Cuxhaven: Nautiker steuert auf Traditionskurs
CUXHAVEN. Beruflich steht Nils Karsten dort, wo viele seiner Kollegen gerne ständen: als Zweiter Offizier auf der Brücke eines Traumschiffes, derzeit auf der "Mein Schiff 5" der Reederei TUI-Cruises.
Statt paradiesische Buchten anzusteuern, liegt das Schiff derzeit in der Deutschen Bucht vor Anker, ebenso wie die anderen sechs der insgesamt sieben Kreuzfahrer umfassenden Flotte. Wann der Anker wieder gelichtet wird und wohin es dann geht, weiß Karsten noch nicht. "Corona hat alles durcheinandergebracht. Wir warten auf Order", sagt der junge Mann. Seine Freizeit verbringt der 25-jährige gebürtige Nordrhein-Westfale auch auf einem Schiff, seinem persönlichen Traumschiff, der "Elbe 1".
Seit 2008 an Bord
Das erste Mal an Bord war er 2008, als seine Eltern ihn eingeladen hatten, auf dem Feuerschiff seinen 13. Geburtstag zu feiern. Erste Kontakte zur ehrenamtlichen Besatzung entwickelten sich dann im Rahmen des Nautikstudiums an der Jadehochschule in Elsfleth. Während seine Kommilitonen ausschließlich auf dem Schulschiff "Großherzogin Elisabeth" seemännische Praxis sammelten, schaute Karsten auch in Cuxhaven auf dem Feuerschiff vorbei und fragte bei seinem Amateurfunkerfreund Uwe Wensauer und dem Vorsitzenden Hermann Lohse, ob er einmal mitfahren könne. 2014 war er dann das erste Mal Teil der Besatzung. Die Fahrt ging zur Bauwerft Meyer in Papenburg. "Seitdem haben die mich an der Backe", frotzelt der junge Nautiker, der inzwischen nicht mehr nur die Klos Saubermachen und Rost klopfen muss, sondern als Steuermann auf der Brücke eingesetzt wird.
Reiseplanung und die Sicherheit auf Museumsschiff
Und nicht nur das. Inzwischen ist Karsten auch verantwortlich für die Reiseplanung und die Sicherheit auf dem Museumsschiff. Leider kann er in diesem Sommer nicht dabei sein, wenn die "Bürgermeister O‘swald" Anfang August die Ostseehäfen Kiel, Saßnitz, Wismar und Lübeck ansteuern wird. Der ursprüngliche Reiseplan sah Malmö als Zielhafen vor, doch die Coronabeschränkungen hätten eine Umplanung notwendig gemacht, sagt Karsten. Als Wohnort hat sich der Seemann Scharbeutz ausgesucht. Wenn es die zeit erlaubt, kommt auch seine Freundin Nele mit bei den Touren auf dem Feuerschiff. Warum er sich dort ehrenamtlich engagiert?
Wind, Wellen, Tide
"Mich interessieren die klassische Seefahrt, die Seemannschaft und die Geschichte des Schiffes. Das ist etwas ganz anderes als auf einem großen Kreuzfahrer mit geschlossener Brücke". Wind, Wellen, die Tide. Auf dem Feuerschiff bekomme man ein Gefühl für das Meer. Die Manöver seien viel direkter. Das alles habe einen ganz eigenen Reiz, der ihn schließlich im Jugendalter dazu bewogen hatte, zur See zu fahren.
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