Auf halber Strecke neigt sich der "Entdeckungspfad Duhner Heide" in eine sandige Mulde hinab: Das zur Nationalpark-Ruhezone gehörende Gelände ist nicht nur artenreich, sondern auch hinsichtlich seiner Topografie überraschend abwechslungsreich. Foto: Koppe
Auf halber Strecke neigt sich der "Entdeckungspfad Duhner Heide" in eine sandige Mulde hinab: Das zur Nationalpark-Ruhezone gehörende Gelände ist nicht nur artenreich, sondern auch hinsichtlich seiner Topografie überraschend abwechslungsreich. Foto: Koppe
Erlebnispfad

Allein mit sich selbst und der Natur in der Cuxhavener Küstenheide

von Kai Koppe | 17.06.2022

CUXHAVEN. Zwei Brandgänse entfernen sich mit durchdringendem Schrei. Anschließend ist nichts weiter als der Wind zu hören, der von See kommend über die Grashalme und durch das Laub einiger am Wegesrand wachsender Büsche streicht. Ein Blick auf die Uhr, es ist kurz vor halb Sieben.

Um diese Zeit gehört einem der "Entdeckungspfad" ganz allein - sieht man von einem Hasen ab, der im Zickzack den Weg kreuzt. Oder einem Reh, das sekundenlang verharrt und wittert, bevor es mit langen Sätzen Reißaus nimmt.

Naturerlebnisse wie aus dem Bilderbuch

Naturerlebnisse wie aus dem Bilderbuch, die vielleicht auch deshalb begeistern, weil die Erwartungshaltung, mit der man sich an diesem Morgen auf den Weg gemacht hat, von Anfang an nicht besonders hoch war. Wegweiser mit dem Logo der Nationalparkverwaltung weisen den Rundkurs ambitioniert als "Wanderweg" aus; wer ihn geht, braucht allerdings weder Rucksack, noch besonderes Schuhwerk.

Zwar führt die Tour auf zumeist sandigem Untergrund durchs Gelände. Ist bei einer Länge von knapp zwei Kilometern Länge aber eher als Spaziergang einzustufen. Vom Weg abzukommen ist beinahe unmöglich: Holzpfosten mit grüner Markierung und insgesamt zwölf Schautafeln säumen den Lehrpfad, in dessen Verlauf der Interessierte mehr über Küstenschutz, Ebbe und Flut, über ein paar Süßwasserquellen im Watt oder die Heideflora erfahren soll.

Wechselwirkung zwischen Land und Meer

Diese Naturkunde-Lektionen an Ort und Stelle nachzuvollziehen, gestaltet sich in der Praxis allerdings als etwas schwierig: Der Pfad ist in die Jahre gekommen; Wind, Wetter und Flugsand haben an der Beschriftung der Infotafeln genagt. Bilder sind verblichen, der Text ist an vielen Stellen kaum lesbar. Wer tatsächlich etwas über die "immergrünen Zwergsträucher" (die Besen- oder die Krähenbeerheide), die Wechselwirkung zwischen Land und Meer oder das ein oder andere geologische Phänomen erfahren möchte, benötigt beim Zwischenstopp an den einzelnen Stationen zumindest ein Smartphone: Unter der Internet-Adresse www.nationalparkhaus-wattenmeer.de (Rubrik: Wattenmeer-Besucherzentrum Cuxhaven) ist Tafel für Tafel online abrufbar, darüber hinaus findet sich dort auch eine Skizze des "Entdeckungspfads Duhner Heide".

Geocoaching-Route

Apropos Smartphone: In Teilen deckt sich der Verlauf des Lehrpfades mit der "Cuxnatur"-Geocoaching-Route; Grund, warum neben der alten Ausschilderung einige neuere, teils aufwendig gemachte Schautafeln mit interaktiven Elementen zu finden sind. Letztere halten die Antwort auf Fragen nach Fledermausarten oder nach den Namen von "eingeschleppten" Pflanzenarten parat. Dass besagte Neophyten (so heißt diese Gruppe im wissenschaftlichen Sprachgebrauch) ein Problem darstellen, erlebt der aufmerksame Wanderer durchaus auch "live". Die Amerikanische Traubenkirsche, zu identifizieren an ihren schmalen glatten Blättern und den langen Blütenständern, ist in der Duhner Heide auf dem Vormarsch und verändert das typische Vegetationsbild, zu dem Birken und ein paar knorrige Eichen gehören.

Ungeachtet solcher auf zivilisatorische Eingriffe zurückgehenden "Spuren" wirkt der "Entdeckungspfad Duhner Heide" unberührt, ja beinahe abgeschieden - zumindest bevor im nahen Wohngebiet in Sahlenburg die Rasenmäher angeworfen werden oder vorne auf dem Küstenweg die Radfahrer-Karawanen Richtung Strand und Wernerwald rollen.

Hinkommen

Den "Entdeckungspfad Duhner Heide" erreicht man zum Beispiel mit der zwischen Duhnen und Sahlenburg verkehrenden Dünenbahn (Haltestelle Kampweg, von dort aus zu Fuß zur Aussichtsplattform).

Beginnen kann man die Runde auch auf der Südseite: Man folgt der Straße Am Flockengrund in nordöstlicher Richtung bis über jenen Punkt hinaus, ab dem die Strecke für den allgemeinen (Kraftfahrzeug)-Verkehr gesperrt ist. Wenige Hundert Meter weiter biegt man nach links auf einen Waldweg ab und befindet sich dann bereits auf dem "Entdeckungspfad", der an alten Erdbunkern vorbei Richtung Küste führt.

Der Pfad ist ungefähr 2 Kilometer lang und wird von zwölf, teils stark verwitterten Info-Tafeln gesäumt.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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