Die Seefahrtschule Cuxhaven: Die Zukunft der Branche wagt den Blick in die Ferne
Feierstunde an der Seefahrtschule Cuxhaven: 15 Absolventen erhielten ihre nautischen Befähigungszeugnisse und starten nun in ihre berufliche Zukunft auf See. Unter ihnen sind auch zwei Helgoländer - einer von ihnen wird Kapitän auf großer Fahrt.
Mehr als 50 Gäste waren gekommen, um einen besonderen Moment zu feiern: die feierliche Übergabe der nautischen Befähigungszeugnisse. Für die Absolventen endete damit eine intensive Ausbildungszeit - und zugleich begann ein neuer Abschnitt auf See, geprägt von Verantwortung, Entscheidungsstärke und Teamarbeit.
"Sie haben entweder zwei oder ein halbes Jahr lang intensiv gelernt und gearbeitet. Es gibt auch schon einmal Besonderheiten in Lehrgängen. Man denkt viel darüber nach: Wie formen wir aus dieser Klasse eine Gemeinschaft, die wir nicht nur in der Schule, sondern auch an Bord benötigen? Das war hier nicht notwendig. Alle waren ein Team - und das von Anfang an." Mit diesen Worten blickte Schulleiter Detlef Graven auf den Jahrgang zurück. Dabei machte er deutlich, dass es bei der Ausbildung nicht allein um Fachwissen geht, sondern um Haltung und Verantwortungsbewusstsein.
"Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel"
"Ich denke immer wieder daran zurück, wie es mir ergangen ist, als ich mein Patent in den Händen hielt. Es ist nicht die unvollendete Macht, die man in die Hände bekommt, sondern die Verantwortung, die man hat, wenn man als Wachoffizier oder Kapitän Entscheidungen für das Wohl der Besatzung, der Passagiere, der Ladung und allem, was dazugehört, trifft", so Graven. Dafür wünschte der Schulleiter den Absolventen stets das nötige Quäntchen Glück und "eine Handbreit Wasser unter dem Kiel".
Glückwünsche überbrachte auch Landrat Thorsten Krüger. Zudem hielt Tim Fritsche, Fachbereichsleiter im Havariekommando für Schadstoff- und Schiffsunfallbekämpfung See, ein Grußwort. Fritsche war am vergangenen Wochenende zum Regierungsbrandmeister für die Landkreise Cuxhaven, Diepholz, Osterholz und Verden ernannt worden.
In seiner Ansprache ging er auf den Brand des Autotransporters "Thames Highway" vor Borkum Ende Januar ein, bei dem das Havariekommando die Gesamteinsatzleitung übernommen hatte.
Er betonte, dass der Einsatz nur deshalb erfolgreich gewesen sei, weil viele Beteiligte Hand in Hand gearbeitet hätten: Feuerwehrleute, Soldaten, Polizisten, Piloten - aber eben auch Seeleute an Land und an Bord, die mit ihrem Know-how Schlimmeres verhindert hätten. Abschließend wünschte er den Absolventen alles Gute für die Zukunft und, dass sie dem Havariekommando niemals in einem solchen Notfall auf See begegnen mögen.
Mit dem neuen Patent geht es auf große Fahrt
Das nautische Befähigungszeugnis für alle Fahrtgebiete und Schiffsgrößen erhielten Thies Claasen, Sven Dorkewitz und Brice Sacha Schoonbroodt. Das nautische Befähigungszeugnis "NK500" für die küstennahe Fahrt wurde an Andreas Blank, Lukas Blank, Ingo Hans de Buhr, Heiko Ederleh, Michael Georg Gernhuber, Daniel Harraß, Kai Uwe Klamka, Lucas Klöckner, Jan-Kai Pröck, Jörg Pülsch, Jörg Ekke Saathoff und Jaroslaw Worobel überreicht.
Zusätzlich erhielten Sven Dorkewitz und Brice Sacha Schoonbroodt ihr Patent als Schiffsmaschinist für die Überwachung des Maschinenbetriebs auf Schiffen mit einer Antriebsleistung von weniger als 750 Kilowatt.
Thies Claasen, der auf Helgoland aufgewachsen ist, begann seinen Einstieg in die Seefahrt mit der Ausbildung zum Schiffsmechaniker bei der Cuxhavener Reederei "Cassen Eils". Doch der Liniendienst zwischen Cuxhaven und Helgoland reichte dem heute 24-Jährigen bald nicht mehr. Sein Weg führte ihn auf das Forschungsschiff "Polarstern" - und an Orte, die vor ihm nur wenige Menschen gesehen haben. Dort arbeitete er sowohl in der Maschine als auch an Deck.
Mit dem nun erworbenen Patent für die große Fahrt stehen ihm neue Möglichkeiten offen: Künftig kann Claasen als Kapitän zur See fahren. Die Forschungsschifffahrt scheint es ihm besonders angetan zu haben - seine nächste Station ist das deutsche Forschungsschiff "Sonne". Dort wird er nicht mehr als Schiffsmechaniker, sondern als nautischer Wachoffizier tätig sein.
Zusammenarbeit mit Schule in Dänemark
Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die "SIMAC", Dänemarks führende maritime Ausbildungseinrichtung mit rund 900 Schülern und 100 Mitarbeitern in Svendborg, strebt eine engere internationale Zusammenarbeit und den Ausbau von Austauschprogrammen an. Ziel ist es, sowohl dänischen als auch internationalen Schülern ein Studienumfeld zu bieten, das interkulturelle Kompetenzen fördert und neue Impulse ermöglicht. Die Kooperation erfolgt im Rahmen des Erasmus-Programms.
Ein weiterer Grund zur Freude: Die Seefahrtschule Cuxhaven wurde als fobizz-Schule ausgezeichnet. Mehr als 4000 Schulen nutzen die Plattform fobizz für digitale Lehrerfortbildungen, KI-Tools und Unterrichtsmaterialien. Schulen, die im vergangenen Jahr besonders viele Fortbildungsstunden absolviert haben, erhalten dieses Siegel - als Anerkennung für ihr Engagement in der digitalen Weiterbildung.
