Chancen für die deutschen Werften: Das passiert auf der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven
Die Werften in Deutschland stehen vor vielen Problemen. Um die Meyer Werft zu retten, hat der Staat 400 Millionen Euro investiert. Doch was ist mit kleineren Werften wie der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven? Betriebsleiter Lasse Tebelmann berichtet.
Gerade die Entwicklungen im Offshore-Bereich und im Maritimen Rüstungsbau bieten große Potenziale. Lasse Tebelmann ist seit September neuer Betriebsleiter der Mützelfeldtwerft, die zur BREDO DRY DOCKS GmbH gehört. "Im Moment haben wir ein Projekt draußen und viele kleinere Projekte in der Schiffbauhalle. Ab der kommenden Woche sind wir dann wieder voll ausgelastet und haben beide Docks belegt", berichtet Tebelmann.
Chancen durch Wachstum der Offshore-Branche
Bei den Projekten in der Halle handelt es sich um kleinere, unbewaffnete Marineeinheiten, die aktuell instandgesetzt werden. "Hier erhoffen wir uns in den kommenden Monaten weitere Aufträge", so der Betriebsleiter. An den beiden BREDO-Standorten in Bremerhaven werden auch regelmäßig Fregatten instandgesetzt.
Im Offshore-Bereich steht demnächst die Ausrüstung von großen Traversen für die Windenergie an. Die Traversen sind gerade in Cuxhaven angekommen und sollen per Schwimmkran auf die Werftpier gebracht werden. "Und hier bei uns werden sie dann unter anderem mit Winden und Maschinen ausgerüstet. Die große Traverse wiegt rund 60 Tonnen und ist 68 Meter lang", erklärt Lasse Tebelmann.
Das Kerngeschäft der BREDO-Werften in Bremerhaven und Cuxhaven ist die Reparatur, Instandsetzung und der Umbau von Schiffen. Aber auch der Sektionsbau spielt auf der Mützelfeldtwerft eine Rolle. Im vergangenen Jahr wurden im Oktober unter anderem Rumpfsektionen und Teile von Aufbauten für Marineschiffe gebaut und verschifft. "Das sind aber immer ein bis zwei Aufträge im Jahr und nicht das Tagesgeschäft", sagt der Betriebsleiter.
Viele Experten sehen auch den Bau von Offshore-Konverterplattformen, die auf See erzeugten Strom zum verlustfreien Weitertransport umformen, als Zukunftschance für deutsche Werften. In Cuxhaven sei dies aufgrund der Tide und der Flächenkapazitäten logistisch nicht möglich. Möglich wäre es aber dafür Teilsektionen zu bauen.
Im Offshore-Bereich geht es zukünftig schwerpunktmäßig um die Reparatur von Service- und Konstruktionsschiffen und deren Anlagen an Bord. Das Gros der Arbeit würde jedoch durch Aufträge aus dem Hafen, zum Beispiel aus der Fischindustrie, generiert.

Ausbildung am Standort an der Woltmanstraße
Auf der Mützelfeldtwerft arbeiten Industrie- und Konstruktionsmechaniker sowie Rohrleitungsbauer. Diese Berufe werden auch am Standort ausgebildet. "In diesem Jahr konnten wir bisher drei neue Auszubildende einstellen. Das war bisher recht schwierig, aber aktuell läuft es hervorragend. Es kommen auch viele Schülerpraktikanten und Praktikanten aus der Berufsorientierung zu uns, die sich für einen Beruf auf der Werft interessieren. Das ist eine tolle Entwicklung", freut sich Tebelmann und ergänzt: "Zwei unserer Auszubildenden sind jetzt fertig und werden Anfang Februar fest übernommen. Auch das bleibt eines unserer Ziele für die Zukunft: eigenes Personal hier am Standort auszubilden."

Die "Ever Given" steckt im Suezkanal
Zwischen 2004 und 2010 wurden auf der Mützelfeldtwerft elf der damals größten und leistungsfähigsten Hochseeschlepper Europas gebaut die noch im Einsatz sind.
Große Erleichterung löste 2021 die Nachricht aus, dass der im Suezkanal feststeckende Containerriese "Ever Given" befreit werden konnte. An dem erfolgreichen Befreiungsversuch war der Hochseeschlepper "Alp Guard" (ehemals "Uranus") beteiligt. Der 74 Meter lange Ankerziehschlepper mit einem Pfahlzug von 285 Tonnen gehört zu den leistungsstärksten Schleppern der Welt und wurde 2009 auf der Cuxhavener Werft fertiggestellt und getauft.
Diese Zeit ist zwar vorbei, aber noch heute profitiert man in Cuxhaven von der damaligen Arbeit. "Wir haben einen sehr guten Altersdurchschnitt bei uns und es gibt noch Mitarbeiter aus der Zeit, als hier damals die Schlepper gebaut wurden. Von deren Know-how profitieren auch heute noch alle anderen Mitarbeiter und Auszubildenden", so der Betriebsleiter.
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