"Mein Schiff 3" kollidiert in Bremerhaven: Rückblick auf dramatische Zeit in Cuxhaven
Die "Mein Schiff 3" kollidierte beim Auslaufen aus Bremerhaven mit zwei Containerschiffen. In Cuxhaven werden Erinnerungen wach, die zurückführen in das Jahr 2020, als das Schiff der TUI‑Cruises-Flotte mehrere Wochen im Hafen festmachen musste.
Die "Mein Schiff 3" ist am Sonntagabend, 25. Oktober, beim Auslaufen aus Bremerhaven mit zwei Containerschiffen kollidiert. Der Unfall ereignete sich bei stürmischem Wetter.
An Bord befanden sich 2428 Gäste und 922 Besatzungsmitglieder. Verletzt wurde niemand. Allerdings entstanden Schäden an Rettungsbooten, Kränen, der Brücke und der Außenhaut des Kreuzfahrtschiffes. Die beteiligten Schiffe erhielten ein Auslaufverbot. Die Wasserschutzpolizei ermittelt zum genauen Unfallhergang.

Tausende Seeleute saßen in Cuxhaven fest
Mit der "Mein Schiff 3", dem ältesten Schiff der Mein-Schiff-Flotte von TUI Cruises, verbindet auch Cuxhaven weit mehr als einen gewöhnlichen Hafenbesuch. Im Frühjahr 2020 wurde das Kreuzfahrtschiff für mehrere Wochen zum Mittelpunkt einer außergewöhnlichen Situation.
Am 28. April 2020 erreichte die "Mein Schiff 3" mit rund 3000 Besatzungsmitgliedern aus verschiedenen Ländern den Cuxhavener Hafen. Wegen der weltweiten Corona-Beschränkungen sollten die Seeleute von hier aus in ihre Heimat zurückkehren.
Doch aus dem geplanten Zwischenstopp wurde ein wochenlanger Aufenthalt. Nachdem ein Besatzungsmitglied positiv auf das Coronavirus getestet worden war, wurde das gesamte Schiff unter Quarantäne gestellt. Die knapp 3000 Menschen an Bord mussten auf das Virus getestet werden. Für die Besatzung, die aus zahlreichen Nationen stammte, begann eine Zeit voller Ungewissheit. Viele hatten ihre Familien seit Monaten nicht gesehen. Nun war unklar, wann sie endlich nach Hause zurückkehren konnten.

Außergewöhnlicher Einsatz der Deutschen Seemannsmission
Die Situation an Bord war angespannt. Gegenüber den Cuxhavener Nachrichten kritisierte ein Besatzungsmitglied damals das Krisenmanagement der Reederei. Die Enge in den Kabinen, eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und die Ungewissheit über die eigene Zukunft belasteten die Seeleute.
Während Gesundheitsamt, Helios-Klinikum und weitere Einsatzkräfte die medizinische Versorgung organisierten, kümmerte sich die Deutsche Seemannsmission um die psychischen Belastungen.
Martin Struwe koordinierte ein psychosoziales Notfallteam mit Fachkräften aus Cuxhaven, Bremerhaven, Stade und Hamburg. Die Helfer waren regelmäßig an Bord, führten Gespräche und unterstützten die Besatzung in der Ausnahmesituation.
Struwe wurde im Oktober 2023 für sein langjähriges Engagement, zu dem auch der besondere Einsatz auf der "Mein Schiff 3" gehörte, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Oberbürgermeister Uwe Santjer überreichte ihm die Auszeichnung im Schloss Ritzebüttel.
Am 29. Mai 2020 verließ die "Mein Schiff 3" schließlich Cuxhaven. Rund 1900 Besatzungsmitglieder aus mehr als 60 Nationen waren zuvor mit elf eigens organisierten Charterflügen in ihre Heimatländer zurückgebracht worden.

Rückkehr zum Kreuzfahrtforum: Cuxhaven als "Hafen der Herzen"
Knapp drei Jahre später gab es ein Wiedersehen. Am 20. April 2023 machte die "Mein Schiff 3" erneut am Steubenhöft fest. Dieses Mal waren keine Quarantänemaßnahmen der Anlass, sondern das zweite Cuxhavener Kreuzfahrtforum. Die Rückkehr war zugleich ein symbolischer Moment für die Stadt, die während der Pandemie eine besondere Verbindung zu dem Schiff und seiner Besatzung aufgebaut hatte.
Bereits im Juni 2022 hatten Vertreter aus Tourismuswirtschaft, Schifffahrt und Politik beim ersten Kreuzfahrtforum in den Hapag-Hallen über die Zukunft Cuxhavens als Kreuzfahrtstandort diskutiert. Der damalige Aufenthalt der "Mein Schiff 3" spielte dabei eine wichtige Rolle. Er hatte gezeigt, dass am Steubenhöft auch große Kreuzfahrtschiffe festmachen können. Die Tourismuswirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven sah darin eine Chance, wieder mehr Kreuzfahrtschiffe in die Stadt zu holen.

Beim zweiten Forum wurde das Kreuzfahrtschiff selbst zum Veranstaltungsort. Vertreter von TUI Cruises, Politik, Tourismuswirtschaft und der IHK Stade kamen an Bord zusammen. Diskutiert wurde über die Perspektiven des Kreuzfahrttourismus und die Bedeutung Cuxhavens als möglichen Anlaufhafen. Auch die Frage, wie Kreuzfahrten nachhaltiger gestaltet werden können, gehörte zu den Themen der Branche.
Für die Passagiere hatte Cuxhaven ein eigenes Ausflugsprogramm vorbereitet. Dazu gehörten Führungen durch die historischen Hapag-Hallen, Stadtrundfahrten, Hafenbesichtigungen und Ausflüge nach Otterndorf. Auch der Cuxhavener Shantychor war an Bord zu Gast.
Besonders emotional wurde es bei einer offiziellen Geste der Stadt. Christian Somnitz, der 2020 im städtischen Krisenmanagement die Kommunikation zwischen Reederei und Besatzung begleitet hatte, überreichte den Kapitänen Christian Lerche und Helge Wrage eine Hafenplakette. Darauf stand: "Zweiter Erstanlauf - Welcome back - Hafen der Herzen".
Die Plakette erinnerte an die außergewöhnlichen Wochen im Frühjahr 2020. Aus einem unfreiwilligen Aufenthalt während einer weltweiten Krise war eine Verbindung entstanden, die Cuxhaven auch Jahre später noch würdigte.
In Bremerhaven endet die Reise für die Mein-Schiff‑3‑Gäste. Diese wurden nach NDR‑Informationen am Vormittag informiert, nach Hause zu fahren. Das Schiff muss in einer Werft repariert werden, teilte eine Sprecherin der Hamburger Kreuzfahrtreederei TUI Cruises dem NDR mit.
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