Eine Dornier 228 (Do 228) steht auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz. Das Havariekommando verfügt über zwei dieser Propellermaschinen. Foto: Havariekommando/Wilking
Eine Dornier 228 (Do 228) steht auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz. Das Havariekommando verfügt über zwei dieser Propellermaschinen. Foto: Havariekommando/Wilking
Umweltsündern auf der Spur

Von Cuxhaven aus auf Spurensuche: 130 Verschmutzungen in Nord- und Ostsee entdeckt

von Tim Larschow | 23.02.2026

Mit Flugzeugen werden Nord- und Ostsee regelmäßig auf Umweltverschmutzungen überwacht. Rund 130 Verunreinigungen wurden 2025 entdeckt und die Verursacher gesucht. Die Zahl der Verunreinigungen ist laut Havariekommando aber auf niedrigem Niveau.

Das Havariekommando in Cuxhaven überwacht im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die deutschen Seegebiete auf Verschmutzungen des Meeres. Die Besatzungen der "Pollution-Control"-Flüge führen dazu mit Sensorflugzeugen vom Typ Dornier 228 (Do 228) Kontrollflüge durch. Im vergangenen Jahr stellten sie bei 472 Einsätzen im Auftrag des Havariekommandos insgesamt 130 Verschmutzungen in Nord- und Ostsee fest, teilte die Behörde mit Sitz in Cuxhaven mit. Statistisch entdeckten sie damit etwa alle elf bis zwölf Flugstunden eine Verunreinigung - ähnlich wie im Vorjahr.

In 48 Fällen konnten die Besatzungen den Verursacher der Verschmutzung identifizieren. Dies entspricht einer Quote von etwa 37 Prozent; im Vorjahr waren es 25 Prozent. Die Marineflieger, die die Flugzeuge betreiben, leiten die Sichtungen und das dazugehörige Beweismaterial an das Havariekommando weiter. Von dort geht das Material an die jeweils zuständige Ermittlungsbehörde, die für die strafrechtliche Verfolgung der Umweltsünder zuständig ist.

Verschmutzungen meist in der Nordsee

Von den 130 Verunreinigungen wurden 109 in der Nordsee und 21 in der Ostsee registriert. In 36 Fällen erwiesen sich die Verschmutzungen als Mineralöl, in 94 Fällen handelte es sich um nicht eindeutig identifizierbare Substanzen. Dabei handelt es sich meist um Flüssigkeiten wie Bohrwasser oder Rückstände aus Tankwaschungen.

51 der Verschmutzungen wurden in deutschen Gewässern festgestellt (39 in der Nordsee, 12 in der Ostsee). Die übrigen Verschmutzungen verteilten sich auf Seegebiete der Niederlande, Dänemarks und Schwedens, wo die "Ölflieger" aufgrund zwischenstaatlicher Abkommen ebenfalls im Einsatz sind. Die Funde in diesen Gewässern leitet das Havariekommando an die jeweils zuständigen Behörden weiter.

Marineflieger fliegen für Havariekommando

Die luftgestützte Überwachung von Meeresverschmutzungen ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Havariekommando und dem Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" der Deutschen Marine. Sie besteht bereits seit 1986. Die Besatzung - zwei Piloten und ein Operator - sind Soldaten. Sie fliegen die am Marinefliegerstützpunkt in Nordholz bei Cuxhaven stationierten Do-228-Maschinen im zivilen Auftrag für das Havariekommando, dem die beiden Flugzeuge mit der auffälligen Beschriftung "Pollution Control" gehören. Ziel der Ölaufklärung ist es, Nord- und Ostsee kontinuierlich zu überwachen und Verschmutzungen in deutschen Gewässern zu erkennen.

Dafür verfügen die Sensorflugzeuge über moderne technische Ausstattung. Unter anderem sind Radar, hochauflösende Kameras sowie Infrarot- und Ultraviolettsensoren an Bord, die Ölfilme und andere - auch sehr kleine - Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche erfassen können.

Laut Bundeswehr schreckt allein die ständige Präsenz der "Do 228" über der deutschen Nord- und Ostsee Besatzungen von Schiffen und Booten davon ab, etwa Tanks auf See zu spülen oder gar Giftmüll zu entsorgen. Die Ölaufklärer der Marine fliegen ohne Bewaffnung und militärischen Auftrag. "Der Schutz der Meere gehört für die Deutsche Marine zu ihrem Selbstverständnis. Rechtliche Grundlage für die Aufklärungsflüge der Dorniers ist unter anderem das MARPOL-Abkommen von 1973, das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung", schreibt die Bundeswehr. Der Ölaufklärer fliegt mit einer maximalen Geschwindigkeit von 370 Kilometern pro Stunde.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Tim Larschow
Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Hafenüberlastungen vermeiden

Automobillogistik und Seeverkehr: Großes europäisches Branchentreffen in Cuxhaven

von Tim Larschow

Cuxhaven ist eine der Drehscheiben für Europas Autologistik: Rund 100 Branchenvertreter tauschten sich in Duhnen über die Zukunft von Häfen, Seeverkehr und Automobillogistik aus. Im Fokus stand das Netzwerken mit Kunden, Partnern und Wettbewerbern.

Rumpf zerbricht beim Anheben

"Ethel von Brixham" vor Cuxhaven geborgen: Schiff nach Havarie zerstört (mit Video)

von Christian Mangels

Zwei Wochen nach der Havarie des Gaffelschoners "Ethel von Brixham" vor Cuxhaven ist das Schiff am Sonnabend (14. Februar 2026) geborgen worden. Die Bergung sei professionell verlaufen, teilt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee mit.

Bergung des Segelschiffs

Havarist "Ethel von Brixham" am Leitdamm - Bergung vor Cuxhaven am Wochenende geplant

von Redaktion

Neuigkeiten von dem am 31. Januar vor Cuxhaven auf Grund gelaufenen Gaffelschoner "Ethel von Brixham": Das Schiff, das am Kugelbake-Leitdamm liegt, soll am kommenden Wochenende von einer Spezialfirma geborgen werden. 

Havarie eines Traditionsseglers

Erste Sicherung gelungen: Wie es mit der "Ethel von Brixham" vor Cuxhaven weitergeht

von Ulrich Rohde

Nachdem der historische Schoner "Ethel von Brixham" vor Cuxhaven gestrandet ist, bleibt zu klären, wann und wie die Bergung des Schiffes umgesetzt wird. Noch erlaubt es die Wetterlage, dass der Traditionssegler am Leitdamm verbleibt.