Eine Zeitreise durch ein Jahrhundert Seglervereinigung Cuxhaven
Seit 1926 segelt die Seglervereinigung Cuxhaven durch Höhen und Tiefen, vereint Generationen und bleibt ein Anker für Gemeinschaft und Ehrenamt. Ein Blick auf fast hundert Jahre voller Wind, Wasser und Zusammenhalt.
Ein kühler Morgen im Hafen von Cuxhaven. Die Sonne steht noch tief, Möwen kreisen über dem Wasser. Auf dem Steg klappert Metall, eine Leine wird festgezogen, ein Segel ausgebreitet. Es ist ein ganz normaler Vormittag bei der Seglervereinigung Cuxhaven - und genau darin liegt etwas Besonderes. Hier ist kein Ort für Zuschauer, sondern für Mitmacher.
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1926. Seither bringt er Menschen aufs Wasser. Angefangen hat alles klein. Wenige Boote, wenig Geld, viel Mut. Gesegelt wurde mit dem, was da war. Boote waren teuer oder mussten selbst gebaut werden. Wer segeln wollte, brauchte Geschick, Ausdauer und Menschen, auf die man sich verlassen konnte. Genau daraus entstand die Seglervereinigung: aus dem Wunsch, gemeinsam aufs Wasser zu gehen und sich gegenseitig zu helfen. Schon damals zählte nicht, was jemand besaß, sondern ob er oder sie bereit war, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Geist prägt den Verein bis heute.

Besonders ist vor allem das Miteinander. 1933 entstand die Jugendabteilung der Seglervereinigung. Kinder und Jugendliche lernten nicht nur, wie man ein Boot steuert, sondern auch, Verantwortung zu übernehmen. Sie lernten, dass Segeln Teamarbeit ist. Und noch heute ist es so: Wer hier anfängt, bekommt nicht nur eine Schwimmweste, sondern auch Zeit, Geduld und Vertrauen geschenkt. Ältere Mitglieder stehen am Steg, erklären Knoten, geben Tipps und erzählen von früher. Sie geben Wissen weiter. Denn so wächst man hinein - ins Segeln und in die Gemeinschaft.

Auch schwere Zeiten hat der Verein erlebt. Der Zweite Weltkrieg brachte das Vereinsleben nahezu zum Erliegen. Boote gingen verloren, der Hafen wurde beschädigt, vieles musste aufgegeben werden. Doch nach 1947 begann der Neuanfang. Alle packten wieder mit an: Stege wurden aufgebaut, Boote repariert, Regatten neu gestartet. Es wurde nicht gefragt, wer zuständig ist, sondern wer Zeit hat. Diese Erfahrung hat den Verein geprägt. Bis heute gilt: Wenn etwas gebraucht wird, wird nicht lange geredet - dann wird gemacht.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Seglervereinigung stetig. Der Hafen wurde ausgebaut, neue Stege entstanden, Regatten kamen hinzu. Neben dem sportlichen Segeln gewann auch das gemeinsame Unterwegssein an Bedeutung. Die Seglervereinigung ist ein Ort, an dem sich Generationen begegnen. Kinder üben im kleinen Boot, Jugendliche messen sich bei Wettfahrten, Erwachsene segeln mit Familie oder Freunden, Ältere geben ihre Erfahrung weiter oder genießen ruhige Törns. Alle teilen denselben Hafen, dieselbe Freude am Wind und am Wasser. Und so wurde der Verein zu einem festen Ort im Leben vieler Cuxhavener.

Auffällig ist auch die Offenheit. Neue Mitglieder sind willkommen, egal ob mit viel Erfahrung oder ganz ohne. Niemand muss ein eigenes Boot besitzen. Der Verein stellt Boote, bildet aus und begleitet die ersten Schritte. Segeln wird dadurch greifbar und erreichbar. Fehler sind erlaubt, Fragen erwünscht. Wer lernen will, findet immer jemanden, der erklärt.

Heute ist die Seglervereinigung gut aufgestellt, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Der Hafen ist moderner geworden, die Boote vielfältiger, die Aufgaben größer. Geblieben ist der Kern: Ehrenamt, Zusammenhalt und die Lust, gemeinsam aufs Wasser zu gehen. Heute steht die Seglervereinigung Cuxhaven für fast hundert Jahre gemeinsames Tun.
