Erst kündigte ihr Gartenhelfer an, zum Helene-Fischer-Konzert gehen zu wollen, dann erzählte die beste Freundin, auch "bei Helene" gewesen zu sein. Da war für Christiane Arp (rechts) klar: "Wir müssen Helene Fischer fotografieren." Die Chefredakteurin der Modezeitschrift "Vogue" engagierte den Star-Fotografen Peter Lindbergh (links) und brachte Schlager-Star Helene Fischer aufs Cover - ungeschminkt. Foto: Vogue/Lindbergh
Erst kündigte ihr Gartenhelfer an, zum Helene-Fischer-Konzert gehen zu wollen, dann erzählte die beste Freundin, auch "bei Helene" gewesen zu sein. Da war für Christiane Arp (rechts) klar: "Wir müssen Helene Fischer fotografieren." Die Chefredakteurin der Modezeitschrift "Vogue" engagierte den Star-Fotografen Peter Lindbergh (links) und brachte Schlager-Star Helene Fischer aufs Cover - ungeschminkt. Foto: Vogue/Lindbergh
Gesellschaft

Christiane Arp: Taktgeberin der Modewelt

18.02.2019

KREIS CUXHAVEN. Wer wissen will, was Mode ist und kann, der kommt an der "Vogue" nicht vorbei. Geleitet wird die Zeitschrift, die mit einer Auflage von 90 000 erscheint, seit 16 Jahren von Christiane Arp. Geboren und groß geworden ist die 57-Jährige auf einem Bauernhof in Stinstedt. Über eine Barbie entdeckt sie als junges Mädchen die Liebe zur Mode, doch bis heute trägt sie in ihrer Freizeit gerne auch mal Gummistiefel.

Noch heute erzählt Christiane Arps Vater gerne die Anekdote, wie sie als junge Frau nach dem Abitur für ein Praktikum beim örtlichen Schneider abgelehnt wurde. Heute gilt Christiane Arp in Deutschland als eine "Grande Dame der Mode", bewegt sich stil- und trittsicher auf den Bühnen der deutschen und internationalen Modewelt, steuert und plant im Redaktionsalltag die nächsten Ausgaben der "Vogue Deutschland", die traditionell großen Einfluss auf die Modewelt hat.

Wenn sie über Mode spricht, ist ganz schnell zu merken, dass sie über ihre große Liebe spricht. "Mode kann so viel: Sie kann ein Panzer sein, wenn ich mich unsicher fühle, meine Weiblichkeit unterstützen und mir in jedem Fall Sicherheit geben, weil ich mir keine Gedanken darüber machen muss, ob das Kleid, dass ich trage, gut aussieht." Insgesamt habe sich die Mode in den vergangenen Jahren außerdem demokratisiert: über das Internet sei heutzutage von jedem Winkel der Welt ein Zugriff zur Mode möglich. Zudem habe jeder die Wahl, Designer-Outfits zu tragen oder sich für einen kostengünstigeren Stil zu entscheiden. "Es gibt kein Muss in der Mode", sagt sie.

Sie selbst hat die große Liebe zur Mode schon in der Kindheit entdeckt. Als kleines Mädchen bekommt sie zu Weihnachten eine Barbie geschenkt. Kurz zuvor hat sie im Handarbeitsunterricht Stricken und Häkeln gelernt. Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Mutter, die selbst viel für die vier Kinder näht, fertigt Christiane Arp von nun an Kleidung für ihre Puppe. "Ein ganz wichtiger Teil meiner Sozialisierung", sagt die heute 57-Jährige. Nach und nach baut sie sich auch ein ganzes Puppenhaus, schmückt und dekoriert die kleinen Räume, tapeziert und gestaltet. "Meine eigene kleine Welt", sagt sie und lacht.

Idylle auf dem Bauernhof

Der andere Teil ihrer Welt in diesen Jahren ist der elterliche Bauernhof mit Schweinen, Kühen und Feldern in der Börde Lamstedt. Zusammen mit ihren drei jüngeren Geschwistern genießt sie das Aufwachsen auf dem Land, besucht nach der Volksschule das Gymnasium in Warstade. Dass sie ihr den Weg zum Abitur ermöglicht haben, dafür ist Christiane Arp ihren Eltern noch immer dankbar. "Damals war das nicht so selbstverständlich, ich war in meinem Ort die Zweite, die Abitur machte", sagt sie. Die Eltern haben sie und ihre Geschwister immer gefördert und ausreichend Freiheit gegeben. "Macht das, was euch glücklich macht, hat mein Vater immer gesagt und es auch so gemeint", sagt Christiane Arp.

Nach dem Abitur ist ihr schnell klar, wohin der Weg führt: in die Großstadt Hamburg. Ursprünglich ist ein dreiwöchiges Praktikum bei der Strickzeitschrift "Nicole" geplant, die damals ein Trendsetter für Mode ist und auf deren Eintreffen sich Christiane Arp in ihren Jugendjahren immer schon Tage vor dem Erscheinen freut. "Aus jeder Ausgabe habe ich mir drei bis vier Pullis ausgesucht und sie nach dem Muster gestrickt. Auch meine Familie musste damit leben, zu Weihnachten Selbstgestricktes zu bekommen", erinnert sie sich und lacht.

