Wollen gemeinsam das Projekt "Holzheizkraftwerk für Cuxhaven" verwirklichen: (v.l.) Planer Frank Berghorn, Projektierer Hermann Schlesinger, Mitgesellschafter Hanke von Döhlen, Thomas Schmid und Felix Michel (Fontavis AG) und Thorsten Schlesinger, Geschäftsführung. Derzeit wird das 12.000-Quadratmeter-Grundstück an der Neufelder Straße gerodet, von Gleisen befreit und eingeebnet. Anschließend soll der erste Spatenstich erfolgen. Foto: Sassen
Wollen gemeinsam das Projekt "Holzheizkraftwerk für Cuxhaven" verwirklichen: (v.l.) Planer Frank Berghorn, Projektierer Hermann Schlesinger, Mitgesellschafter Hanke von Döhlen, Thomas Schmid und Felix Michel (Fontavis AG) und Thorsten Schlesinger, Geschäftsführung. Derzeit wird das 12.000-Quadratmeter-Grundstück an der Neufelder Straße gerodet, von Gleisen befreit und eingeebnet. Anschließend soll der erste Spatenstich erfolgen. Foto: Sassen
Millionen-Projekt

Cuxhaven: Baubeginn für Holzheizkraftwerk im Fischereihafen

20.02.2020

CUXHAVEN. Am Ostende des Fischereihafens bahnt sich eine kleine Revolution für Cuxhaven an. Findige Planer schicken sich an, dort mit Unterstützung von Schweizer Investoren ein Holzheizkraftwerk zu bauen, das große Teile des Cuxhavener Hafens und der Stadt künftig mit Fernwärme und Strom versorgen soll. 

Und das CO2-neutral. Das 12.000 Quadratmeter große Grundstück an der Neufelder Straße wird gerade für den Baustart vorbereitet. 

In 18 Monaten soll das Werk im ersten Ausbauschritt Wärme liefern können. Betrieben werden die drei Kessel mit einer Gesamtleistung von knapp 50 Megawatt dann ausschließlich mit Holz, dessen Verbrennung als CO2-neutral gilt.

Am Montag trafen sich die Bauherren der Holzheizkraftwerk Cuxhaven GmbH und ihre Geldgeber von der Schweizer Fontavis AG zum ersten Termin auf der Baustelle an der Neufelder Straße 46, direkt neben dem Verwaltungsgebäude vom Fischmehlwerk Bioceval. "Unser Fonds vertritt Investoren, die zu 80 Prozent aus der Schweiz kommen und in nachhaltige Energiegewinnung aus Biomasse, Wind und Solar investieren", erklärte Geschäftsführer Thomas Schmid, der in der Nähe vom Vierwaldstätter Sees zu Hause ist. In vier andere Holzheizkraftwerke hätten seine Anleger bereits investiert, das Cuxhavener sei allerdings das größte und das erste außerhalb der Schweiz.

Schon seit zwei Jahren weist ein großes Baustellenschild auf dem Grundstück zwischen dem Hafenbecken und den Gleisen auf die geplanten Aktivitäten hin. Bis zum Baustart war aber offenbar noch Etliches zu klären. Jetzt liege aber die Baugenehmigung vor und es könne tatsächlich losgehen, erklärte Hermann Schlesinger am Montag auf der Baustelle. Stadtbaudezernent Martin Adamski bestätigt das. Die Stadt befürworte die Pläne, bis zur endgültigen Baugenehmigung müssten allerdings noch etliche Details nachgearbeitet werden.

Zweite Voraussetzung ist eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BiMSCH) durch das Gewerbeaufsichtsamt, die nach Aussage Schlesingers ebenfalls vorliegt. "Heute bin ich richtig froh", freute sich der Cuxhavener Projektierer Schlesinger (Schlesinger Consult GmbH), nachdem er viele Höhen und Tiefen mit der jahrelangen Vorplanung erlebt hat. Schlesinger, der seinen Sohn Thorsten als seinen Stellvertreter in die Geschäftsführung mit aufgenommen hat, und seine Geldgeber sind vom Erfolg ihres rund 60-Millionen-Euro teuren Bau- und Infrastrukturprojekts überzeugt.

Was sie antreibt? Im näheren Umfeld des künftigen Heizwerks haben sie genügend potenzielle Kunden ausgemacht.

Dazu zählen Betriebe der Fischwirtschaft, außerdem die von NPorts vermieteten großen Gebäude im Fischereihafen und der Hafen selbst. Außerdem erwarten sie eine Förderung aus Bundesmitteln, weil sie mit dem neuen Werk zur Reduzierung der CO2-Bilanz in der Stadt Cuxhaven beitragen werden. Die Energieausbeute sei deutlich besser als bei Einzelfeueranlagen und sogar besser als bei einem normalen Blockheizkraftwerk.

Da sich potenzielle Abnehmer im Hafen alle in fußläufiger Entfernung befinden, hält sich der Aufwand für den Bau der benötigten Fernwärmeleitungen in Grenzen, meint Hanke von Döhlen, Mitgesellschafter aus Neuenwalde und von Haus aus Heizungsbauer. Mittelfristig sollen auch große Teile der Innenstadt an das Fernwärmenetz angeschlossen werden.

Dabei denken Schlesinger und seine Mitstreiter an große städtische Gebäude wie Schulen, Kindergärten, Bäder, aber auch an das geplante neue Polizeigebäude, die Siedlung und Hotels. Mithilfe einer Zwischenlösung aus Containern wäre sogar schon kurzfristig die Versorgung des neuen Hallenbades mit Fernwärme möglich, versichert Schlesinger. Die Rohrleitungen würden in der Regel im Straßenraum verlegt. Die grundsätzliche Genehmigung dazu hätten Stadt und Landkreis bereits in Aussicht gestellt.

Mitverlegt würden Glasfaserkabel, über die später die entnommenen Wärmemengen zur Steuerung der Heizkessel ins Werk zurückgemeldet werden. Ziel sei es, das Heizwerk mit etwa fünf Mitarbeitern im 24 Stunden-Betrieb zu fahren, erklärte von Döhlen. Fernwärme hätte für die Kunden neben einem günstigen Abnahmepreis viele Vorteile. Die Kosten für eine Heizungsanlage und deren Wartung fielen ebenso weg wie die fürs Schornsteinfegen.

Allerdings müssten sich die Kunden vertraglich für zehn Jahre binden. Verfeuert werden soll nur unbehandeltes Holz aus der Region oder aus Skandinavien.

Vorteile von Fernwärme

Mehr Komfort: Die Fernwärme kommt gebrauchsfertig ins Haus und steht ganzjährig zur Verfügung. Außerdem die Platzersparnis. Es ist weder ein Heizkessel noch ein Lagerraum für Brennstoffe notwendig. Es braucht nur eine kompakte Übergabestation mit Wärmemengenmesser und einem eventuellen Wärmeüberträger.

Keine Wartungskosten: Innerhalb der eigenen vier Wände findet keine Verbrennung statt, da die Wärme ja bereits im Kraftwerk erzeugt wurde und nur noch zum Abnehmer transportiert wird.

Keine Abgase, kein Ruß, Rauch oder Gerüche. Ein Schornstein ist nicht nötig. Das spart nicht nur die Kosten für den Schornsteinfeger, sondern auch für die Wartungsarbeiten am Heizkessels. Weniger CO2-Emissionen.

Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes - das Eigentümern von Gebäuden seit Januar 2009 einen Teil der Wärmedeckung aus erneuerbaren Energien vorschreibt - gilt die Kraft-Wärmekopplung als eine Ersatzmaßnahme.

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