Ein Etikettstatt Stilam Ärmel
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung und Information. Heute geht es um "Loud Luxury", einen der Trends des jungen Jahres 2026.
Bescheidenheit war gestern. 2026 zeigt man, was man hat beziehungsweise was man sich leisten kann. Dies prophezeihen jedenfalls Trendforscher, die uns in einem Anflug scheinheiliger Fürsorge schon vor dem Jahreswechsel auf sich anbahnende Geschmacklosigkeiten vorbereitet haben. In diese Rubrik fällt zum Beispiel die Sache mit dem Ärmel-Etikett. Dieses kleine Stückchen Stoff mit dem Herstellernamen hatte einst eine rein funktionale Bedeutung für Herrenausstatter: Unter den aufgereiht an einer Stange hängenden Anzugsjackets sollte Man(n) nicht den Überblick zu verlieren.
Jeder, der als Jugendlicher konfirmiert worden ist, wusste seit diesem Tag, dass es sich gehört, diesen Schnipsel vor dem ersten Anziehen abzutrennen. Inzwischen gibt es aber Designer, die das fünf Zentimeter über dem Ärmelende angebrachte Etikett als Teil eines modischen Statements begreifen und den eigenen Namen besonders fett auf ein fest vernähtes Etikett drucken. Damit das soziale Umfeld des Trägers gleich weiß, dass das zur Schau getragene Stöffchen mehr als 2000 Tacken gekostet hat. "Loud Luxury" nennt sich diese Entwicklung, die nach Berichten der BBC eine Reaktion auf eine "globale wirtschaftliche Unsicherheit" sein könnte. Womöglich spiegelt der Trend auch die neue Weltkultur wider, nach welcher derjenige obsiegt, der am weitesten seine Klappe aufreißt.