Kopfkino mit Publikum: Forscher machen Wahrnehmung sichtbar
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: gläserne Gedanken.
Ich bin ganz froh, dass die Wissenschaft noch nicht so weit ist, die Gedanken anderer Menschen lesen zu können. Sagen wir es so: Es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass ich meinem Gegenüber aufmerksam zugenickt habe, während ich gedanklich längst bei der Frage war, ob Pinguine wohl Knie haben.
Von solchen heimlichen Gedankenausflügen sind Forschende zwar noch weit entfernt. Einen erstaunlichen Blick ins Gehirn ermöglicht aber ein Experiment des University College in London. Dort zeichneten Wissenschaftler die Aktivität Tausender Nervenzellen im Gehirn von Mäusen auf, während die Tiere Videos betrachteten. Mithilfe künstlicher Intelligenz gelang es nun anschließend, allein aus diesen Hirnsignalen kurze Sequenzen zu erzeugen, die dem ähnelten, was die Mäuse zuvor gesehen hatten.
Mit echtem Gedankenlesen hat das noch wenig zu tun. Auch die Idee, aus Hirnaktivität auf das Gesehene zu schließen, ist nicht neu. Allerdings werden die Verfahren immer ausgefeilter und es zeigt, was sich inzwischen herauslesen lässt.
Sollte daraus eines Tages tatsächlich ein Fenster ins menschliche Kopfkino werden, wäre das zweifellos ein wissenschaftlicher Durchbruch. Zwischenmenschlich könnte sich dann allerdings ziemlich schnell zeigen, warum Gedanken bislang Privatsache waren.
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