Neuer Trawler für DFFU mit Sitz in Cuxhaven: "Berlin NC 107" hat einen stolzen Preis
Die Deutsche Fischfang-Union (DFFU) mit Sitz in Cuxhaven hat in Brattvåg (Norwegen) ihr neuestes Schiff, die "Berlin NC 107", in Empfang genommen. Der neue Fabriktrawler ist einer der modernsten seiner Art - und hat einen stolzen Preis.
Die Deutsche Fischfang-Union (DFFU) hat am Dienstag in Brattvåg (Norwegen) ihr neuestes Schiff, die Berlin NC 107", in Empfang genommen. Der hochmoderne Trawler, der von der norwegischen Werft "VARD" gebaut wurde, ist mit neuester Technologie, Ausrüstung und neuen Lösungen für die Produktion an Bord ausgestattet. Schon bald soll das Schiff auch Cuxhaven anlaufen.
Rohstoffe möglichst effizient nutzen
Besonders deutlich werden die Veränderungen gegenüber den Vorgängerschiffen im Verarbeitungsdeck, welches mit dem Ziel konzipiert wurde, alle gefangenen Rohstoffe möglichst effizient zu verwerten. Das Schiff verfügt über zwei Schneidwerke und zwei Filetiermaschinen. Eine Wasserstrahl-Filetschneidemaschine entfernt an Bord alle Gräten und kann die Filets je nach Marktanforderung in Portionen, Lendenstücke und Schwänze schneiden.
Der Schwerpunkt an Bord liegt auf der Vorverarbeitung von Filets von Fischen wie Kabeljau, Schellfisch und Seelachs. Aber auch Garnelen können nun direkt an Bord verarbeitet werden. Die Garnelenlinie ist mit einem Sortierer und zwei Kochkesseln ausgestattet. In einem Schockfroster werden die Garnelen gefroren und als verzehrfertiges Produkt an Bord zubereitet.
Außerdem befinden sich an Bord Ensilage-Tanks, die eine vollständige Verwertung der Biomasse aus jedem Fang gewährleisten. Mit Ausnahme von Knochen werden keine Produktionsabfälle ins Meer eingeleitet. Die Haut wird eingefroren und zum Beispiel zur Herstellung von Kollagen für Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika verwendet.
"Mehrwert auf See steigern"
"Das ist eine wesentliche Neuerung. Die Garnelenfang- und -verarbeitungskapazitäten erweitern die Produktpalette an Bord. Auch die Weißfischproduktion wurde mit neuen Anlagen ausgestattet, die die Produktionsmöglichkeiten erweitern und ebenfalls die Produktpalette vergrößern. Technologie und Ausrüstung an Bord ermöglichen es uns, 100 Prozent des Fangs an Land zu bringen. Das unterstützt unser Ziel, den Mehrwert auf See zu steigern, und steht im Einklang mit unseren Bemühungen um Nachhaltigkeit", sagt DFFU-Geschäftsführer Samuel Rodriguez Ortega.

Komfort der Crew besonders wichtig
Die Produktion an Bord der "Berlin NC 107" zeichnet sich auch durch einen hohen Automatisierungsgrad aus: Die Produkte werden ohne menschliches Eingreifen automatisch von und zu den Frostern in den Kühlräumen des Schiffes transportiert. Dieser Prozess wird teilweise durch einen Roboter unterstützt. "Dadurch kann sich die Besatzung auf die Produktion und die Qualität der Produkte konzentrieren", so Rodriguez.
Aber auch auf den Komfort für die Besatzung hat die DFFU großen Wert gelegt: "Die Einrichtungen für die Besatzung wurden so gestaltet, dass sie das Wohlbefinden der Crew unter anderem durch Größe, Tageslichteinfall und akustischen Komfort verbessern", berichtet der DFFU-Geschäftsführer. Dass das Unternehmen ein solches Schiff in Auftrag gegeben hat, ist angesichts der großen Unsicherheiten in der Fischerei nicht selbstverständlich.
Ausblick nach wie vor herausfordernd
Die Situation der deutschen Küsten- und Hochseefischerei ist nach wie vor angespannt, berichtet DFFU-Geschäftsführer Rodriguez Ortega. Die Fangmengen für die wichtigen Fischsorten wurden reduziert, die Kosten insbesondere für Treibstoff waren hoch.
Entsprechend herausfordernd sind die Zukunftsaussichten für die Flotte. Neben dem Rückgang einzelner Bestände wie Kabeljau trugen auch die Folgen des Brexit und die damit verbundenen politischen Verwerfungen zur Misere bei. Gründe genug, den damals neuen Trawler, den Vorgänger der neuen "Berlin NC 107", zu verkaufen.
"Angesichts der Planungsunsicherheit war der Verkauf des die richtige Entscheidung. Wir haben damals auch ein gutes Angebot für das Schiff bekommen", erklärt der DFFU-Geschäftsführer. Nachdem sich der Konflikt 2022 etwas beruhigte, gab die DFFU im vergangenen Jahr das neue Fangfabrikschiff in Auftrag. Und das, obwohl die wirtschaftliche Lage in der Fischerei nach wie vor schwierig ist. Aber die Investition sei wichtig, um den vielen Problemen mit Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit zu begegnen.
Über 50 Millionen Euro
Der neue Einheck-Trawler wird das ältere Schiff, die "Baldvin NC" ersetzen und diese Woche zu seiner Jungfernfahrt aufbrechen. Mit der Auslieferung des Schiffes ist ein zweijähriger Entwurfs- und Bauprozess abgeschlossen. Der Vertrag mit "VARD" wurde im April 2022 abgeschlossen und beläuft sich auf einen Wert von über 50 Millionen Euro.