Stadtarchivar Dr. Friedhelm Gleiß inmitten der 568 Ordner des Einwohnermelderegisters. Die Akten werden jetzt nicht nur durch die Entsäuerung gesichert, sondern auch neu verpackt. Foto: Reese-Winne
Stadtarchivar Dr. Friedhelm Gleiß inmitten der 568 Ordner des Einwohnermelderegisters. Die Akten werden jetzt nicht nur durch die Entsäuerung gesichert, sondern auch neu verpackt. Foto: Reese-Winne
Stadtarchiv

568 Ordner: Cuxhavener Akten nehmen ein Entsäuerungsbad

von Maren Reese-Winne | 06.10.2020

CUXHAVEN. 568 Ordner aus dem Cuxhavener Einwohnermelderegister werden jetzt für die nächsten Jahrhunderte gesichert.

Flüssigkeit und Papier - wenn diese beiden zusammenkommen, endet das meist nicht so gut für Bücher oder Akten. Und doch ist ein ganz besonderes Bad der Schlüssel, wenn es darum geht, die Lebensdauer vieler Bestände des Cuxhavener Stadtarchivs zu sichern. Wie das funktioniert, erklärt Stadtarchivar Dr. Friedhelm Gleiß.

Zeitungen sind schon entsäuert

2009 hat das Stadtarchiv begonnen, die Zeitungsbände unserer Vorläuferzeitungen nach und nach entsäuern zu lassen; seit dem vorletzten Jahr sind nun die Aktenbestände an der Reihe; in diesem Herbst das von Bürgerinnen und Bürgern gern als Quelle genutzten Einwohnermelderegisters (Jahrgänge 1890-etwa 1943).

"Nach der chemischen Behandlung im Entsäuerungsbad verbleibt eine alkalische Reserve in den Akten (der pH-Wert wird angehoben, d. Red.), wodurch deren Lebenszeit drei- bis fünfmal so lang wird", informiert Friedhelm Gleiß. Das bedeutet, dass die Akten gut und gerne für die nächsten 250 Jahre gesichert sind.

Das Dilemma des Zerfalls betreffe schriftliche Zeugnisse aus den Jahren zwischen 1850 und 1980, als sich im Zuge der Industrialisierung das Verfahren zur Papierherstellung veränderte. Das Ergebnis war billig und überall verfügbar, zeigt aber heute seine Tücken. "Durch hohe Anteile an Säure und Holzschliff zersetzt sich das Papier schneller", so der Fachmann.

Möglichst früh sichern

Die Entsäuerung stoppe diesen Prozess und es sei gut, diese Sicherung möglichst früh durchzuführen. Denn gesichert werden könne immer nur der Zustand, in dem sich die Papiere gerade befänden. Sehr viel ältere Dokumente aus Pergament betrifft dieses Problem nicht.

Der aktuelle Auftrag des Stadtarchivs an eine Spezialfirma beinhaltet auch eine neue Verpackung der insgesamt 568 betroffenen Ordner. Die Akten werden entnommen und auf eventuellen Schimmelbefall kontrolliert. Der würde vor der Entsäuerung beseitigt. Farben bleiben bei der Behandlung erhalten.

Staubsicher verpackt

Die Papiere sollen anschließend in Mappen zusammengefasst und in Kartons verpackt werden, was wesentlich staubsicherer ist. Insgesamt braucht die Spezialfirma für alles ungefähr zwei Monate.

Die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von 37.200 Euro (pro Kilo um die 20 Euro) erhält die Stadt Cuxhaven als Zuschuss von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts.

Namen sind auch Geschichte

Im Einwohnermelderegister sind Angaben zu jedem volljährigen Cuxhavener und jeder Cuxhavenerin erhalten: Name, Beruf, Konfession und Herkunft. Geführt wurde das Register in den genannten Jahren handschriftlich und das oft mit gestochen feiner Schrift. Anhand der persönlichen Angaben lässt sich Stadtgeschichte nachvollziehen, etwa wenn es um die Entwicklung neuer Wirtschaftszweige (Berufe, Stellenwechsel) oder Stadtteile (Umzüge) geht.

"In den Jahren zwischen 1890 und 1943 hat sich in Cuxhaven viel getan", weiß Friedhelm Gleiß. Cuxhavens Einwohnerschaft wuchs von rund 5.000 auf 30.000, in diese Zeit fielen die NS-Zeit und zwei Weltkriege. So wird das Personenstandsregister zu einem interessanten Rechercheobjekt zum Beispiel für die sozialgeschichtliche Forschung, Familienforscher oder Erbenermittler.

Besucher kommen wieder

Und so kommt es, dass im Stadtarchiv das Einwohnermelderegister neben den Standesamtsbüchern und dem Zeitungs- und Fotoarchiv zu den am häufigsten angefragten Dokumenten gehört. Die Zahl der Interessierten sei inzwischen fast wieder auf dem Vor-Corona-Stand, berichtet Friedhelm Gleiß. Wer sich anmeldet und eine Maske trägt, wird eingelassen.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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