Wingster Hotel Peters stellt Insolvenzantrag: Rückblick auf 127 Jahre Tradition
Traditionshotel vor möglichem Aus: "Peters - Das Genusshotel in der Wingst" stellte wegen gesundheitlicher Herausforderungen einen Insolvenzantrag. Ein Rückblick auf eine lange und traditionsreiche Geschichte.
Seit 127 Jahren gibt es am Bahnhof in der Wingst ein Hotel. Wegen gesundheitlicher Herausforderungen wurde für das "Peters - Das Genusshotel in der Wingst" nun ein Insolvenzantrag gestellt. Ein Rückblick auf die Geschichte des Traditionshotels, das seit Generationen im Besitz einer Familie ist.

Das Hotel hat eine lange Geschichte. Die Erlaubnis für den Bau eines Hotels direkt am Wingster Bahnhof wurde im März 1899 erteilt. Doch der Entschluss, ein Hotel zu bauen, bestand schon früher: mit dem Bau der Bahnstation "Höftgrube" und der am 1. November 1881 in Betrieb genommenen Unterelbebahn von Harburg nach Cuxhaven. Zuerst gab es damals den Saal als Gebäude, daran wurde dann "Katt's Hotel" gebaut. Die Eigentümer waren Vorfahren des aktuellen Besitzers Claus Peter. Fertiggestellt wurde das Hotel im Dezember 1899. Wo heute im Hotel gefrühstückt wird, wurde damals noch getanzt. Der damalige Tanzpalast diente zudem auch als Turnhalle, Theater und später als Kino.

Im Jahr 1926 wurde eine Posthilfestelle sowie eine öffentliche Fernsprechstelle eingerichtet. Zudem übernahm Kaufmann und Gastwirt Klaus Katt, Sohn der Eigentümer, das Hotel. Zwei Jahre später kam ein Laden mit Manufaktur-, Kolonial-, Kurz- und Eisenwaren, Glas- und Porzellanwaren hinzu.

Fünf Betten, eine Garage und einen Saal hatte das Hotel 1949, als es eine Zentralheizung und fließendes Wasser erhielt. Im Laden wurden Gemischtwaren, Kohlen und Düngemittel verkauft. Der Betrieb wurde zusätzlich durch eine Tankstelle ergänzt. Ein Jahr später wurden zwei Zimmer für Kriegsgeflüchtete bereitgestellt.

Sturmflut erreichte das Hotel 1962
1962 übernahmen Karl-Heinz Peter und seine Frau Erika das Hotel und benannten es in "Hotel Peter" um. Sie beschlossen, das Hotel aufzustocken: Der Dachboden wurde abgenommen und das Gebäude erhielt ein weiteres Stockwerk. Eine eigene Dusche im Zimmer war zu der Zeit Hightech. Es gab keine Fernseher in den Zimmern, sondern einen Fernsehraum, in dem gemeinsam Fernsehen geguckt werden konnte.

Der Kolonialwarenladen, der sich in der heutigen Lobby befand, wurde zu einem der ersten Selbstbedienungsgeschäfte umgewandelt. Obwohl das Hotel weit weg von der Nordseeküste und in einiger Entfernung zur Oste liegt, musste es der Februar-Sturmflut von 1962 trotzen, bei der das Wasser die Bundesstraße 73 überschwemmte.

In einem zusätzlichen Anbau entstand 1979 eine Kegelbahn mit vier Bahnen. Der Sohn der Betreiber, Claus Peter, stieg 1996 in den elterlichen Betrieb ein - ein Jahr später übernahm er das Hotel. Zu Ostern eröffnete er das Gourmetrestaurant "Oelschlägerstube".
Das Hotel war stets im Wandel: Über die Jahre wurden neue Zimmer eingeweiht und ein Fahrstuhl eingebaut. Zum Restaurant kam 2010 noch die "Oehlschläger-Bar" hinzu.

Neuer Name, neuer Anstrich
Im Juli 2016 erhielt das Hotel eine neue Markenausrichtung und einen neuen Namen: "Peters - Das Genusshotel in der Wingst". Zudem wurde renoviert, die Fenster wurden ausgetauscht und die Fassade erhielt einen neuen Anstrich, der an die alte Backsteinfassade erinnern sollte. Wenige Monate später wurde ein Tagungsraum eingeweiht.
Mitten in der Nacht musste 2019 die Feuerwehr anrücken, als es im Hotel brannte. Eine große Holzkiste mit Bettdecke, Mobiliar, mehreren Zeitungen und einem Telefonbuch wurde entzündet. Die Polizei ermittelte nach dem Feuer wegen schwerer Brandstiftung. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand, der Betrieb des Hotels konnte eingeschränkt weiterlaufen.

2020 erhielt das Hotel eine große Terrasse, die sich im Innenhof des Gebäudes befindet. Die Zimmer im Haupthaus wurden alle Ende 2021 renoviert.
Eigentümer Claus Peter liegt besonders die Ausbildung in seinem Haus am Herzen. Über die Jahre gab es mehrere Preise und Nominierungen für den Betrieb. Unter anderem 2018 den Niedersächsischen Wirtschaftspreis, 2022 den 1. Platz beim "Azubi Award" der HGK Deutschland, 2023 den 1. Platz beim "GEVA-Award der Gastfreundschaft" und den 2. Platz beim "Hospitality Award" der Deutschen Hotelakademie.
Peter sorgte über die Jahre immer wieder für Aufsehen: Im vergangenen Jahr nahm er mit seinem Team an der TV-Doku "Mein Lokal, dein Lokal" teil und beeindruckte mit euro-asiatischer Küche. Er gewann mit einem Punkt Vorsprung vor seinem zweitplatzierten Konkurrenten.
Nun hat die Gesundheit von Claus Peter Vorrang - was genau mit dem Hotel in der Wingst passiert, bleibt vorerst offen.

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