Temperaturen bis minus 40 Grad: Der Cuxhavener Thies Claasen liebt seinen Knochenjob
Cuxhaven. Eisberge, Wale und hohe Wellen: Das Forschungsschiff "Polarstern" ist für Thies Claasen zu seinem "Traumschiff" geworden.
Thies Claasen lebt in Cuxhaven und ist auf Helgoland aufgewachsen. Der Einstieg in die Seefahrt war für ihn die Ausbildung zum Schiffsmechaniker bei der Cuxhavener Reederei "Cassen Eils" - doch der Liniendienst zwischen Cuxhaven und Helgoland reichte dem 20-Jährigen nicht. "Ich wollte schon immer mal auf Große Fahrt." Dieser Wunsch führte ihn auf das Forschungsschiff "Polarstern" und an Orte, die vor ihm noch nicht viele Menschen gesehen haben.
"Ich war noch nie auf großer Fahrt und das Forschungsschiff "Polarstern" war dabei für mich das Non plus ultra", erzählt Thies Claasen, der sich auf gut Glück bei der Hamburger Traditionsreederei "Laeisz" beworben hatte, die die "Polarstern" des Alfred Wegener Instituts bereedert.
Schon kurz nach dem Bewerbungsgespräch ging es los. "Im Februar 2022 bin ich mit dem Flugzeug nach Kapstadt geflogen und musste dort erst mal zehn Tage in Quarantäne."
An Bord arbeitete er als Schiffsmechaniker in der Maschine und an Deck. "Die Aufgaben im Maschinenraum unterschieden sich nicht großartig von denen auf anderen Schiffen, nur waren die Hauptmaschinen deutlich größer als das, was ich vorher kannte. Die Arbeit an Deck der 'Polarstern‘ war für mich aber neu und etwas ganz besonders."
Neben normalen Instandsetzungsarbeiten haben die Besatzungsmitglieder die Aufgabe, die Forschenden an Bord bei all ihren Aufgaben zu unterstützen. "Wir sind sozusagen die rechte Hand der Forscher an Bord und assistieren beim Bedienen des Equipments", erklärt Claasen.
Aber auch das Wache gehen in der Maschine und auf der Brücke gehörten zu seinen Aufgaben. "Auf der Brücke haben wir zum Beispiel Ausschau nach Eisbergen gehalten."
Mit voller Kraft durch das Eis
Besonders in Erinnerung geblieben ist Thies Claasen seine erste sogenannte "Rammfahrt". Dabei kämpft sich die "Polarstern" Meter für Meter durch das Eisfeld - vor und zurück. Mit voller Maschinenleistung schiebt sich das Forschungsschiff dabei auf das Eis. Das Gewicht des Schiffes sorgt dann dafür, dass das Eis bricht. "Das war atemberaubend und erschreckend zugleich. Ich habe in meinem Bett gelegen und die ganze Zeit das Eis knacken gehört - ein unbeschreibliches Gefühl und Geräusch. Es ist beinahe so, als würde das Schiff immer wieder gegen eine Wand fahren.
Um diese "Rammfahrten" möglich zu machen, ist das Schiff mit einem doppelwandigen Rumpf ausgestattet und mit Stahlplatten am Bug und am Eisgürtel verstärkt. Das Gewicht dieses Eisschutzes ist auch der Grund, warum Polarstern einen enormen Tiefgang von 11,20 Metern hat.
Ein weiterer Moment, der Thies Claasen auf seiner ersten Reise geprägt hat, war die erste Begegnung mit Walen. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich diese Tiere in einer für Menschen lebensfeindlichen Umgebung bewegen. Ich habe Buckelwale neben dem Schiff fotografieren können, die immer wieder aufgetaucht sind und mit ihrer Flosse auf das Wasser geschlagen haben. Aber auch meine erste Begegnung mit Orcas werde ich nicht mehr vergessen", schwärmt Claasen.
Temperaturen bis zu -27 Grad
Und Begegnungen wie diese haben die Besatzungsmitglieder und Forschenden des Alfred-Wegener-Instituts in einigen der menschenfeindlichsten Orte der Welt. Die Forscher arbeiten auf Ihren Expeditionen bei bis zu minus 40 Grad. Dabei ist die richtige Bekleidung essenziell. "Die niedrigste Temperatur, die ich erlebt habe, waren minus 27 Grad - gefühlt waren es aber minus 38 Grad. Wale schützen sich durch eine dicke Fettschicht und wir tragen unsere Polarausrüstung", erklärt Claasen. Diese ermöglicht es allen an Bord bei jeglichen Witterungsbedingungen draußen zu arbeiten. "Dennoch sind mir an Deck schnell die Augenbrauen und Wimpern gefroren. Aber die trockene Kälte in der Antarktis ist nicht einmal halb so schlimm wie die feucht kalten Winter auf Helgoland", scherzt Claasen und lacht.
Den Traumjob gefunden
Bis jetzt hat Thies Claasen zwei Reisen der "Polarstern" als Schiffsmechaniker begleitet. Eine in die Antarktis und eine nach Südgeorgien und den südlichen Sandwichinseln. Die "Polarstern" soll im April kommenden Jahres nach Bremerhaven zurückkehren - ihrem Heimathafen. Und auch auf dieser Fahrt wird der auf Helgoland aufgewachsene Schiffsmechaniker an Bord des Forschungsschiffes sein. "Im März fliegt ich dafür nach Punta Arenas in Chile, um die Polarstern nach Bremerhaven zu begleiten."
Auf der "Polarstern" hat der 20-Jährige seinen Traumjob gefunden. "Ich möchte irgendwann gerne noch Nautik studieren, aber danach gerne zurück auf die 'Polarstern'…"