Von Cuxhaven aus auf Spurensuche: 130 Verschmutzungen in Nord- und Ostsee entdeckt
Mit Flugzeugen werden Nord- und Ostsee regelmäßig auf Umweltverschmutzungen überwacht. Rund 130 Verunreinigungen wurden 2025 entdeckt und die Verursacher gesucht. Die Zahl der Verunreinigungen ist laut Havariekommando aber auf niedrigem Niveau.
Das Havariekommando in Cuxhaven überwacht im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die deutschen Seegebiete auf Verschmutzungen des Meeres. Die Besatzungen der "Pollution-Control"-Flüge führen dazu mit Sensorflugzeugen vom Typ Dornier 228 (Do 228) Kontrollflüge durch. Im vergangenen Jahr stellten sie bei 472 Einsätzen im Auftrag des Havariekommandos insgesamt 130 Verschmutzungen in Nord- und Ostsee fest, teilte die Behörde mit Sitz in Cuxhaven mit. Statistisch entdeckten sie damit etwa alle elf bis zwölf Flugstunden eine Verunreinigung - ähnlich wie im Vorjahr.
In 48 Fällen konnten die Besatzungen den Verursacher der Verschmutzung identifizieren. Dies entspricht einer Quote von etwa 37 Prozent; im Vorjahr waren es 25 Prozent. Die Marineflieger, die die Flugzeuge betreiben, leiten die Sichtungen und das dazugehörige Beweismaterial an das Havariekommando weiter. Von dort geht das Material an die jeweils zuständige Ermittlungsbehörde, die für die strafrechtliche Verfolgung der Umweltsünder zuständig ist.
Verschmutzungen meist in der Nordsee
Von den 130 Verunreinigungen wurden 109 in der Nordsee und 21 in der Ostsee registriert. In 36 Fällen erwiesen sich die Verschmutzungen als Mineralöl, in 94 Fällen handelte es sich um nicht eindeutig identifizierbare Substanzen. Dabei handelt es sich meist um Flüssigkeiten wie Bohrwasser oder Rückstände aus Tankwaschungen.
51 der Verschmutzungen wurden in deutschen Gewässern festgestellt (39 in der Nordsee, 12 in der Ostsee). Die übrigen Verschmutzungen verteilten sich auf Seegebiete der Niederlande, Dänemarks und Schwedens, wo die "Ölflieger" aufgrund zwischenstaatlicher Abkommen ebenfalls im Einsatz sind. Die Funde in diesen Gewässern leitet das Havariekommando an die jeweils zuständigen Behörden weiter.
Marineflieger fliegen für Havariekommando
Die luftgestützte Überwachung von Meeresverschmutzungen ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Havariekommando und dem Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" der Deutschen Marine. Sie besteht bereits seit 1986. Die Besatzung - zwei Piloten und ein Operator - sind Soldaten. Sie fliegen die am Marinefliegerstützpunkt in Nordholz bei Cuxhaven stationierten Do-228-Maschinen im zivilen Auftrag für das Havariekommando, dem die beiden Flugzeuge mit der auffälligen Beschriftung "Pollution Control" gehören. Ziel der Ölaufklärung ist es, Nord- und Ostsee kontinuierlich zu überwachen und Verschmutzungen in deutschen Gewässern zu erkennen.
Dafür verfügen die Sensorflugzeuge über moderne technische Ausstattung. Unter anderem sind Radar, hochauflösende Kameras sowie Infrarot- und Ultraviolettsensoren an Bord, die Ölfilme und andere - auch sehr kleine - Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche erfassen können.
Laut Bundeswehr schreckt allein die ständige Präsenz der "Do 228" über der deutschen Nord- und Ostsee Besatzungen von Schiffen und Booten davon ab, etwa Tanks auf See zu spülen oder gar Giftmüll zu entsorgen. Die Ölaufklärer der Marine fliegen ohne Bewaffnung und militärischen Auftrag. "Der Schutz der Meere gehört für die Deutsche Marine zu ihrem Selbstverständnis. Rechtliche Grundlage für die Aufklärungsflüge der Dorniers ist unter anderem das MARPOL-Abkommen von 1973, das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung", schreibt die Bundeswehr. Der Ölaufklärer fliegt mit einer maximalen Geschwindigkeit von 370 Kilometern pro Stunde.