Havarierte "Ethel von Brixham" liegt vor Cuxhaven: Eigner lässt Frist verstreichen
Die Havarie des historischen Gaffelschoners "Ethel von Brixham" vor Cuxhaven stellt die Behörden vor Herausforderungen. Noch ist unklar, wie das gestrandete Schiff geborgen werden soll - während der Eigner seiner Pflicht (voerst) nicht nachkommt.
Am Freitagvormittag (6. Februar 2026) hat der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) einen der beiden Tanks des Havaristen "Ethel von Brixham" entleert. So konnte die Umweltgefahr um 200 bis 300 Liter Diesel reduziert werden. Ein zweiter Tank mit unbekanntem Füllstand konnte aufgrund der Schräglage durch die Einsatzkräfte nicht sicher erreicht werden, so das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe-Nordsee.

Der Eigner habe die gesetzte Frist untätig verstreichen lassen und kein Bergungskonzept eingereicht. Daher prüft das WSA, ob kurzfristig eine Angebotsabfrage mit Vergabe an ein Drittunternehmen möglich ist. Das werde die Gefahr durch den Havaristen beseitigen. Die Kosten werden dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Das WSA geht davon aus, dass der Havarist am Wochenende sicher an der Position verbleibt und kein Handeln notwendig wird. Die Lage werde beobachtet, um bei Änderungen tätig zu werden.
Die rund 135 Jahre alte "Ethel von Brixham" havarierte am 31. Januar 2026 vor Cuxhaven, nachdem sie den Hafen nur wenige Minuten zuvor verlassen und die Nordsee auf dem Kurs in Richtung Den Helder (Niederlande) angesteuert hatte. Der hölzerne Gaffelschoner lief rund 1,4 Seemeilen (etwa 2,6 Kilometer) vor der Kugelbake am Leitdamm, einem Steindamm auf der Außenelbe, auf Grund.
Die Besatzung scheiterte bei dem Versuch, das Schiff mit Hilfe des Beibootes freizuschleppen. Der Seenotrettungskreuzer der DGzRS, "Anneliese Kramer", übernahm die Sicherung des Einsatzes. Kurz darauf kam es zu einem Wassereinbruch durch den an mehreren Stellen aufgerissenen Rumpf. Die "Ethel von Brixham" drohte auseinanderzubrechen. Das Beiboot des Mehrzweckschiffes "Neuwerk" brachte die vierköpfige Besatzung und einen Hund von Bord und in Sicherheit.

Seitdem liegt der Schoner am Leitdamm und wirkt im trüben Licht des Winters wie ein Geisterschiff. Der Eigner des Schiffes hatte bis Freitag Zeit, darüber zu entscheiden, wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Also wie, von wem und wann das Schiff geborgen wird. "Wir stehen mit dem Eigner in Kontakt", so Kai Ewers am Donnerstag gegenüber CNV-Medien.
Bei dem Eigentümer der "Ethel von Brixham" handelt es sich laut WSA um einen britischen Staatsbürger. Der in unserer Berichterstattung zuvor als Eigner genannte William Lund von der Umweltorganisation Wine Dark Sea Research ist nach eigenen Angaben nicht mehr im Besitz des Schiffes. Die Organisation habe die "Ethel von Brixham" am 29. November 2025 weiterveräußert, teilte er gegenüber cnv-medien.de mit.

Ewers hatte tags zuvor angekündigt, dass das WSA seinerseits die Lage bewerten und zur Tat schreiten werde, sofern sich der neue Eigner am Freitag nicht zum weiteren Vorgehen äußern sollte. Das heißt: Zur Gefahrenabwehr plant das WSA, das Schiff dann vom Leitdamm zu entfernen. Die Kosten würden dann dem Eigner in Rechnung gestellt. Vermutlich könnte das kostspieliger werden, als wenn der Eigner von sich aus ein Bergungsunternehmen beauftragt. "Wir geben dem Eigner die Gelegenheit, selbst tätig zu werden", so Ewers noch am Donnerstag.
Das WSA Elbe-Nordsee hätte im anderen Fall die Handhabe aufgrund des Bürgerlichen Gesetzbuches. Hierin wird die sogenannte Geschäftsführung ohne Auftrag geregelt. Diese umfasst unter anderem den Schutz eines fremden Rechtsguts vor Gefahren.