Ungewissheit belastet Mitarbeiter von Appel Feinkost in Cuxhaven
Cuxhaven. Wie geht es nach dem Verkauf mit Appel Feinkost weiter? Es gibt viele offene Fragen. So bewerten Mitarbeiter aus dem Unternehmen, Wirtschaftsförderung und die Fischwirtschaftliche Vereinigung Cuxhaven die Übernahme.
Wer die Pressemittelung des neuen Eigentümers von Appel Feinkost liest, könnte denken, dass alles so weitergeht wie bisher. Doch die rund 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Appel Feinkost machen sich dennoch große Sorgen. Nach Informationen eines Mitarbeiters bei Appel Feinkost (Name ist der Redaktion bekannt), seien der Belegschaft ebenfalls nur die Informationen aus Pressemittelung mitgeteilt worden. "Wir wissen nur, dass es erst einmal ein Jahr sicher weitergeht und wer der neue Eigentümer ist. Genaueres aber nicht." Die Ungewissheit belaste die Mitarbeiter des Cuxhavener Unternehmens sehr. "Sorgen machen wir uns natürlich alle. Die letzten Jahrzehnte haben wir immer zu einem größeren Unternehmen oder Konzern gehört. Jetzt arbeitet man für einen Eigentümer, über den man kaum etwas weiß und auch sonst wenig herausfinden kann", klagt der Appel-Mitarbeiter. "Wir hoffen, dass es weitergeht, aber wir müssen die kommenden zwölf Monate abwarten und sehen, was passiert."
Sorgen seinen nicht unbegründet
Die Sorgen der Mitarbeiter sind laut Cuxhavener Fischerei- und Hafenexperten (Namen sind der Redaktion bekannt) nicht unbegründet. Die Preise für Strom und Energie steigen und gerade das sei ein großer Kostenfaktor zum Beispiel bei der Herstellung von Konserven. Und auch die Preise für Fisch schießen in die Höhe. Das Kilo Lachs kostet aktuell knapp 14 Euro mehr als noch vor zwei Jahren und auch der von Appel so viel verarbeitete Hering wird immer teurer. Fisch könnte schon bald zum Luxusprodukt werden. Außerdem sei der Markt für Fischkonserven kein Wachstumsmarkt, so das ernüchternde Fazit eines Experten - also keine optimalen Ausgangsbedingungen für den neuen Eigentümer Sustainable & Invest. Und trotz der Ungewissheit bei den Mitarbeitern äußern sich die Cuxhavener Wirtschaftsförderung und die Fischwirtschaftliche Vereinigung Cuxhaven grundsätzlich positiv zu der Übernahme des Traditionsunternehmens.
Bekenntnis zum Standort Cuxhaven
Als Vorstand der Fischwirtschaftlichen Vereinigung Cuxhaven freut sich Philipp Rademann darüber, dass Appel von einem neuen Eigentümer in die Zukunft geführt wird. "Die Situation bei den Rohstoffpreisen und im Energiesektor sorgen aktuell für erheblichen Druck. Vor diesem Hintergrund steht Appel wie viele andere Produktionsunternehmen in Cuxhaven vor großen Herausforderungen. Umso mehr begrüßen wir das Bekenntnis des neuen Investors zum Standort Cuxhaven."
Attraktiver Standort
"Der Geschäftsbetrieb soll ja erst einmal so weiterlaufen wie bisher, das ist gut für den Standort Cuxhaven und die Zulieferer von Appel Feinkost. Doch es bleibt abzuwarten, was in den kommenden zwölf Monaten passiert, eine Glaskugel, mit der wir in die Zukunft schauen können, haben wir nicht", sagt Marc Itgen, Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung. Die Übernahme von Sustainable & Invest mache aber deutlich, dass Cuxhaven ein attraktiver Standort ist, in dem Investoren eine Zukunft sehen, so der Wirtschaftsförderer.
Gerüchte gibt es schon seit Monaten
Und auch an der Lokalpolitik ist der Verkauf nicht vorbeigegangen. Das Gerücht, dass Appel Feinkost zum Verkauf steht, gebe es schon seit einigen Monaten, teilt Gunnar Wegener, SPD-Ratsfraktionschef mit. Seinen Worten zufolge berichteten einige Teilnehmer der Mitarbeiterversammlung bei Appel, dass von einem möglichen Personalabbau die Rede gewesen sein soll. Andere wiederum bestritten diese Angaben. Vor diesem Hintergrund unterstrich Wegener die Bedeutung der Firma Appel für den Standort Cuxhaven. "Das ist ein wichtiges Unternehmen. Daher ist es notwendig, dass wir diese Firma und die dortigen Arbeitsplätze halten."