Spektakuläres Anlegemanöver in Cuxhaven: "Cap San Diego" begeistert bei Hafentagen
Mit millimetergenauer Präzision legte die "Cap San Diego" an der Seebäderbrücke in Cuxhaven an und zog zahlreiche Schaulustige in ihren Bann. Beim "Open Ship" konnten Besucher das größte fahrtüchtige Museumsfrachtschiff der Welt erkunden.
Das ist Millimeterarbeit! Langsam manövrieren zwei Schlepper von Taucher Wulf den weiß-roten Riesen an die Seebäderbrücke. Zahlreiche Schaulustige zücken ihre Handys und verfolgen das beeindruckende Anlegemanöver. Die "Cap San Diego" ist da - und mit ihr ein Stück großer Seefahrtsgeschichte.
Beim "Open Ship" am Sonnabend nutzten bei grauem Himmel viele Besucher die Gelegenheit, das 160 Meter lange Museumsschiff zu erkunden. "Das ist heute das richtige Wetter, keiner geht an den Strand", sagte Kapitän Gerd Sietas schmunzelnd. Im Rahmen ihrer Sommerreise war die "Cap San Diego" mit 570 Gästen von Hamburg nach Cuxhaven gekommen und bildete einen der maritimen Höhepunkte der Cuxhavener Hafentage.

Die "Weißen Schwäne des Südatlantiks"
Schon das Anlegemanöver beeindruckte. Querstrahlruder besitzt der Frachter nicht. Stattdessen sorgen ein Festpropeller, ein kleines Ruderblatt und die Erfahrung der Besatzung dafür, dass der Koloss millimetergenau an die Pier kommt. Die elegante Linienführung brachte der Baureihe einst den Beinamen "Weiße Schwäne des Südatlantiks" ein. Von 1961 bis 1981 transportierte die "Cap San Diego" Kaffee, Bananen und Stückgut zwischen Hamburg und den Häfen Südamerikas. Rund 10.700 Tonnen Ladung fanden in den riesigen Laderäumen Platz.

Technik und Geschichte zum Anfassen
Beim Besuch der weißen Lady wird die Zeit der Stückgutfrachter lebendig. Ein handgeschriebener Stauplan aus dem Jahr 1980 zeigt, wie exakt jede Fracht verstaut wurde - von Baumwollsaatöl über gefrorenes Rind- und Pferdefleisch bis zu Schafsfellen, Kuhhäuten, Orangen und Kaffee. Gewichtsverteilung, Gefahrgut und die Reihenfolge des Löschens mussten genau stimmen.
Besonders beeindruckend ist der Maschinenraum. Der rund 12.000 PS starke MAN-Dieselmotor bringt den Schiffskörper beim Start spürbar zum Vibrieren. Bis zu 40 Grad werden hier erreicht. Ehrenamtliche halten die historische Antriebsanlage bis heute betriebsbereit. Viele von ihnen fuhren früher selbst auf der "Cap San Diego" oder ihren Schwesterschiffen und erzählen von den Reisen über die Weltmeere.

Auch auf der Brücke dominiert Nostalgie. Statt moderner Bildschirme bestimmen Maschinentelegraf und klassische Navigationseinrichtungen das Bild. Beim Familien-Erlebnistag bedienten Kinder den Bordkran, hissten Flaggen, morsten, übten Knoten und verdienten sich ihren "Leichtmatrosenbrief".
Ehrenamt hält Seefahrtsgeschichte lebendig
Die "Cap San Diego" gilt als größtes noch fahrtüchtiges Museumsfrachtschiff der Welt. Rund 80 Ehrenamtliche sorgen dafür, dass der stolze Stückgutfrachter regelmäßig zu Gästefahrten ausläuft. "Das Schiff bietet ein Feuerwerk der Technik - und eine großartige Mannschaft", sagt Caja Brunslew aus der Maschinencrew, die hauptberuflich bei der Berufsfeuerwehr in Eutin arbeitet. Nils Holzapfel, Kapitän aus Hamburg und Mitglied der Deckscrew, ergänzt: "Hier kann ich mit anpacken und dazu beitragen, ein Stück Seefahrtgeschichte lebendig zu halten."

Das große Interesse der Besucher an der Geschichte des Schiffes und der lebendige Austausch mit der Besatzung - darunter viele ehemalige Fahrensmänner mit eigenen Erinnerungen an die große Fahrt - zeigten einmal mehr, warum die "Cap San Diego" und Cuxhaven so gut zusammenpassen: Sie verbindet Menschen mit der großen weiten Welt der Seefahrt.
Von Joachim Tonn



CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.