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Das Forschungsschiff „Heincke“ des Alfred-Wegener-Instituts untersucht Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete in der Deutschen Bucht. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner
Das Forschungsschiff „Heincke“ des Alfred-Wegener-Instituts untersucht Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete in der Deutschen Bucht. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner
Rostende Kriegswracks

Giftige Munition in der Nordsee: Forschungsschiff untersucht Wracks vor Helgoland

von Redaktion | 26.10.2026

Auf dem Grund der Nordsee liegen noch immer gefährliche Überreste aus zwei Weltkriegen. Forscher untersuchen vor Helgoland Kriegswracks und suchen in der Deutschen Bucht vor dem Kreis Cuxhaven nach verborgener Munition.

Mehr als 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg stellen versenkte Kriegsschiffe und Munitionsaltlasten auf dem Grund der Nordsee weiterhin eine Gefahr dar. Wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mitteilt, untersucht das Forschungsschiff "Heincke" während einer zweiwöchigen Expedition mehrere Schiffswracks und Munitionsverklappungsgebiete in der Deutschen Bucht. Ziel ist es, die Auswirkungen austretender Explosivstoffe auf Meereslebewesen zu untersuchen und eine Pilotbergung von Munition vorzubereiten.

Die Forschungsfahrt vom 17. bis 31. Oktober 2026 wird von dem AWI-Biologen Matthias Brenner geleitet. Auf dem Programm stehen unter anderem die Wracks der "SMS Mainz", die im August 1914 westlich von Helgoland sank, und des Panzerkreuzers "Blücher". Die "SMS Mainz" ist bereits seit mehreren Jahren Forschungsobjekt des Teams um Brenner.

Giftige Stoffe treten aus den Wracks aus

Nach Angaben des AWI wächst mit zunehmendem Alter der Wracks die Gefahr, dass diese durch Korrosion instabil werden. Gleichzeitig treten zunehmend giftige und krebserregende Explosivstoffe aus. "Nach über 100 Jahren am Meeresgrund steigt die Gefahr, dass die Wracks kollabieren. Daher ist es wichtig, ihren Zustand zu überwachen. Außerdem treten mit zunehmender Korrosion auch giftige und krebserregende Explosivstoffe aus. Diese Schadstoffe bedrohen Meereslebewesen, Lebensmittelsicherheit und menschliche Gesundheit", erklärt Brenner.

In der Deutschen Bucht liegt nach den Weltkriegen versenkte Munition unter Sand verborgen. Foto: Foto: Alfred-Wegener-Institut / Ute Marx

Um den Zustand der Wracks genauer zu untersuchen, setzen die Wissenschaftler im Rahmen des Forschungsprojekts "Remarco" verschiedene Unterwasserroboter ein. Ein kabelgebundenes Fahrzeug des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz sowie autonome Unterwasserroboter sollen die Wracks kartieren und visualisieren. Anhand dieser Daten können die Forschenden ihren Zustand analysieren.

Forscher untersuchen Fische auf Krankheiten und Tumore

Darüber hinaus entnimmt das Forschungsteam Wasser- und Sedimentproben in der Umgebung der gesunkenen Schiffe. Auch Fische und andere am Meeresboden lebende Organismen werden gesammelt und auf Explosivstoffe untersucht. Wie die AWI-Pressestelle erläutert, wollen die Wissenschaftler unter anderem herausfinden, ob Fische in der Nähe der Wracks häufiger Krankheiten oder Tumore aufweisen als Tiere aus unbelasteten Vergleichsgebieten.

AWI-Forschungsschiff "Heincke" untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete. Mit dem Greifer (links) werden Sedimente und darin lebende Organismen beprobt, die anschließend gespült und gesiebt werden (rechts). Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner

Forschende von Senckenberg am Meer untersuchen zudem, wie die Schadstoffbelastung mit der Artenzusammensetzung und der Anzahl wirbelloser Tiere im Sediment zusammenhängt.

An der Expedition beteiligt sich für einen Tag auch die Bundespolizei, die an Bord einen autonomen Unterwasserroboter testen will. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Behörden und Industrie soll laut AWI dazu beitragen, die Risiken von Unterwassermunition besser zu überwachen und zu vermindern. Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Entwicklung automatisierter Lösungen für die Überwachung und Sanierung.

Verborgene Munition soll aufgespürt werden

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsfahrt liegt auf sieben Munitionsverklappungsgebieten in der Deutschen Bucht. Dort wurde nach den Weltkriegen Munition im Meer versenkt. Da die Kampfmittel unter Sand liegen, können sie nach Angaben des AWI nur mithilfe magnetischer Messverfahren kartiert werden.

Die Aufnahme des Unterwasserroboters zeigt Maschinenteile eines Wracks. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Nikolas Dahn, DFKI

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Conmar" kommt deshalb ein spezielles magnetisches Messsystem zum Einsatz. Die Firma Sea Terra untersucht die Gebiete mit dem sogenannten "Mag Wing". Nach Angaben von Fahrtleiter Brenner ist eine solche Untersuchung dort bislang noch nicht durchgeführt worden. Auch dem Kampfmittelräumdienst sei derzeit nicht genau bekannt, was in den Verklappungsgebieten am Meeresboden liegt.

Bergung der Weltkriegsmunition wird vorbereitet

Die Untersuchungen dienen auch der Vorbereitung des Sofortprogramms der Bundesregierung zur Bergung von Munition in Nord- und Ostsee. Während in der Ostsee bereits Pilotprojekte laufen, werden für die Nordsee entsprechende Räumkonzepte entwickelt. Bau und Betrieb einer speziellen Bergungsplattform sind nach Angaben des AWI bereits beauftragt worden.

Die Magnetkartierung soll dabei helfen, die unter Sand liegende Munition zu lokalisieren. Auf dieser Grundlage sollen die Kampfmittel bei einer späteren Pilotbergung gezielt freigespült werden können.

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