Bergung und Zerteilung von U-Boot "SM U16": Faszinierende Einblicke in Cuxhaven
Hartmut Mesters Dokumentation zur Bergung des 1919 gesunkenen U-Boots "SM U16" enthüllt in Cuxhaven verborgene Geschichten und technische Wunder einer vergangenen Epoche: ein faszinierender Filmabend voller Geschichte und Gänsehaut.
Spannung erfüllte den Raum, als das Licht im vollbesetzten Saal des Forum Maritim gedimmt wurde. Auf der Leinwand erschien der in Sonnenlicht getauchte Rumpf von "SM U16", gezeichnet von Rost, Muschelbesatz und dem Schlaf von mehr als 100 Jahren auf dem Grund der Nordsee. Hartmut Mesters Dokumentation über die Zerlegung des Wracks war eine Begegnung mit einem Stück versunkener Geschichte und bescherte dem Publikum einen Filmabend voller Gänsehautmomente.
Den Anfang machte ein Zeitraffervideo, das der Cuxhavener für die Abbruchfirma Machulez erstellt hatte. Es folgte ein KI-generierter Kurzfilm mit einer eindrucksvollen Darstellung dessen, wie sich viele Menschen den Umgang mit U16 gewünscht hätten, die im Glauben waren, man könne das Boot einfach heben und als Museumsstück aufstellen. Das Finale bildete die Dokumentation "SM U16. Ein Denkmal der Technik. Ein Mahnmal des Krieges", die den Abbruch des U-Bootes eindringlich nachzeichnete.

Ein Blick zurück: Anfang September 2025 wurde vor Scharhörn das Wrack des U-Boots "SM U16" in einer aufwändigen Bergungsaktion gehoben, da es eine akute Gefahr für die Schifffahrt darstellte. Dabei zerbrach der Rumpf des 1919 gesunkenen Boots in zwei Teile, die auf einem Ponton in den Cuxhavener Hafen geschleppt wurden. Das Medieninteresse an dieser Aktion war groß, zumal die Bergung nicht unumstritten war. "Eigentlich sollte ich nur ein paar Bilder von der Demontage für die Firma Machulez machen", erinnert sich Hartmut Mester. "Doch schon während der ersten Tage hatte mich dieses Boot gepackt. Nie wieder wird ein Boot dieser Epoche gehoben und zerlegt werden."

Über Wochen begleitete der Filmemacher die Abwrackung des U-Bootes. Seine Kamera war dort, wo sonst niemand hinkam: dicht an den gewaltigen Stahlplatten, zwischen freigelegten Maschinen und an den Schnittstellen des aufgebrochenen Rumpfes. Immer wieder zeigte der Film Bilder von beinahe gespenstischer Wirkung: Ventile, Leitungen und genietete Stahlwände, die im Film ihre Geschichte erzählen. Im Publikum saßen viele Cuxhavener, die die spektakuläre Hebung im September 2025 selbst verfolgt hatten. Viele lehnten sich fasziniert weit nach vorne, als auf der Leinwand Details sichtbar wurden, die mehr als ein Jahrhundert unter Schlick verborgen lagen.

"Ich wollte Zeuge eines unwiederholbaren Prozesses sein und ihn so detailliert wie möglich einfangen", beschreibt der Filmemacher seine Intention. Gerade diese Nähe machte den Film so eindringlich. Mester fing nicht nur die Bilder ein, sondern auch die Geräusche der Bergung: das Kreischen der Schneidbrenner, das dumpfe Schlagen von Stahl auf Stahl. Keine Inszenierung, nur die Wirklichkeit eines Wracks, das langsam in Einzelteile zerlegt wurde. Genau darin lag die besondere Kraft der Dokumentation, die Mester als "visuelles Tagebuch" beschreibt.
Der Film zeigte nicht nur ein technisches Denkmal, sondern verdeutlichte auch, wie viel High-Tech in dieser Waffe des 1. Weltkrieges steckte. Immer wieder schnitt die Kamera auf Zahnräder und massive Stahlverstrebungen oder auf die Laufschiene des Torpedo-Transportes. Nun wurden sie für wenige Augenblicke sichtbar - bevor Schneidbrenner und Hydraulikscheren das Boot Stück für Stück zerlegten. Im Saal war es während dieser Szenen bedrückend still.

Als nach dem Abspann das Licht wieder anging, brandete Applaus auf. Für einen kurzen Moment wirkte die Vergangenheit greifbar nah - kalt, rostig und schwer wie der Stahl von "SM U16" selbst. Was nicht der Verschrottung zugeführt wurde, findet seinen Platz im Ostdeutschen Fahrzeug- und Technikmuseum in Benneckenstein. Doch trotz der beeindruckenden Technik blieb auch die andere Seite präsent: die der Zehntausenden Toten unter den U-Boot-Besatzungen. Ein technisches Wunder zwar, aber zugleich auch ein Ort unermesslichen Leids.
Von Joachim Tonn
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