Rüdiger Kurmann an einem seiner "Lieblingsplätze" in Cuxhaven, dem Zenneck-Denkmal unweit der Kugelbake: "Man blickt auf die Elbe, die Nordsee und das Wattenmeer. Und selbst an heißen Sommertagen weht hier immer ein leichter Wind." Foto: Koppe
Rüdiger Kurmann an einem seiner "Lieblingsplätze" in Cuxhaven, dem Zenneck-Denkmal unweit der Kugelbake: "Man blickt auf die Elbe, die Nordsee und das Wattenmeer. Und selbst an heißen Sommertagen weht hier immer ein leichter Wind." Foto: Koppe
Große Pläne

Cuxhaven: Kurmann von "Die Cuxhavener" will in den Bundestag

von Kai Koppe | 13.09.2020

CUXHAVEN. Ein Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft "Die Cuxhavener" will sich bei der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag aufstellen lassen.

Das Jahr 2021 wird spannend. Die Kommunalwahl, "ja, klar", bestätigt Rüdiger Kurmann im Gespräch mit CN/NEZ-Redakteur Kai Koppe. Und dann rückt der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft "Die Cuxhavener" mit der Sprache heraus: Bei der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag möchte er ebenfalls seinen Hut in den Ring werfen und sich vor Ort für die Freien Wähler um ein Direktmandat bewerben. Wie Wahlkampf geht, hat er schon vor Jahrzehnten gelernt.

Sie sind vor ein paar Tagen 66 geworden. Andere genießen in diesem Alter ihren Ruhestand. Sie allerdings überraschen mit der Nachricht, 2021 für den Bundestag kandidieren zu wollen. Fängt für Sie - frei nach Udo Jürgens - das Leben jetzt erst so richtig an?

Nächstes Jahr im September werden am selben Tag nicht nur die Bundestagswahl, sondern hier in Niedersachsen auch die Kommunalwahlen stattfinden. Das ist eigentlich nicht gut für die Kommunalwahlen. Deshalb macht es Sinn die Wahlkämpfe noch stärker auf Personen zu beziehen. Und die 25 Prozent der Stimmen, die ich vor neun Jahren bei der OB-Wahl in Cuxhaven bekommen habe, sind ein starker Anreiz.

Das klingt, als ginge es Ihnen darum, Ihrer Wählergruppe durch eine Bundestagskandidatur auf kommunaler Ebene zusätzlichen Schub zu verleihen.

Wenn sich diese Kandidatur positiv auf das Kommunalwahlergebnis der "Cuxhavener" auswirkt, bin ich natürlich der letzte, der das nicht begrüßen würde. Trotzdem ist das nicht der Hauptgrund.

Mag sein, dass Sie bei der Ratswahl immer wieder ein respektables persönliches Wahlergebnis erreicht haben. Aber ist so eine Bundestagswahl nicht eine andere Hausnummer?

Auf die persönlichen Stimmen bin ich stolz. Das war bereits vor 30 Jahren so, als ich zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt wurde. Das mit der "Hausnummer" stimmt natürlich. Ich kandidiere für die Freien Wähler. Die sind im Aufwind, seitdem sie in Bayern an der Landesregierung beteiligt sind. Ob es bundesweit dazu reicht, die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen, ist aber eher fraglich. Deshalb wollen die Freien Wähler versuchen, mindestens drei Direktmandate zu bekommen, um in den Bundestag einzuziehen. Was die Wähler im Cuxland angeht: Die könnten es ja mal mit einem erfahrenen Kommunalpolitker versuchen.

Aber Bundespolitik oder Kommunalpolitik, das sind trotzdem zwei verschiedene Paar Schuhe.

Nicht unbedingt, Politik funktioniert auf allen Ebenen ähnlich. Parteien stellen Forderungen auf und am Ende gibt es zähe Kompromisse. Der Wähler ist oft nicht zufrieden, weil seine Bedürfnisse nur unzureichend berücksichtigt werden. Das ist auch in Cuxhaven und im Cuxland so.

Inwiefern?

In Cuxhaven wird viel gebaut. Es fehlen aber bezahlbare Wohnungen sowohl für junge Familien, insbesondere aber für ältere Menschen mit einem geringen Einkommen. Und davon gibt es in der an den Bevölkerungsdaten gemessen "ältesten Stadt Niedersachsens" ja besonders viele. Oder das endlose Gezerre um die Elbvertiefung und deren Folgen. Die Containerschiffe werden weniger und bei uns wird wie verrückt gebuddelt. Das verstehen die Menschen hier nicht. Auch das Gerangel um die Entwicklung des Alten Fischereihafen, 80 Prozent der Cuxhavener wollen die Entwicklung, aber weil es hier, wie auf Bundesebene, eine große Koalition gibt, verläuft alles zäh und dauert schier endlos. Darüber hinaus wird in Cuxhaven zu viel geredet und zu wenig getan. Es ist doch fast absurd, dass in der Stadt mit der intensivsten Sonneneinstrahlung in ganz Deutschland nur auf einem städtischen Dach eine Photovoltaikanlage installiert ist. Auch das dürfte daran liegen, dass Bundespolitik und Kommunalpolitik sehr ähnlich sind und die Lobbyisten zu viel Einfluss haben.