Aus den drei Wochen Praktikum werden schließlich acht Jahre. Die damalige Chefredakteurin Ina Staudinger fördert die junge Frau vom Land. "Sie sah etwas in mir, was ich damals noch nicht sehen konnte und schickte mich auf verschiedenen Stationen quer durch die ganze Redaktion", blickt Christiane Arp zurück. Schließlich landet sie bei den Stylisten, beginnt, zu Foto-Shootings mitzureisen. Das erste geht nach St. Peter-Ording, das zweite nach Gran Canaria und das dritte nach Guadeloupe in die Karibik. Neben der Liebe zur Mode entsteht in dieser Zeit eine zweite große Leidenschaft bei Christiane Arp: die Liebe zum gedruckten Papier. "Bilder zu erschaffen und zu kreieren, die die Leser emotional berühren, ist großartig."

Um ihrem Berufswunsch Modejournalistin einen handfesten Hintergrund zu geben, studiert Christiane Arp Modedesign, ist während der ganzen Zeit jedoch journalistisch aktiv für die "Nicole", finanziert sich so ihr Studium. Nach dem Abschluss arbeitet sie für Zeitschriften wie "Brigitte" und "Viva!", leitet das Moderessort der "Für Sie" und des "Stern". 2002 wird sie stellvertretende Chefredakteurin der "Vogue Deutschland", 2003 rückt sie in die erste Reihe auf.

Ein Schritt, der ihr großen Respekt einflößt. "Die ersten Monate habe ich mich gefühlt wie das Kaninchen vor der Schlange", erinnert sie sich an die Anfangszeit. Heute ist sie seit 16 Jahren Chefredakteurin von Deutschlands maßgeblicher Modezeitschrift - und damit nach "Vogue"-Legende Anna Wintour, die seit 1988 die amerikanische Ausgabe leitet, dienstälteste Chefredakteurin der weltweiten "Vogue"-Familie. "Viele Dinge, die mir früher schlaflose Nächte bereitet haben, nehme ich heute gelassener", sagt sie. Dennoch: Eine echte Routine gibt es in ihrer Arbeit nicht. Jedes Heft ist neu, braucht neue Impulse und Reize. Im Dezember bringt sie Schlager-Star Helene Fischer aufs Cover - ungeschminkt. Ein bundesweites Medienecho folgt. In diesem Jahr steht zudem das 40-jährige Bestehen der "Vogue Deutschland" an, zu diesem Anlass co-kuratiert die Chefredakteurin eine Ausstellung, die in der Villa Stuck in München gezeigt werden soll.

Grande Dame der Modewelt

Dass keine Routine im Leben von Christiane Arp aufkommt, kann auch daran liegen, dass sie nicht müde wird, sich neue Aufgaben zu suchen. So ruft sie 2011 den Vogue-Salon ins Leben. Dort werden während der Berliner Fashion Week vielversprechende Nachwuchsdesigner mit Entscheidern aus dem deutschsprachigen und internationalen Einzelhandel sowie bedeutenden Persönlichkeiten der Modebranche zusammengebracht. Dabei stehen neben der Präsentation der Entwürfe vor allem der Aufbau und die Pflege von Geschäftskontakten im Vordergrund. "Nachwuchsförderung liegt mir sehr am Herzen", sagt Christiane Arp. Nicht zuletzt aus eigener Erfahrung weiß sie, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die einen fördern, bestätigen und begleiten.

Den Begriff "Grande Dame der Modewelt" mag die 57-Jährige für sich nicht besonders, räumt aber ein, sicher einen großen Einfluss auf die deutsche Modewelt zu haben. "Und genau den möchte ich nutzen, um aktiv den Nachwuchs zu fördern", betont sie.

2015 gründet die gebürtige Cuxländerin zusammen mit anderen Engagierten aus der Modebranche das "Fashion Council Germany", das sich als Interessenvertretung der deutschen Modebranche versteht. Ziel ist es, deutsches Modedesign als Kultur- und Wirtschaftsgut zu fördern und die Branche auch international voranzubringen. Das Council fördert Designernachwuchs und will Aktivitäten der Branche bündeln, um die Mode als Wirtschaftsfaktor in Deutschland zu stärken und zu halten. "Deutschland kann es sich nicht leisten, der Entwicklung hinterherzulaufen, wir müssen die Branche stärken und voranbringen", betont sie.

Entspannung bei Gartenarbeit

Mit ganzer Kraft und Leidenschaft hat sich Christiane Arp der Modebranche verschrieben. Abstand vom Arbeitsalltag bekommt sie am Wochenende. Dann nämlich zieht es sie und ihren Mann vom mondänen München zurück an ihren Erstwohnsitz in einen kleinen Ort im Landkreis Cuxhaven, ganz in die Nähe ihrer Familie, in ihr eigenes Haus mit großem Garten. Dorthin, wo wohl nur wenige Nachbarn wissen, dass die Frau mit den Gummistiefeln, die gerne am Wochenende im Garten arbeitet, eine der Taktgeberinnen der deutschen Modewelt ist.

Von Martina Albert

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