Cuxhaven: Außergewöhnlich wenig Nachwuchs-Lehrkräfte im Studienseminar
CUXHAVEN. Ein außergewöhnlich kleiner Jahrgang startet in Cuxhaven im Studienseminar für Grund-, Haupt- und Realschulen in die Endphase der Lehrerausbildung.
Nie waren sie so wertvoll wie heute: Den zehn neuen Anwärterinnen und Anwärtern, die am Donnerstag im Studienseminar Cuxhaven für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen ihren 18-monatigen Vorbereitungsdienst antraten, dürfte der rote Teppich ausgerollt werden. Wobei nicht jede Schule, die gerne ausgebildet hätte, berücksichtigt werden konnte, denn im Vergleich zum 38 Personen starken vorigen Jahrgang ist die Zuweisung diesmal besonders gering ausgefallen - weit entfernt von der noch im Juni von der Landesschulbehörde angekündigten Zahl von 23.
Wobei eine Stelle auch noch direkt vom Kultusministerium für einen "Anpassungslehrgang" (der praktisch so verläuft wie die normale Anwärterausbildung) zugewiesen wurde - das gängige Verfahren, wenn die Lehrerausbildung im Ausland stattgefunden hat. Die anderen neun bekamen ihre Plätze von der Landesschulbehörde zugewiesen.
Sie alle stellen die begehrte Verstärkung für die Schullandschaft in Stadt und Landkreis Cuxhaven dar. Umso herzlicher fiel die Begrüßung im Seminargebäude in der Abendrothstraße aus: Mit Willkommensschildern, dem obligatorischen Frühstück und Informationen des Anwärterpersonalrats und Begrüßungsworten und der förmlichen Vereidigung durch Seminarkonrektorin Petra von Grabe und Konrektorin Bettina Zeeb.
Bald vor der Klasse
Die angehenden Lehrkräfte - allesamt mit dem Master-Abschluss in der Tasche - starten nun in die letzte Phase der Ausbildung. Sie erteilen an ihren Ausbildungsschulen selbstständig Unterricht und besuchen dazu die Pädagogik- und Fachseminare in Cuxhaven. "Natürlich unter Corona-Bedingungen - abwechselnd Präsenz- und Online-Seminare, Masken auf den Fluren, Hygiene und Lüften", versichert Petra von Grabe.
Am meisten wünscht sie den jungen Frauen und Männern, dass sie in diesem Halbjahr wieder Unterrichtsbesuche im Präsenzbetrieb erhalten dürfen. Denn diese Beratungsbesuche sind wertvoll. Die Fachseminarleiter können gezielt auf Unterrichtssituationen eingehen.
"Jeder möchte seinen Unterricht nicht nur auf dem Papier planen, sondern auch durchführen", so Petra von Grabe. Das war aber ab März mit dem Lockdown plötzlich nicht mehr möglich gewesen, statt dessen wurden Konzepte am Schreibtisch beurteilt; selbst für die Abschlüsse. Im November beginnt die Prüfungsphase für die nun dienstälteste Gruppe am Seminar. "Ob diese vor der Klasse stattfinden kann, bewegt uns alle. Es ist auch ein großes Thema unter den Anwärtern", berichtet Petra von Grabe.
Die Bedeutung des Studienseminars in der Kreisstadt ist für die gesamte Schullandschaft im Kreis erheblich. Das liegt an dem, was man umgangssprachlich "Klebe-Effekt" nennt: Nach der Ausbildung entscheiden sich viele, zu bleiben. Überall in den Kollegien sitzen ehemalige Anwärterinnen und Anwärter, nicht selten bereit, auch Verantwortung in Schulleitungen zu übernehmen. Sie sichern die Unterrichtsversorgung und bringen frischen Wind in die Schulen.
Droht bald eine Lücke?
Ausgerechnet bei dem jüngsten Abschlussjahrgang hat das ausnahmsweise mal nicht so funktioniert, weil außergewöhnlich viele - wie schon früh angekündigt - in ihre Heimat zurückgegangen sind. Umso besorgniserregender ist der aktuelle Rückgang. Schon vor den Ferien hatte unsere Redaktion dazu bei der Landesschulbehörde nachgefragt. Damals - Ende Juni - kündigte Pressesprecherin Bianca Trogisch an, dass dem Cuxhavener Studienseminar 23 Bewerberinnen und Bewerber zugeteilt seien - entsprechend fast genau dem landesweiten Durchschnittswert von 24 Zuweisungen pro Einrichtung. Tatsächlich sind diese Anmeldungen nie beim Studienseminar in Cuxhaven angekommen.
Bianca Trogisch erklärt, dass Bewerberinnen und Bewerber grundsätzlich keinen Anspruch auf einen Platz in einem bestimmten Seminar hätten. Angestrebt werde eine landesweit gleichmäßige Verteilung, abgestimmt auf die Kapazitäten der Ausbildungsseminare.
In der Praxis sei diese Ausgewogenheit allerdings schwer zu erreichen, räumt die Sprecherin ein: Neben der Fächerkombination seien die Belange der Bewerberinnen und Bewerber zu berücksichtigten - Schwerbehinderung, Familie oder besondere örtliche Bindungen sowie Wunschorte. Dabei würden Universitätsstandorte bevorzugt.
Immerhin noch vier Personen aus benachbarten Seminar-Standorten kann Petra von Grabe in einzelnen Fachseminaren in Cuxhaven begrüßen - in einzelnen Fächern, die an den anderen Orten nicht angeboten werden.
Das Cuxland lieben lernen
Und wie in allen Jahren soll in den frisch begrüßten Anwärterinnen und Anwärtern trotz der schwierigen Corona-Bedingungen die Leidenschaft für ihren Dienstort entfacht werden. Zwar mussten die Übernachtungsfahrt nach Bad Bederkesa, der Landkreis-Empfang und die traditionelle Cuxliner-Fahrt entfallen, statt dessen ging es - ebenso wie die Bustour von der Stadtsparkasse Cuxhaven finanziert - gestern zum Minigolfspielen und weiter über den Deich in Döse.
Die Dienstorte
Eingestellt wurden zum 20. August (Namen und Ausbildungsschulen; Angaben ohne Gewähr): Jennifer von Ahnen (GS Ritzebüttel), Philipp Ernst (GS Groden), Jaqueline Exner (GRS Hemmoor), Christina Friedsch (GS Bad Bederkesa), Anna Hünken (RS Cuxhaven), Dr. Ilja Jusuk (RS Altenwalde), Stefanie Karper (OBS Langen), Aileen Kirchner (GS Hechthausen), Tobias Könsgen (GHS Süderwisch), Steffen Pohl (HRS Hagen).
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