"Ethel von Brixham"-Havarie vor Cuxhaven: Neue Infos zum Schiff (mit Fotos und Video)
Vor Ort beim Havaristen "Ethel von Brixham" vor Cuxhaven: Der über 130 Jahre alte Gaffelschoner liegt beschädigt im Cuxhavener Watt - in mehreren Fotos und im Video zeigt cnv-medien.de den eindrucksvollen, traurigen Anblick des Traditionsschiffes.
Es ist 7.50 Uhr am Dienstagmorgen (3. Februar 2026). Minus sechs Grad, ein scharfer Ostwind treibt die Kälte über das Watt. In wenigen Minuten wird die Sonne aufgehen. Das Watt ist von einer Eisschicht überzogen. Der Weg entlang des Leitdamms ist beschwerlich, 40 Minuten führt er geradeaus. Am Horizont erscheint die Sonne als roter Ball - ein beeindruckendes Schauspiel. Lange wirkt es so, als ob der Havarist nicht näherkommt, fast wie ein Trugbild.
Erst mit dem Aufgehen der Sonne, die die Takelage und das Schiff in ein warmes, oranges Licht taucht, tritt das Ausmaß der Szene hervor: Ein über 130 Jahre altes Schiff liegt auf der Seite, gezeichnet von Tide und Eis. Die Bordwand ist beschädigt. An der Backbordseite klafft ein großes Loch im Rumpf. Beinahe gespenstisch liegt der Havarist im Watt - ein imposanter und zugleich trauriger Anblick.

Das Schiff drohte auseinanderzubrechen
Die Gefahr für die Menschen an Bord ist gebannt - für das Schiff jedoch nicht. Während die Crew des Traditionsseglers "Ethel von Brixham" inzwischen in Sicherheit ist, liegt der alte Schoner weiterhin vor Cuxhaven.

Am Wochenende war der Traditionssegler auf der Außenelbe vor Cuxhaven bei Tonne 29, etwa 1,4 Seemeilen (rund 2,6 Kilometer) vor der Kugelbake, auf den Leitdamm gelaufen, nachdem er am Sonnabend (31. Januar 2026) um 10.23 Uhr Cuxhaven verlassen hatte. Etwa eine Stunde später kam es auf dem Weg nach Den Helder (Niederlande) zur Havarie.
Der Seenotrettungskreuzer "Anneliese Kramer" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sicherte den Einsatz ab. Die Besatzung unternahm mit dem Tochterboot zunächst einen Freischleppversuch, der jedoch scheiterte. Später kam es zu Wassereinbruch, ein Auseinanderbrechen des Schiffes drohte.

Aus Sicherheitsgründen wurden die Crew und ein Hund schließlich vom zurückbleibenden Schiff geholt. Das übernahm die Besatzung des in Cuxhaven stationierten Mehrzweckschiffes "Neuwerk". Mit dem Beiboot "Neuwerk 3" wurden die Besatzung und der Hund von Bord geholt.

Bereits im Herbst 2025 war die "Ethel" bei Brunsbüttel nur knapp einer Katastrophe entgangen. Damals drang Wasser in den Rumpf ein, das Schiff drohte zu sinken. Es wurde anschließend von Brunsbüttel nach Cuxhaven geschleppt, um hier in einer Werft repariert zu werden. Der nun erneute Schaden könnte für den ehrwürdigen Holzrumpf irreparabel sein.

Die "Ethel" wurde um 1890 im südenglischen Brixham als Sailing-Trawler gebaut. In den 1920er-Jahren gelangte das Schiff nach Norwegen, wo es über Jahrzehnte hinweg in der Fischerei und später in der Frachtfahrt eingesetzt wurde. 1981 wurde der historische Segler nach Deutschland überführt und zum Stagsegelschoner umgeriggt. Der damalige Eigentümer Gerhard Bialek nutzte das Schiff für verschiedene Törns und bot es zur Charter an.

Nachdem Matthias Milau von Yachtcharter Kiel online über die Havarie des Schiffes informiert hatte, teilte er im Gespräch mit cnv-medien.de mit, dass er nach dem Zwischenfall telefonisch mit dem ehemaligen Eigentümer gesprochen habe. Dieser sei ein persönlicher Freund von ihm.

Eigner ist für die Beseitigung zuständig
Milau zufolge sei bereits bei der Übergabe darauf hingewiesen worden, dass es sich um ein Schiff handele, das dringend technisch überholt werden müsse. Dies sei dem Käufer, William Lund von Wine Dark Sea Research, vollumfänglich bekannt gewesen. Weiter erklärte Milau, Vorbesitzer Bialek habe bereits während der Überführung des Schiffes bis nach Rendsburg mehrfach technische Einweisungen angeboten, die jedoch abgelehnt worden seien. Das Interesse an der Technik des alten Trawlers sei seitens des neuen Schiffsführers gering gewesen. Sowohl der ehemalige als auch der neue Eigentümer waren am Dienstag (3. Februar 2026) bis Redaktionsschluss telefonisch nicht zu erreichen.

Wine Dark Sea Research ist nach eigenen Angaben eine international tätige Umweltorganisation, die sich der Förderung von Meeresforschung und Nachhaltigkeit verschrieben hat. Gründer der Organisation ist William Lund, der auf der Website des Projekts seine tiefe Verbundenheit zu traditionellen Schiffen und maritimer Geschichte betont.
Der Eigner ist nun auch für die Beseitigung zuständig. Dieser wurde vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe-Nordsee aufgefordert, den Havaristen zu beseitigen. "Das WSA steht dem Eigentümer in einem solchen Fall natürlich mit Rat zur Seite", betonte der Leiter der Verkehrszentrale des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe-Nordsee, Philipp Kiss, gegenüber der CN/NEZ-Redaktion.
