Schwimmen zu. Man ist immer in Bereitschaft um möglicher Weise einzugreifen. 

Mussten Sie schon mal persönlich jemanden retten im Schwimmbad?
Also toi, toi, toi. Bisher habe ich das Glück gehabt, dass ich in meinen 25 Jahren noch niemanden retten brauchte. 

Gibt es einen Moment, der Ihnen in Ihrer Laufzeit als Schwimmmeister besonders in Erinnerung geblieben ist? 
Auf jeden Fall. Ich war hier im Ort mal auf einem Schützenfest und stand an der Bratwurstbude, als eine junge Dame auf mich zukam und zu mir sagte, dass sie mich kenne. Ich guckte sie nur fragend an und dann sagte sie, dass ich ihr vor rund 14 Jahren das Schwimmen beigebracht habe. Das fand ich so toll, dass ich ihr da so in Erinnerung geblieben bin. Das bestätigt einen darin, dass man nicht ganz so viel verkehrt gemacht hat. 

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