Cuxhaven bei Offshore die Nummer zwei in Europa
CUXHAVEN. Die Schlüsselfunktion des Standorts Cuxhaven für die Energiewende hat Gespräche zwischen SPD-Bundestagsabgeordneten und Wirtschaftsvertretern bestimmt.
Im Kielwasser der kürzlich verabschiedeten Novelle des Windkraft-auf-See-Gesetzes müsse auch der Offshore-Standort Cuxhaven weiter zulegen. "Wir dürfen nicht stehen bleiben", mahnte der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Daniel Schneider, als er mit seinem Fraktionskollegen Bengt Bergt das hiesige Offshore-Industrie-Zentrum besuchte. Das Gelingen der Energiewende ist inzwischen nicht mehr das einzige politische Ziel, das eng an das Thema Windkraft auf See geknüpft ist. Schneider erinnerte an die veränderte geopolitische Situation, die es nötiger denn je erscheinen lässt, sich in Sachen Energieerzeugung zu emanzipieren. Dass die technischen Voraussetzungen für einen solchen Schritt nicht nur bestehen, sondern in Cuxhaven sogar geschaffen werden, erlebten Schneider und der dem Ausschuss für Klimaschutz und Energie angehörende Bergt am Mittwoch bei einem Besuch des Siemens Gamesa-Werkes. 11 Megawatt-Turbinen werden an der Baumrönne inzwischen in Serie gebaut; laut Werksleiter Kristoffer Mordhorst ist man darüber hinaus längst bereit, Maschinenhäuser für die 14 beziehungsweise 15 Megawatt-Klasse zu produzieren.
Blick nach Dänemark
Der Output des Werks liegt derzeit bei einer Anlage täglich; die sogenannten "Nacelles", die aus der Fertigungshalle geschoben werden, sind (Wermuttropfen aus Sicht der SPD-Delegation) aktuell aber nicht für deutsche Offshore-Projekte bestimmt. Die beiden Bundestagsabgeordneten wiesen in diesem Zusammenhang auf eine "Delle" in der Windenergie-Ausbaukurve hin, die noch auf das Konto der Vorgängerregierung geht. "Auf der Fast Lane sind wir ja erst seit Start der Ampel", so Schneider. Aus seiner Sicht birgt der hiesige Standort weitere Potenziale: Für Ausbauprojekte in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) komme Cuxhaven definitiv als Basishafen in Betracht - ein "Job" der bis dato eher dem dänischen Esbjerg zugeschrieben wurde. Geht es um Umschlagflächen, haben die Dänen nämlich die Nase vorn: Der dortige Staat habe eine andere Fördermentalität, merkte SPD-Ratsfraktionschef Gunnar Wegener in diesem Zusammenhang an. Dass die Uhren bei den nördlichen Nachbarn anders ticken, weiß niemand besser als Arne Ehlers. Der Geschäftsführer der Blue Water BREB GmbH legte im Gespräch mit den Gästen aus dem Bundestag dar, um wie viel günstiger es in Dänemark sei, in Investments in Hafeninfrastruktur zu finanzieren.
Lückenschluss dringend nötig
Für Ehlers führt deshalb kein Weg daran vorbei, dass das Land Niedersachsen den Bau der als überfällig bezeichneten Liegeplätze 5 bis 7 übernimmt: "Eine Goldgrube" (Ehlers) würden man schaffen, die so viel abwerfe, dass sich die für jenen "Lückenschluss" veranschlagten Kosten (300 Millionen Euro) ruckzuck amortisieren. "Das Vorhaben ist seit zwei Jahren planfestgestellt", ärgerte sich der BREB-Geschäftsführer über den Zeitverzug. Dass das fehlende Puzzleteil in der örtlichen Kailinie nicht längst eingesetzt wurde liegt aus Sicht des gelernten Nautikers daran, dass der Stellenwert der Offshore-Basis vielfach gar nicht erkannt wird. "Ich habe das Gefühl, dass selbst der Bundeskanzler nicht weiß, dass Cuxhaven der zweitgrößte Offshore-Umschlaghafen in Europa ist." Schneider will nun seinerseits für den Liegeplatz-Bau trommeln.