Siemens Gamesa-Werksleiter Kristoffer Mordhorst führte die SPD-Gäste durch seine Fertigungshalle. Foto: Koppe
Siemens Gamesa-Werksleiter Kristoffer Mordhorst führte die SPD-Gäste durch seine Fertigungshalle. Foto: Koppe
Witrtschaft

Cuxhaven bei Offshore die Nummer zwei in Europa

von Kai Koppe | 14.07.2022

CUXHAVEN. Die Schlüsselfunktion des Standorts Cuxhaven für die Energiewende hat Gespräche zwischen SPD-Bundestagsabgeordneten und Wirtschaftsvertretern bestimmt.

Im Kielwasser der kürzlich verabschiedeten Novelle des Windkraft-auf-See-Gesetzes müsse auch der Offshore-Standort Cuxhaven weiter zulegen. "Wir dürfen nicht stehen bleiben", mahnte der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Daniel Schneider, als er mit seinem Fraktionskollegen Bengt Bergt das hiesige Offshore-Industrie-Zentrum besuchte. Das Gelingen der Energiewende ist inzwischen nicht mehr das einzige politische Ziel, das eng an das Thema Windkraft auf See geknüpft ist. Schneider erinnerte an die veränderte geopolitische Situation, die es nötiger denn je erscheinen lässt, sich in Sachen Energieerzeugung zu emanzipieren. Dass die technischen Voraussetzungen für einen solchen Schritt nicht nur bestehen, sondern in Cuxhaven sogar geschaffen werden, erlebten Schneider und der dem Ausschuss für Klimaschutz und Energie angehörende Bergt am Mittwoch bei einem Besuch des Siemens Gamesa-Werkes. 11 Megawatt-Turbinen werden an der Baumrönne inzwischen in Serie gebaut; laut Werksleiter Kristoffer Mordhorst ist man darüber hinaus längst bereit, Maschinenhäuser für die 14 beziehungsweise 15 Megawatt-Klasse zu produzieren. 

Blick nach Dänemark

Der Output des Werks liegt derzeit bei einer Anlage täglich; die sogenannten "Nacelles", die aus der Fertigungshalle geschoben werden, sind (Wermuttropfen aus Sicht der SPD-Delegation) aktuell aber nicht für deutsche Offshore-Projekte bestimmt. Die beiden Bundestagsabgeordneten wiesen in diesem Zusammenhang auf eine "Delle" in der Windenergie-Ausbaukurve hin, die noch auf das Konto der Vorgängerregierung geht. "Auf der Fast Lane sind wir ja erst seit Start der Ampel", so Schneider. Aus seiner Sicht birgt der hiesige Standort weitere Potenziale: Für Ausbauprojekte in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) komme Cuxhaven definitiv als Basishafen in Betracht - ein "Job" der bis dato eher dem dänischen Esbjerg zugeschrieben wurde. Geht es um Umschlagflächen, haben die Dänen nämlich die Nase vorn: Der dortige Staat habe eine andere Fördermentalität, merkte SPD-Ratsfraktionschef Gunnar Wegener in diesem Zusammenhang an. Dass die Uhren bei den nördlichen Nachbarn anders ticken, weiß niemand besser als Arne Ehlers. Der Geschäftsführer der Blue Water BREB GmbH legte im Gespräch mit den Gästen aus dem Bundestag dar, um wie viel günstiger es in Dänemark sei, in Investments in Hafeninfrastruktur zu finanzieren.

Lückenschluss dringend nötig 

Für Ehlers führt deshalb kein Weg daran vorbei, dass das Land Niedersachsen den Bau der als überfällig bezeichneten Liegeplätze 5 bis 7 übernimmt: "Eine Goldgrube" (Ehlers) würden man schaffen, die so viel abwerfe, dass sich die für jenen "Lückenschluss" veranschlagten Kosten (300 Millionen Euro) ruckzuck amortisieren. "Das Vorhaben ist seit zwei Jahren planfestgestellt", ärgerte sich der BREB-Geschäftsführer über den Zeitverzug. Dass das fehlende Puzzleteil in der örtlichen Kailinie nicht längst eingesetzt wurde liegt aus Sicht des gelernten Nautikers daran, dass der Stellenwert der Offshore-Basis vielfach gar nicht erkannt wird. "Ich habe das Gefühl, dass selbst der Bundeskanzler nicht weiß, dass Cuxhaven der zweitgrößte Offshore-Umschlaghafen in Europa ist." Schneider will nun seinerseits für den Liegeplatz-Bau trommeln.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Kai Koppe
Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kkoppe@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Elbvertiefung

Flusstiefe reicht nicht aus: Notfahrpläne für große Schiffe auf der Elbe

von Redaktion

KREIS CUXHAVEN. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat eingeräumt, dass die vorgesehene Flusstiefe auf der Elbe nicht gewährleistet werden kann, sich die Schlickprobleme verschärft haben und die gebaggerten Böschungen unter Wasser immer wieder einbrechen.

Elbvertiefung

Cuxhavener Schifffahrtsexperte empört: "Havarierisiko ist unverantwortlich"

von Ulrich Rohde

KREIS CUXHAVEN. Ein Schifffahrtsexperte aus Cuxhaven kritisiert: Unrealistische Vorgaben in der Planfeststellung für die Elbvertiefung führen zu enormen Problemen.

Kostet Hunderte Millionen

Wann startet Hafenausbau in Stade: N-Ports gibt klare Aussage

STADE. Wann geht es mit dem 200 Millionen Euro teuren Ausbau des Stader Seehafens weiter? Die Frage trieb viele Insider um. Bis jetzt. Auf Nachfrage gab es von Hafenbetreiber N-Ports eine klare Aussage, die die Stader freuen wird.

Energiewende

Cuxhaven spielt entscheidende Rolle bei geplanter Errichtung riesiger Offshore-Parks

von Ulrich Rohde

KREIS CUXHAVEN. Die Energiekrise lässt derzeit die Bundesministerien rotieren. Insbesondere das Wirtschaftsministerium ist hier gefragt - und auch sein Parlamentarischer Staatssekretär Stefan Wenzel (Grüne). Er gewährt einen Einblick in die Pläne.