Haben Sie denn eine Lösung parat, mit der sich das ändern ließe?

Also, in einer Stadt so groß wie Cuxhaven benötigt man eigentlich keine Parteien. Im Stadtrat gibt es viel Sachverstand für die verschiedensten Lebensbereiche. Wir haben Selbstständige, Feuerwehrleute, Landwirte, Touristiker, Lehrer, Erzieher, usw. im Rat. Es wäre so einfach sich zusammenzusetzen und mit diesem Sachverstand die Ziele Cuxhavens für die nächsten zehn Jahre zu formulieren. Unserem OB würde das gefallen und den Bürgerinnen und Bürgern auch.

Solange sie den sogenannten Experten tatsächlich vertrauen... Nehmen wir mal an, das wäre nicht mehr der Fall - dann gäbe es ohne Parteien oder Wählergemeinschaften kaum eine Möglichkeit, auf die Ratspolitik Einfluss zu nehmen. Es gäbe - anders ausgedrückt - kein Korrektiv mehr, obwohl "Die Cuxhavener" ja genau darin einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Daseinsberechtigung sehen.

Das habe ich auch ein wenig provokativ gemeint, Das ist, sagen wir mal, ein frommer Wunsch. Ich bin ja selbst mit Parteipolitik angefangen. Eigentlich bin ich ein christlicher und ein sozialer Demokrat, ohne dass ich zu einer der beiden Parteien tendieren würde. Auf die kommunale Ebene bezogen sehe ich Wählergemeinschaften, die es in einer Stadt gibt, gewissermaßen als das Ideal an.

Der Bürger Rüdiger Kurmann tritt in Cuxhaven nicht nur als Rats- oder Kreistagsabgeordneter, sondern auch auf anderen Ebenen in Erscheinung. Das sind wir wieder bei den 66 Jahren. Und bei der Frage: Wird Ihnen nicht manchmal alles zu viel?

An manchen Tagen ist das schon viel. Vor zehn Monaten habe ich den Vorsitz des Kinderhospiz-Vereins übernommen. Anfänglich hat das sehr viel Zeit gekostet. Aber jetzt läuft es wirklich rund. Das liegt an dem guten Team aus Vorstand und Mitarbeitern. Trotz Corona erweitern wir sogar unsere Tätigkeiten für die Kinder. So gibt es im Oktober erstmalig eine Ferienbetreuung für Kinder aus der "Schule am Meer." Aber Sie spielen wahrscheinlich auf meine Sicherheitsfirma an. Wir sind viel am Strand unterwegs mit unterschiedlichen Aufträgen. Aber das macht Spaß. Und ob man es glaubt oder nicht, besonders die Cuxhavener Bürger begrüßen die Kontrollgänge.

Wie viel Zeit bleibt da noch für Privates?

Meine Frau schüttelt manchmal den Kopf, aber sie unterstützt mich sehr. Dann gibt es noch einen Hund, ein Haus und natürlich Kinder und Enkelkind. Auf jeden Fall bin ich abends immer müde.

Davon ist bei Udo Jürgens, soviel ich mich erinnere, aber nicht die Rede. Auf dessen berühmte Liedzeile müssen wir zum Schluss noch einmal zurückkommen. Haben Sie denn überhaupt etwas für Schlager übrig?

Also, mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert. In meinem Alter hat man schließlich auch die verschiedensten Musikstile miterlebt. Was Udo Jürgens angeht - bei dem mag ich insbesondere die Texte. Es geht aber nichts über die "Toten Hosen", wenn man sie live hört. Vielleicht klappt das mal wieder bei "Deichbrand".

Zur Person Kurmann

Rüdiger Kurmann ist Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft "Die Cuxhavener" im örtlichen Rat und hält ein Mandat für die Freien Wähler im Kreis. Seine politische Laufbahn begann der Kriminalhauptkommissar a. D. vor 30 Jahren - als Ratsherr der CDU, die er verließ, bevor er - nach Intermezzo bei der STATT-Partei - 2001 die "Cuxhavener" mitgründete.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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