Mehrere Rettungseinheiten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) suchen stundenlang nach dem Seemann in der Elbmündung. Foto: picture alliance/dpa/Die Seenotretter - DGzRS
Mehrere Rettungseinheiten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) suchen stundenlang nach dem Seemann in der Elbmündung. Foto: picture alliance/dpa/Die Seenotretter - DGzRS
Vermisster wieder aufgetaucht

Intensive Suche vor Cuxhaven: Was bisher über den Seemann-Vermisstenfall bekannt ist

von Tim Larschow | 28.01.2026

Ein 29-jähriger Seemann galt zwei Tage als vermisst, doch überraschend wurde er an Bord gefunden und medizinisch versorgt. Was bisher über die Suche und das Auffinden des Vermissten bekannt ist.

Zwei Tage lang galt ein 29-jähriger Seemann in der Öffentlichkeit als vermisst. Doch dann wurde der Mann lebend wiedergefunden - an Bord, und zwar schon am Tag der Vermisstenmeldung.

Der unter maltesischer Flagge fahrende, rund 144 Meter lange Tanker war am Wochenende von Antwerpen nach Danzig unterwegs. Am frühen Sonntagmorgen (25. Januar 2026) fehlte jede Spur des Seemanns. Sechs Rettungseinheiten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), Behörden- und weitere Schiffe sowie ein Such- und Rettungshubschrauber der Marineflieger waren im Einsatz.

Nach Angaben von Babette Weiß, Pressesprecherin der Polizeidirektion Kiel, wurde der Seemann während der Passage gefunden. Die Besatzung habe veranlasst, dass der Mann medizinische Hilfe erhält. Um welche Art von medizinischem Notfall es sich handelte, wurde auf Nachfrage von cnv-medien.de nicht beantwortet - der Seemann wurde jedoch in eine Klinik gebracht. Die DGzRS brach nach Bekanntwerden des Wiederauffindens die Suche am Sonntag um 12.52 Uhr ab.

Für die Öffentlichkeit stellte sich der Fall so dar, als sei der Mann zwei Tage lang vermisst gewesen, bis die DGzRS am Dienstag (27. Januar 2026) mitteilte: "Der Vermisste wurde an Bord aufgefunden und in die Obhut des Rettungsdienstes an Land übergeben." Weitere Angaben machte ein Sprecher auf Nachfrage von cnv-medien.de nicht und verwies an die Polizeidirektion Kiel, die die Ermittlungen aufgenommen habe. Zuständig ist die Polizei Kiel, da das Schiff den Nord-Ostsee-Kanal passiert hatte. Inzwischen ist das Schiff im Hafen von Danzig angekommen, wie dem Portal marinetraffic.com zu entnehmen ist.

Auch der Seenotrettungskreuzer "Anneliese Kramer" der Station Cuxhaven war im Einsatz, um den Seemann zu finden. Foto: DGzRS

Was über die Arbeit an Bord bekannt ist

Doch wie kann ein Seemann an Bord verschwinden? Darüber lässt sich nur spekulieren. Üblicherweise werden Arbeiten an Deck grundsätzlich zu zweit durchgeführt. Andere Tätigkeiten können hingegen auch allein erledigt werden. Auf See gibt es zudem feste Arbeits- und Pausenzeiten: Nach Arbeitsbeginn folgt zwischen Frühstück und Mittagessen eine Kaffeepause, ebenso zwischen Mittag- und Abendessen.

Auf den meisten Schiffen ist es üblich, dass sich die Besatzungsmitglieder regelmäßig bei ihrem jeweiligen Vorgesetzten melden. Nach Feierabend wird außerdem kontrolliert, ob alle Besatzungsmitglieder da sind.

Ein rollierender Schichtbetrieb

Dass ein Besatzungsmitglied um sechs Uhr morgens als vermisst gemeldet wird, ist nicht ungewöhnlich. Normalerweise liegt die reguläre Arbeitszeit der Besatzung zwischen 8 und 17 Uhr. Das Wachsystem der Offiziere an Bord (Wachoffizier) ist ein rollierender Schichtbetrieb, überwiegend in Vier- oder Sechs-Stunden-Intervallen. So besteht etwa im Drei-Wach-System eine vierstündige Wache mit anschließender achtstündiger Ruhezeit, während im Zwei-Wach-System jeweils sechs Stunden Dienst und sechs Stunden Ruhe vorgesehen sind. Der wachhabende Offizier wird dabei stets von einem weiteren Wachgänger aus den Reihen der Besatzung unterstützt.

Ausnahmen von diesen Abläufen gibt es, wenn ein Hafen erreicht wird oder - wie in diesem Fall - die Passage des Nord-Ostsee-Kanals ansteht. So ist zu erkennen, dass das Schiff am 25. Januar gegen fünf Uhr morgens vor dem Kanal gestoppt hatte. Kurze Zeit später wurde der Vermisstenfall gemeldet.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hielt sich von Beginn an vage. Zu keinem Zeitpunkt wurde ausdrücklich davon gesprochen, dass der Seemann gestürzt oder über Bord gegangen sei. Ein Sprecher nannte die Wendung einen "ungewöhnlichen Fallverlauf".

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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