Teile des Parkplatzes am Steubenhöft sind gesperrt. Dabei handelt es sich um vorbereitende Maßnahmen, um den dort stehenden Kran zu demontieren. Foto: Fischer
Teile des Parkplatzes am Steubenhöft sind gesperrt. Dabei handelt es sich um vorbereitende Maßnahmen, um den dort stehenden Kran zu demontieren. Foto: Fischer
Baudenkmal soll abgerissen werden

Steubenhöft: Hat der Kampnagel-Kran in Cuxhaven doch noch eine Chance?

von Tim Larschow | 01.02.2023

Der Kampnagel-Kran auf dem Steubenhöft soll abgerissen werden. Kommende Woche sollen die Arbeiten beginnen. Nun setzen sich die Stadt Cuxhaven und Hafenbetreiber Niedersachsen Ports an einen Tisch. Kann das Baudenkmal doch noch gerettet werden?

Ursprünglich prägten drei Kräne das Erscheinungsbild auf dem Steubenhöft in Cuxhaven, von denen heute nur noch einer steht. Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) teilte am Dienstag mit, dass sie nun auch diesen entfernen wollen. "NPorts hat den Kran in regelmäßigen Abständen technisch überprüfen lassen, zuletzt vierteljährlich. Das aktuelle Gutachten des TÜV Nord bestätigt nun, dass der Kran nicht mehr die notwendige Standsicherheit hat", berichtete der Hafenbetreiber.

"Das ist nicht wirtschaftlich"

Die Kosten für einen Wiederaufbau würden rund 3,3 Millionen Euro betragen. "Das ist nicht wirtschaftlich, insbesondere da es sich um ein Gerät handelt, dass seit längerer Zeit nicht mehr für den Hafenumschlag genutzt wird", erklärt NPorts. Die Einzelteile sollen nach dem Abriss ordnungsgemäß entsorgt werden. Geplant sei es, die Kanzel separat abzubauen. "Sie kann zum Beispiel als Ausstellungsstück für ein Museum zur Verfügung gestellt werden", schrieb NPorts. Doch einfach so verschrotten kann Niedersachsen Ports den Kran nicht.

Die Stadt Cuxhaven will eine passende Lösung finden

Die Stadt Cuxhaven habe sich bereits mit NPorts in Verbindung gesetzt und möchte gemeinsam mit dem Hafenbetreiber eine passende Lösung im Umgang mit dem Industriedenkmal finden. "Wir sehen die Problemlage, dass sich Verformungen am Kran ergeben haben. Auf der anderen Seite möchten wir nicht in die Situation kommen, dass alles unreflektiert verschrottet wird", erzählt Baudezernent Andreas Eickmann, Leiter für die Bereiche Bauen, Naturschutz und Technische Dienste bei der Stadt. Es gehe nun darum, den Rückbau zu dokumentieren und die Teile ordnungsgemäß einzulagern. "Dann kann geprüft werden, ob der Kran zu retten ist und wiederaufgebaut werden kann", ergänzt Eickmann. Baudenkmale dürften nur beseitigt werden, wenn eine entsprechende Genehmigung vorliegt und das sei bei dem Kampnagel-Kran nicht der Fall.

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Kommentar von Tim Fischer: In anderen Häfen ein Industriedenkmal - in Cuxhaven Altmetall

Mit so einem Aufschrei der Empörung hat beim Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) scheinbar niemand gerechnet. Mehr oder weniger beiläufig teilten sie mit, dass der 1954 gebaute Krampnagel-Kran auf dem Steubenhöft abgerissen werden soll.

Doch wenn der Status Baudenkmal oder Industriedenkmal vergeben ist, verpflichtet sich der Eigentümer eigentlich, es zu erhalten und zu pflegen - scheinbar ist Cuxhavens Hafenbetreiber dieser Verantwortung aber nur halbherzig nachgekommen. Das ganz plötzlich die notwendige Standsicherheit gefährdet ist, ist für mich nur schwer vorstellbar. Schließlich wurde der Kran laut NPorts in regelmäßigen Abständen technisch überprüft. Außerdem musste der vorletzte von ursprünglich einmal drei Kränen auf dem Steubenhöft schon aus ähnlichen Gründen verschrottet werden. Handelt es sich hier etwa um eine Gefährdung des Industriedenkmals durch Vernachlässigung der Pflege und das obwohl man sich nach dem Abriss 2010 verpflichtet hatte den letzten "Krampnagel" zu erhalten?

Es macht mich traurig, wie mit diesem Industriedenkmal umgegangen wird, ist der Kran doch ein Teil der maritimen Identität Cuxhavens. Ja, der Erhalt kostet viel Geld, aber Verpflichtungen sind Verpflichtungen. Dann muss man eben in den sauren Apfel beißen, um den Kran zu retten. Es gibt in Cuxhaven sicherlich auch andere Standorte, um ihn wiederaufzubauen - obwohl er ja eigentlich zum Ensemble Steubenhöft gehört.

Vielleicht kann sich NPorts ja ein Beispiel an anderen Hafenstandorten nehmen, die im Umgang mit ihren Industriedenkmälern etwas weiter sind. Die historischen Hafenkräne am Holzmarkt in Hamburg beispielsweise wurden restauriert und per Schwimmkran wieder an ihren Platz gerückt. Die beiden 1939 bei Kampnagel gebauten Roll-Dreh-Wippkräne gelten dort als herausragende Zeugnisse der traditionellen Hafenkultur. Außerdem wurden 2016 zwei Krampnagel-Kräne an den Media Docks in Lübeck restauriert. Aber wer einen genaueren Blick auf das Steubenhöft wirft, erkennt schnell, dass nicht nur die Pflege des Krans vernachlässigt wurde. Warum NPorts und die Denkmalschutzbehörde nicht rechtzeitig gehandelt haben, ist mir ein Rätsel.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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