Ein Portal als Lizenz zum Gelddrucken?
Seit vielen Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung und Information. Heute: Wohin mit Sachen, die man nicht mehr braucht?
Mein Kollege macht's schon, er schwört darauf und ist in kürzester Zeit zum "Heavy User" geworden. Und nicht nur er: Glaubt man der Fernsehwerbung, gehört es inzwischen zur Alltagsroutine, seine Kleiderschränke oder den Dachboden zu entrümpeln, um mit Dingen, die man selbst nicht mehr braucht, den ein oder anderen Euro dazuzuverdienen.
"Vinted" nennt sich die (vermeintliche) Gelddruckmaschine, ein Portal, das Ebay-Kleinanzeigen den Rang abgelaufen hat - weil sie noch sehr viel einfacher und besser funktioniert. Sagt mein Kollege. Die Sache mit dem Gelddrucken ist vielleicht nicht ganz wörtlich zu nehmen; in den allermeisten Fällen wird man für all jene Artikel, die auf dem Online-Weg einen neuen Besitzer finden sollen, selbst in die Tasche gegriffen haben. Nicht zu knapp, möglicherweise, doch weil wir alle Meister im Verdrängen sind, haben wir natürlich vergessen, dass der Kinderwagen, der gefühlt nur ein paar Monate im Einsatz gewesen ist, einmal 600 Euro gekostet hat. Dass ein ebenso teurer Mantel der Angetrauten nur bei einem einzigen Familienfest einen großen Auftritt gehabt hat. Und dass wir ein halbes Monatsgehalt für den Aufbau einer Hobby-Werkstatt ausgegeben haben. Schwamm drüber! Wenn der ganze Tand urplötzlich noch einmal richtig Kohle einspielt, ist das tatsächlich wie ein warmer Regen. Vom Platz, den man schafft, gar nicht zu reden. In meinem Keller zum Beispiel stapeln sich Plastikboxen voller Kinderkleidung, vieles davon noch tipptopp. Vinted, ich bin dabei!