M. D. Sarwar Akbar und Dr. Ulrike Neu wollen als Hausarzt und Hausärztin noch geraume Zeit weitermachen und ermutigen junge Kolleginnen und Kollegen, sich mit dem Thema Niederlassung auf dem Land ernsthaft zu beschäftigen. Foto: Reese-Winne
M. D. Sarwar Akbar und Dr. Ulrike Neu wollen als Hausarzt und Hausärztin noch geraume Zeit weitermachen und ermutigen junge Kolleginnen und Kollegen, sich mit dem Thema Niederlassung auf dem Land ernsthaft zu beschäftigen. Foto: Reese-Winne
Medizin

Cuxhaven: Gerüchte über Praxisschließungen verunsichern  

von Maren Reese-Winne | 12.02.2020

CUXHAVEN/ALTENWALDE. M. D. Sarwar Akbar und Dr. Ulrike Neu sind gerne Hausarzt und Hausärztin. Sie beabsichtigten nicht, dies in näherer Zukunft aufzugeben, versichern sie.

Gerade vor wenigen Tagen wurde bei einer SPD-Veranstaltung im Rathaus in der Bürgerhalle eine Lanze für den Hausarztberuf abseits der Großstädte gebrochen. Sarwar Akbar und Ulrike Neu können da nur einstimmen. Zu der Liste derjenigen, die baldige Praxisschließung bereits angekündigt hätten, gehörten sie jedenfalls nicht, betonen beide.

Und doch wurde der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Sarwar Akbar in seiner Praxis im City-Center Cuxhaven in jüngster Zeit immer wieder - manchmal fünf- bis sechsmal am Tag - persönlich angesprochen, ob es denn wahr sei, dass er sich bald zurückziehe. Als dann auch noch die Praxismitarbeiterinnen, zum Teil sogar beim Einkaufen, darauf angesprochen wurden, wann man sich denn seine Unterlagen abholen solle, fiel die Entscheidung, etwas zu tun: In einer Anzeige in den Cuxhavener Nachrichten gab er bekannt, dass er mitnichten beabsichtige, die Praxis aufzugeben.

Diese Anzeige sah auch Ulrike Neu und ihr fielen Parallelen auf. Denn auch bei ihr am Empfang waren - für die Angestellten völlig unerwartet - Patientinnen und Patienten, auch noch mit Geschenken, aufgetaucht, um sich zu verabschieden. "Ich bin zum Teil mit diesen Leuten in Altenwalde groß geworden. Sie konnten mir nicht sagen, woher sie die Informationen hatten." Sie jedenfalls habe noch etliche Jahre bis zu ihrer Rente mit 67 Jahren vor sich, verrät sie.

"Ängste erzeugt"

Dennoch besorgt es sie, dass mit Gerüchten Ängste und Unsicherheit erzeugt würden. Sarwar Akbar: "Ich kenne manche Patienten seit über 20 Jahren, über Generationen hinweg sogar. Ich würde doch nie meine Patienten oder mein Praxisteam im Stich lassen, ohne dies rechtzeitig zu sagen. Es tut mir weh, wenn ich sehe, wie panisch nun manche nachfragen."

Auch, wenn mehrere Ärzte und Ärztinnen ihren baldigen Rückzug angekündigt hätten - es arbeiteten auch viele Kolleginnen und Kollegen über das Alter von 67 Jahren hinaus, betont  Ulrike Neu. Dies hatte auch der Vorsitzende der Kassenärztliche Vereinigung Stade Dr. Stephan Brune bei der jüngsten Veranstaltung betont. Wie schwer es ist, Nachwuchs zu finden, wissen auch Sarwar Akbar und Ulrike Neu. Sie wünschten sich, dass neben Berichten über hohen Arbeitsanfall und mangelnde Vergütung auch mal positive Argumente an die Öffentlichkeit gelängten: "Der Hausarztberuf ist ein toller Beruf - ich weiß auch, wie die Arbeitsbedingungen in der Klinik aussehen", sagt die Altenwalder Fachärztin für Allgemeinmedizin. "Der Beruf ist vielseitig, leben können wir alle davon." Die neue Notdienstregelung habe deutliche Verbesserungen gebracht. Die Selbstständigkeit berge Chancen und Freiräume. Nicht zuletzt: Die Kassenärztliche Vereinigung fördere heutzutage die Niederlassung mit erheblichen finanziellen Mitteln.

Sarwar Akbar: "Ich empfinde die Arbeit nie als zuviel. Wir helfen den Menschen, sie aber auch uns. Wir treffen den Querschnitt der Bevölkerung, vom Kind bis zum Greis." Ihn treffe es, dass die Allgemeinmedizin ein Stiefkind in der Ausbildung sei.

Darüber hinaus wirbt der Arzt mit afghanischen Wurzeln und "Großstadterfahrung" für Vorteile "seiner" Stadt Cuxhaven: "Die Ruhe, kurze Wege, die gute Luft, die Vielfältigkeit des Angebots. Kinder kann man hier gut großkriegen. Und trotzdem fehlt das Interesse."

Die Landarztquote sieht Ulrike Neu nicht als Instrument, um diese Einstellung zu ändern: Sie fürchte, nachdem sie dieses Modell in anderen Ländern verfolgt habe, dass die meisten versuchen könnten, aus der rechtlichen Verpflichtung wieder herauszukommen. "Und der Effekt wäre erst in den nächsten zehn, 15 Jahren zu sehen. Viel wichtiger wäre es, das Arbeitsbild und das Leben so positiv darzustellen, wie es ist."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Gesundheit

Neue Gruppe in Otterndorf: Selbsthilfe für Krebspatienten im Kreis Cuxhaven

von Wiebke Kramp

KREIS CUXHAVEN. Christiane Steffens (65) aus Otterndorf möchte Krebspatienten Mut machen. Ihnen soll der Rücken gestärkt werden, sich gegenseitig zu stützen und Austausch zu pflegen.

Am 12. November ist es soweit

Musicalsongs im Programm der Cuxhavener Sportgala

von Herwig V. Witthohn

CUXHAVEN. Sport und Kultur vereint - dass dies passt haben die Besucherinnen und Besucher der Cuxhavener Sportgala schön öfter erkennen können. Und auch bei der Gala am 12. November, 19 Uhr wird es wunderbare Songs zu hören geben.

Erstaufnahme-Einrichtungen

Wird die Kaserne in Cuxhaven eine Sammelunterkunft für Geflüchtete?

CUXHAVEN. Angesichts der steigenden Zahl an Schutzsuchenden in Niedersachsen will das Land weitere Sammelunterkünfte schaffen.

Mittelfinger gezeigt?

Nach umstrittener Geste: Verfahren gegen Cuxhavener Politiker Wegener eingestellt

von Kai Koppe

CUXHAVEN. Ein mutmaßlicher "Stinkefinger" gegen einen Querdenker-Aufzug hat für den Cuxhavener SPD-Politiker Gunnar Wegener kein gerichtliches Nachspiel.