Auf Cuxland-Tour mit Landrat-Kandidat Bielefeld
KREIS CUXHAVEN. Am Sonntag, 26. Mai, ist Wahltag. Erneut für das Amt des Landrates kandidiert der parteilose Amtsinhaber Kai-Uwe Bielefeld (64).
2004 ist er zum ersten Mal als hauptamtlicher Landrat gewählt worden - und er will zuständig bleiben für die Belange der 198 000 Einwohner im Dreieck Hagen-Hechthausen-Cuxhaven und weiterhin diese Region vertreten. Diesmal schickt ihn die Cuxland-SPD ins Rennen. Was Bielefeld im Cuxland am Herzen liegt, führt er an drei selbst ausgewählten Zielen vor Augen. Wir luden ihn ein, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen und ihn zu chauffieren. Wiebke Kramp erlebte eine zweieinhalbstündige Tour mit interessanten Begegnungen und Gesprächen.
Die Fahrt droht zu enden, noch bevor sie begonnen hat. "Vorsicht", warnt mein Beifahrer Kai-Uwe Bielefeld beim Abbiegen vom Pressehaus-Parkplatz in Cuxhaven. Ohne seine Umsicht hätte ich glatt die beiden Radfahrer übersehen. Doch der Holperstart ist zum Glück schnell vergessen. "Lassen Sie uns bitte zuerst zum Schulzentrum Otterndorf fahren, wir sind dort für um zwölf angekündigt", lautet Bielefelds freundliche Direktive. Ziel und die Themenauswahl betreffend ist er der Bestimmer. Wichtig nur: Es müssen Punkte mit Bedeutsamkeit fürs Cuxland sein.Zwanzig Minuten Fahrzeit vergehen wie im Flug. Mit netten Plaudereien darüber, ob die Kinder später doch wieder ins Cuxland zurückkehren werden, wenn sie hier einen passenden Job bekommen, und über die Schwierigkeiten der Kreisverwaltung, die Ausbildungsplätze geeignet besetzen zu können. Junge Leute für die Region begeistern und sie hier zu halten sei wichtig. Bielefelds Abwerbungsversuch an Redaktionspraktikant Hauke bleibt allerdings vergebens. Der junge Mann auf dem Rücksitz winkt ab. Verwaltung sei nichts für ihn.
In der Hauptschule in Otterndorf werden wir von einem großen Aufgebot aus den Schulen und der Kreisverwaltung erwartet. Mit Keksen und Gummibärchen ist der Kaffeetisch gedeckt. Und die Technik läuft schon. Um sie geht es heute hier. Vorgeführt wird, dass Digitalisierung im großen Stil vorgenommen wird. Mit vereinter Kraft mehrerer Ämter sei der Kreis gegenwärtig dabei, seine Schulen ans Breitbandnetz anzuschließen, machen Bielefeld und seine Mitarbeiter deutlich. Im Zuständigkeitsbereich des Landkreis Cuxhaven befinden sich 32 Schulen. Bereits 20 von ihnen sollen bis Ende des Jahres an das Breitband angeschlossen werden.
Die Hauptschule Otterndorf ist ganz neu am Netz. Mit 933,43 Mbit/s rauscht an diesem Tag dort die Datenautobahn lautlos durchs Netz. Das ist jedenfalls der Wert, der per Beamer leuchtend an die Wand geworfen wird. Die benachbarten Realschulen und das Gymnasium in Otterndorf sollen in Kürze folgen. "Es ist mir ganz wichtig, dass wir als Landkreis dafür sorgen, die Schulen vernünftig auszustatten - und wir sind da jetzt auf einem gutem Weg." Gegenwärtig gebe es zwei Pilotschulen für Tablet-Klassen - das Amandus-Abendroth-Gymnasium und die Oberschule Cadenberge. Erklärtes Ziel sei, Anschlüsse mit einer Bandbreite von 200 Mbit/s bis Gigabit (1000 Mbit/s) bereitzustellen.
Als sie von der nächsten Station erfährt, bittet die Schulleiterin des Gymnasiums spontan, mitkommen zu dürfen. Der Landrat hat das Museum gegenstandsfreier Kunst (MgK) in Otterndorf ausgewählt - und Marlies Reinke ist Vorstandsmitglied im Förderverein. Bielefeld ist dem Kunstmuseum lange verbunden. Genau gesagt sind es 25 Jahre, ebenso lange, wie er im Landkreis tätig ist. "Kultur ist mir eine Herzensangelegenheit." Wohl wissend, dass seine Wahl durchaus kritisch und kontrovers gesehen werden könnte, macht er vorsorglich deutlich, dass der Landkreis ein ganz breites Spektrum von Heimatkunst bis Hochkultur abdecke. Bielefeld bleibt eben seinem Ruf als smarter Mann des Ausgleiches treu. Polarisierer oder Krawallmacher war er noch nie - und ist er auch jetzt im Wahlkampf nicht.
