Adwen Bremerhaven: Produktion wird stillgelegt
BREMERHAVEN. Beim Windradhersteller Adwen sollen mehr als 160 Mitarbeiter ihren Job verlieren.
Nach langen Verhandlungen haben sich Management und Betriebsrat auf einen Sozialplan geeinigt. Demnach wird der Servicebetrieb in Bremerhaven mit gut 200 Mitarbeitern fortgeführt. Die Produktion wird dagegen stillgelegt.
Der Personalabbau solle "sozialverträglich" über ein Freiwilligenprogramm erfolgen, teilte Adwen am Montag mit. Wer geht, erhalte "angemessene Ausgleichsleistungen" für den Übergang in eine neue Beschäftigung.
Darüber hinaus werde eine Transfergesellschaft eingerichtet, in der die ausscheidenden Mitarbeiter für maximal ein Jahr aufgefangen werden sollen. Dort werden sie bei Bedarf weiterqualifiziert, um leichter einen neuen Job zu finden.
166 Stellen will das Adwen-Management auf diese Weise bis September 2020 abbauen. "Wir haben in den letzten Monaten intensiv mit dem Betriebsrat zusammengearbeitet, um für die Mitarbeiter schnellstmöglich Klarheit zu schaffen und die Betroffenen beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse bestmöglich zu unterstützen", versicherte Adwen-Geschäftsführer Carsten König.
Dass die Produktion in Bremerhaven stillgelegt wird, hatte König der Belegschaft bereits im Juni auf einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Nur die Windräder, die Adwen in den vergangenen Jahren in Nord- und Ostsee gebaut hat, sollen weiterhin gewartet und repariert werden. Dafür will das Unternehmen 211 Mitarbeiter behalten.
Der Betriebsrat bezeichnete das Ergebnis der Sozialplanverhandlungen als "annehmbar". Man bedauere die Entwicklung bei Adwen sehr, habe jedoch "im Sinne der Belegschaft versucht, eine bestmögliche Lösung für die Kollegen und Kolleginnen zu erarbeiten". Von der Gewerkschaft IG Metall war bislang keine Stellungnahme zu bekommen. Heute sollen die Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung über das Ergebnis der Verhandlungen informiert werden.
Adwen hatte 2008 - damals noch unter dem Namen Areva Multibrid - in seinem neuen Werk im Fischereihafen mit der Serienfertigung von Turbinen und Maschinenhäusern für Offshore-Windräder begonnen. Zeitweilig arbeiteten rund 700 Beschäftigte für das Unternehmen.
In den vergangenen Jahren jedoch wurde das Auftragsbuch immer dünner. Die Muttergesellschaft, der französische Atomkraftwerksbauer Areva, zog sich aus dem Geschäft mit den erneuerbaren Energien zurück. Als die neue Adwen-Mutter, der spanische Windradhersteller Gamesa, im vergangenen Jahr Juniorpartner eines Gemeinschaftsunternehmen mit dem Branchenprimus Siemens wurde, schien das Schicksal des Werks in Bremerhaven besiegelt. Denn Siemens hat mittlerweile ein Werk in Cuxhaven aufgebaut und fertigt dort die eigene 7-Megawatt-Turbine in Serie.
Die Adwen-Geschäftsführung begründet die Schließung des Bremerhavener Werks mit dem "fehlenden Auftragseingang". Vier Offshore-Windparks wurden vom Labradorhafen aus mit Turbinen beliefert: "Alpha Ventus", "Global Tech 1" und "Trianel Borkum" in der Nordsee sowie "Wikinger" in der Ostsee.
Rund 200 Anlagen verließen die Halle. Mit einer Leistung von 5 Megawatt gehörten sie anfangs zu den leistungsstärksten Offshore-Windrädern auf dem Markt. Mittlerweile geht der Trend zu 8 bis 10 Megawatt. Adwens Prototyp einer 8-Megawatt-Anlage wurde im vergangenen Jahr auf dem ehemaligen Flugplatz Luneort errichtet, ging aber nicht mehr in Serie.
Von Christoph Barth