Bau in Cuxhaven nimmt Form an: Lebenshilfe baut 22 Sozialwohnungen
CUXHAVEN. Sechs Millionen Euro investiert die Lebenshilfe Cuxhaven in ein Wohn- und Geschäftshaus auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Nachtigall.
Kleiner war wohl niemals eine Teilnehmerrunde bei einer Grundsteinlegung für ein Projekt der Lebenshilfe: Aber ganz verzichten wollten Edebohl Tietje und Horst Riepenhusen vom Vorstand des Vereins Lebenshilfe, Geschäftsführer Werner Ludwigs-Dalkner und Stellvertreterin Dr. Dagmar Lill sowie die Bauleitenden Ann Kathrin Tiller-Hein und Stefan de Buhr nun auch nicht auf die Zeremonie, zumal es sich um ein ganz besonderes Bauprojekt handelt - 22 Sozialwohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung entstehen an der Südersteinstraße 8.
Zeitung wandert mit in Zeitkapsel
Und das, was in der Zeitkapsel im Grundstein versenkt wurde, waren auch nicht gerade gewohnte Inhalte: So wird unsere Nachwelt vielleicht irgendwann einmal in einer alten CN aus dem Jahr 2021 über die Corona-Pandemie lesen. In dem Kupferrohr, das Werner Ludwigs-Dalkner und Edebohl Tietje fachmännisch einbetonierten, befinden sich außerdem das jüngste Heft des Lebenshilfe-Magazins "Jahreszeiten" - passenderweise die Ausgabe zum 60-jährigen Jubiläum -, eine Vereinssatzung und ein Satz Euromünzen.
Für rund sechs Millionen Euro lässt die Lebenshilfe an der früheren Betriebsstätte der Gärtnerei Nachtigall, direkt neben dem Kubi, das Wohn- und Geschäftsgebäude errichten, das die N-Bank als Projekt des sozialen Wohnungsbaus fördert. Die 22 Wohnungen für ein bis vier Personen stehen Menschen mit geringen Einkommen mit Wohnberechtigungsschein offen. Sie müssen nichts mit der Lebenshilfe zu tun haben.
Schön und bezahlbar
Die Wohnungen sind mindestens barrierearm, viele auch barrierefrei, es werden zwei Aufzüge eingebaut, viele Wohnungen haben Balkons und es gibt eine Terrasse und eine Dachterrasse. Natürlich müssten sich am Ende die Mieten auch in einem Bereich befinden, der mit den Sätzen des Landkreises übereinstimme, erinnert Werner Ludwigs-Dalkner.
Trotzdem erwartet die Familien, Ehepaare und Singles schon durch die Lage eine hohe Lebensqualität - und die Aussicht auf ein Miteinander in gelebter Inklusion, zum Beispiel durch Begegnungen im Gemeinschaftsraum, den die Mieterinnen und Mieter auch zum Beispiel für Familienfeiern mieten können, und durch die Nähe zum Kubi, das bei Bedarf auch das Catering übernimmt. Der Neubau ist direkt mit dem Kubi verbunden.
Buchbinderei und Laden
Unten entsteht neben neuen Räumen für die Bookbinners (Buchbinderei der Lebenshilfe; zurzeit noch im City-Center) ein Laden für die Produkte aus den Werkstätten des Werkhofs - Töpfer- und Holzwaren sowie Metall-Deko-Gegenstände aus der Werkstatt in Hemmoor.
Bei Festen und Märkten sollen den Besuchern dann zwischen dem Kubi und dem Neubau schlendern können. Wenn es nach Werner Ludwigs-Dalkner geht, am liebsten schon beim Adventsbasar Ende November dieses Jahres. Der Zeitplan sieht vor, dass die Bookbinners zwischen Ende August und Ende September einziehen und die Wohnungen im November bezogen werden können. Künftige Bewohnerinnen und Bewohner können ihr Zuhause nach ihren persönlichen Bedürfnissen - zum Beispiel bei einer speziellen Behinderung - ausstatten lassen und kaufen sich auch eine eigene Küche - hoch, niedrig oder mit dem Rollstuhl unterfahrbar.
Investition in Inklusion
Es können aber ausdrücklich auch Menschen ohne definierte Behinderung einziehen. "So eine große Investition, um den Gedanken der Inklusion umzusetzen, ist für uns etwas Neues", sagt Werner Ludwigs-Dalkner. Die für Februar geplanten Info-Treffen für die Interessenten werden corona-bedingt ausfallen, vielleicht funktioniert es im März in Kleingruppen.
Wärmerückgewinnung aus Druckmaschinen
Für viele Gewerke sind die Aufträge inzwischen vergeben und die Kostenplanung halte, versichert der Geschäftsführer. Noch nicht ausgeschrieben ist der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach zwecks eigener Stromversorgung. Im Bereich der Bookbinners soll mit einer Wärmerückgewinnungsanlage die Abwärme der Druckmaschinen mit zur Energieversorgung genutzt werden.
Das wachsende Lebenshilfe-Zentrum hat schon vor Jahren zur politischen Entscheidung für Tempo 30 auf der Südersteinstraße geführt. Davon profitierten Menschen mit Behinderung, die im Umfeld wohnen oder hier entlang zur Arbeit gehen, bereits jetzt, versichert Werner Ludwigs-Dalkner.