Ortstermin in Hemmoor: Schülertransport und Schulsanierung sind für Frank Berghorn besondere Herausforderungen. Foto: Schröder
Ortstermin in Hemmoor: Schülertransport und Schulsanierung sind für Frank Berghorn besondere Herausforderungen. Foto: Schröder
Politik

Auf Cuxland-Tour mit Landrat-Kandidat Berghorn

von Egbert Schröder | 23.05.2019

KREIS CUXHAVEN. Er will Landrat werden und die Richtung bestimmen: Frank Berghorn. Der CDU-Fraktionschef im Cuxhavener Kreistag fordert den Amtsinhaber Kai-Uwe Bielefeld heraus. 

Im Rahmen unserer "Landpartie" konnte auch der Kandidat aus Langen-Holßel drei Ziele bestimmen, zu denen ihn CN/NEZ-Redakteur Egbert Schröder chauffierte - Ziele und damit Themen, die ihm als möglichem Landrat besonders wichtig sind. Das Navi im Auto konnte getrost ausgeschaltet bleiben: Selbst den Weg zu den sieben geplanten und vom Kreis bislang verweigerten Bauplätzen in Lamstedt-Hackemühlen kannte Berghorn genau. Führt ihn sein Weg am Sonntag bei der Wahl auch so zielsicher auf den Chefsessel ins Kreishaus?

Wir haben uns auf dem Parkplatz am Otterndorfer Amtsgericht zur "Landpartie" verabredet. Berghorn schaut nach oben, wo in den Bäumen die Krähen ihr tägliches Konzert geben. "Ganz schön laut hier", sagt Berghorn, bevor er in meinen Wagen steigt. Ob die lärmenden Vögel ein Fall für den Landrat sind, bleibt unklar, auch wenn das Naturschutzamt beim Landkreis angesiedelt ist. Wir haben heute ganz andere Ziele und Themenstellungen.

Erster Stopp unserer zweistündigen Rundreise: das Schulzentrum in Hemmoor. Im Rahmen seiner Gespräche während des Wahlkampfes ist er mehrfach von Eltern darauf hingewiesen worden, dass zum Beispiel der Schulbus, der die Jungen und Mädchen von Hemmoor nach Hechthausen und zurück bringt, nachmittags völlig überfüllt sei.

Millionen für Schülertransport

Derartige Probleme sind für ihn kein Einzelfall. Immer wieder wenden sich Betroffene an Politik und Verwaltung, um auf unzumutbare Zustände bei der Schülerbeförderung hinzuweisen. Gerade in ländlichen Bereichen sorgt die Schülerbeförderung für Unmut. Nicht wenige Kinder müssen früher als die Eltern, die zur Arbeit fahren, aus dem Haus, und kommen erst am späten Nachmittag wieder an. Die Hausaufgaben sind dann aber noch nicht erledigt.

Rund zehn Millionen Euro gibt der Kreis pro Jahr für die Schülerbeförderung aus. Viel Geld, über dessen Verwendung Berghorn nicht nur den Auftragnehmer allein entscheiden lassen möchte: "Wir müssen da steuernd eingreifen."

Eingreifen? Das gelte auch für die Modernisierung der Schulen. Endlich sei durch die Entschuldung des Kreises bei den Liquiditätsdarlehen und die Niedrigzinsphase die Möglichkeit geschaffen worden, dass der Landkreis mit rund 160 Millionen Euro den Investitionsstau bei den Schulen beseitige. Der Neubau der Oberschule Dorum, die Erweiterung der Langener Schule, die Beseitigung des "Pappkartons" am Gymnasium in Hemmoor inklusive des Baus einer Mensa und neuer Fachräume sowie der Neubau des Internats bei der Cadenberger Berufsschule: "Das kostet alles sehr viel Geld, aber es lohnt sich", ist Berghorn überzeugt, der seit vielen Jahren den "Ausschuss für Hochbau, Straßen, Verkehr und Vergabe" leitet.

Dass die Investitionen in die Erneuerung der Schulstruktur nicht aus der Portokasse zu finanzieren sind, verdeutlicht er an einem Beispiel: Rund 18 Millionen Euro hat vor sieben Jahren der Bau des Otterndorfer Schulzentrums (Realschule und Gymnasium) gekostet. Heute müsse man für einen vergleichbaren Neubau in Dorum knapp 30 Millionen Euro einplanen.

Szenenwechsel: Mittlerweile sind wir in Lamstedt-Hackemühlen angekommen. Dort erwarten uns Reiner Steffens und Lamstedts Bürgermeister Manfred Knust. Das Problem ist eigentlich keines - jedenfalls für den Laien. Neun junge Hackemühlener haben angekündigt, dort gerne Häuser bauen zu wollen.

Alles nur Zufall?

Doch sie haben die Rechnung ohne die Raumplanung gemacht. In derartigen Randlagen Wohnhäuser zu bauen, widerspricht eigentlich den gesetzlichen Vorgaben und dürfte nicht genehmigt werden. Im Gespräch mit Reiner Steffens schüttelt Berghorn nur den Kopf und verweist auf einen Antrag der CDU, in dem die Kreisverwaltung aufgefordert wird, "die rechtlichen Rahmenbedingungen für die zukünftige Baulandentwicklung insbesondere in kleineren Ortschaften/Gemeinden des Landkreises Cuxhaven" zu schaffen. Ein Thema, das am Dienstag auf der Sitzung des Fachausschusses besprochen wurde. Berghorn wundert sich nur, dass sein Mitwerber Bielefeld erst wenige Stunden zuvor nach Lamstedt gereist war, um dort gerade darüber zu sprechen. Wahrscheinlich reiner Zufall und kein Wahlkampf ...

Die letzte Station unserer Landpartie ist Otterndorf. Dort wartet schon Bürgermeister Thomas Bullwinkel, führt uns durch die Stadt und berichtet über die Entwicklung des Einzelhandels nach dem Bau der Ortsumgehung. Der Weg führt auch vorbei am

"Museum gegenstandsfreier Kunst", das eigentlich mit seiner neuen Fassade so gar nicht in die historische Altstadt passt. Berghorn sagt nicht viel, aber das langt auch: "Wir können ja auch weitergehen", schlägt er vor.

Und dann naht das Ende der "Landpartie": am Amtsgericht, wo die Krähen ihr Konzert noch nicht beendet haben ...

Zur Person:

Frank Berghorn (48, CDU) lebt mit seiner Frau Sabine und den beiden Söhnen in Langen-Holßel.

Sein erstes politisches Amt hatte er 1994 als Mitglied des Ortsrates Holßel übernommen. Seit 2001 ist er Kreistagsabgeordneter und seit 2015 Chef der CDU-Kreistagfraktion, die dort über die meisten Mandate verfügt.

Berghorn tritt als Landratskandidat für die CDU an. Er möchte auf den amtierenden Landrat Bielefeld folgen, dem die CDU einst ins Amt verholfen und sich jetzt von ihm abgewendet hat.

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