Dieser Besuch im Museum gegenstandsfreier Kunst ist ein Statement. Er steht zu und hinter der Einrichtung. "Hier kann man sehen, was in der Welt der Kunst los ist." Er habe miterleben dürfen, mit welcher Programmatik, Konsequenz und fachlicher Versiertheit Leiterin Ulrike Schick hier wirke. "Das Museum lebt von ihrem persönlichen Netzwerk und hat weltweite Ausstrahlung", zollt Bielefeld Anerkennung - und seine Museumsleiterin strahlt. Derartiges Lob tut gut. Gern und prompt gibt sie es zurück: "Vielen Dank, dass Sie mir die Freiheit gegeben haben, mich haben machen lassen und sich niemals ins Programm eingemischt haben. Das erhalten nur ganz wenige Museumsleitungen."
Ulrike Schick erinnert an den jüngsten öffentlichen Diskurs über die Fassadengestaltung. Bielefeld hält eine Auseinandersetzung über Kunst für positiv. Als besondere Herausforderung des Museums sieht er, dass es hier nicht darum gehe, eingängige, wunderschöne Arbeiten zu zeigen, sondern das Wissen um das Dahinterliegende. So sei das MgK eine Bildungseinrichtung, aber keinesfalls elitär. Nickende Zustimmung von Schulleiterin Reinke. Aber jetzt müssen wir weiter.
Als dritten Ansteuerungspunkt hat sich Kai-Uwe Bielefeld Cuxhaven-Sahlenburg ausgesucht. Auf den Weg dahin unterhalten wir uns über die Europa-Wahl, Besorgnis über Auswüchse anti-europäischer Kräfte und die Schwierigkeit, im Wahlkampf junge Leute zu erreichen.
Damit hat das Watt-Bildungszentrum in Sahlenburg keine Probleme. Ebenso wie das Wattenmeerhaus in Dorum sei es ein "idealer Schnittpunkt" zwischen Naturschutz, Weltnaturerbe, Biosphärenreservat mit dem Tourismus. Kai-Uwe Bielefeld findet: "Diese Einrichtung ist nicht belehrend, sondern buchstäblich zum Erleben". Als wir bei Ankunft in Sahlenburg drei Reisebusse aus dem Nachbarkreis auf dem Parkplatz stehen sehen und uns eine fröhliche Schülerschar mit ihren Lehrern entgegenkommt, ist ihm die Begeisterung anzumerken. Das sei ein Beweis dafür, dass diese Einrichtung hinausstrahlt. "Hier kann man in jeder Hinsicht etwas erleben, es wird kein Eintritt erhoben und das Haus leistet Großes im Bildungsauftrag."
Wir werfen noch einen schnellen Blick in die Ausstellung im Gebäude. Doch der nächste Termin wartet. Ich chauffiere den Landrat zum Kreishaus. Zur Dezernentenrunde erscheint er dort sogar fast pünktlich. Bei der Verabschiedung lobt er meinen Fahrstil. Auch wenn er sonst ein ganz ehrlicher und angenehmer Beifahrer war, so denke ich doch, dass er dabei aus reiner Höflichkeit ein wenig geflunkert hat. Aber wenigstens habe ich ihn sicher wieder abgeliefert.
In der morgigen Ausgabe können Sie lesen, zu welchen Orten sich Landrats-Herausforderer Frank Berghorn (CDU) hat chauffieren lassen.
Zur Person:
Kai-Uwe Bielefeld wurde am 22. Oktober 1954 in Lüneburg geboren und wuchs dort auf. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst und studierte anschließend an der Universität Mainz Publizistik und Rechtswissenschaft. Als Referendar arbeitete er in Lüneburg, Stade und Winsen. 1983 legte er sein zweites Staatsexamen ab. Von 1983 bis 1992 war er bei der Bezirksregierung Lüneburg beschäftigt. Im Landkreis Cuxhaven war er 1992 zunächst unter Landrat Martin Döscher der Erste Kreisrat und ab 1. Februar 2004 erster hauptamtlich gewählter Landrat. Seine Wiederwahl erfolgte am 11. September 2011 mit 79,5 Prozent der Stimmen. Der parteilich ungebundene Kai-Uwe Bielefeld wurde diesmal von der SPD nominiert. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt seit 25 Jahren in Cuxhaven.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.