Anlässlich der Inbetriebnahme des Tanklagers am Lübbertkai freuten sich die Geschäftsführer Peter Plambeck (2.v.l.) und seine Söhne Maik (M.) und Marco (r.) mit Derek Mösche (Öffentlichkeitsarbeit) und Dirk Kowalczyk (l., Projektleitung) über die erfolgreiche Zusammenarbeit. Foto: Sassen
Öl

Cuxhaven: Schlüsselfunktion für "Mittelplate"

von Thomas Sassen | 24.06.2019

CUXHAVEN. Um an das schwarze Gold unter dem schleswig-holsteinischen Wattenmeer heranzukommen, treibt der Konzern Wintershall Dea einen riesigen finanziellen und logistischen Aufwand.

Eine Schlüsselrolle für den sicheren Betrieb der Ölbohrinsel Mittelplate spielt das Cuxhavener Unternehmen Peter Plambeck Umweltservice mit einem neuen Tanklager am Lübbertkai und einer hochmodernen Bohrschlammaufbereitungsanlage am Firmensitz in der Humphry-Davy-Straße. Eine zehn Millionen-Investition, deren Betriebsstart am Freitag mit einem Empfang in den Hapag-Hallen gefeiert wurde.

Von der anfänglichen Kritik am Bau des Tanklagers war nur noch am Rande die Rede. Stattdessen unterstrichen Oberbürgermeister Ulrich Getsch, der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann und Unternehmensvertreter die wichtige Rolle Cuxhavens als Logistikdrehscheibe für die Ölförderung auf der Mittelplate. Ohne die gute Zusammenarbeit mit den Dienstleistern vor Ort wäre der 32-jährige erfolgreiche Betrieb der Bohr- und Förderplattform nicht möglich gewesen, sagte Derek Mösche, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Wintershall Dea, dem größten unabhängigen Öl- und Gasproduzenten Europas.

35 Millionen Tonnen gefördert

Innerhalb Deutschlands seien die Vorkommen vor Cuxhaven mit bisher 35 Millionen Tonnen geförderten Rohöls die ergiebigsten. Und sie würden noch für zwei Jahrzehnte reichen. Bis ins Jahr 2041 hat sich der Konzern die Förderrechte gesichert. Wenn die Rahmenbedingungen es hergeben, soll so lange auch die Aufbereitungsanlage für Bohrschlämme und Abwasser von der Mittelplate in Cuxhaven betrieben werden. Aus technischer Sicht setze die Anlage Maßstäbe. "Hier werden die weltweit besten Technologien zur Aufbereitung von Bohrklein (Ölcuttings) eingesetzt", betonte Projektleiter Dirk Kowalczyk während einer anschließenden Betriebsführung.

Senior Peter Plambeck und Enak Ferlemann erinnerten in ihren Grußworten an die Anfänge der Firma im Jahre 1948 und den Beginn der Zusammenarbeit der Firma Peter Plambeck Containerdienste mit dem weltweit operierenden Öl- und Gaskonzern vor zwölf Jahren. Dass das Familienunternehmen sogar große Konzerne im Rennen um das lukrative Entsorgungsgeschäft ausstechen konnte, sei der Zuverlässigkeit und der Innovationsfreude des Mittelständlers zu verdanken, sagte Kowalczyk.

Größten Wert legen die Betreiber darauf, dass kein Tropfen Öl von der Bohrinsel in den Wattenmeer-Nationalpark gelangt. Selbst das Regenwasser wird in Tanks aufgefangen und zur Entsorgung an Land gebracht. Noch wichtiger ist die Wiederaufbereitung des Materials, das beim Bohren neuer Löcher im Gestein entsteht. Das Bohrgut besteht nicht nur aus Steinen, Sand und Ton, sondern ist auch mit einer ölhaltigen Bohrspülung versetzt, die für die Schmierung und Stabilisierung im Bohrloch benötigt wird. Diese Bohrspülung hat nichts mit dem schwarzen Erdöl zu tun, das in 2000 bis 3000 Meter tiefen Sandsteinschichten von zehn Meter Mächtigkeit an die Oberfläche gepumpt wird. Vielmehr handelt es sich um ein dieselähnliches Basisöl, allerdings ohne giftige aromatische Kohlenwasserstoffe.

Täglich 50 Tonnen Bohrklein

50 Tonnen Bohrschlamm fallen täglich an, die mit flach gehenden Bohrinselversorgern zweimal täglich zum Tanklager am Lübbertkai transportiert werden. Die Aufbereitung erfolgt anschließend in einem technisch aufwendigen Verfahren in einer neu aufgebauten Recyclinganlage mit einer Kapazität von 5000 Tonnen an der Humphry-Davy-Straße. Heraus kommen ein gereinigtes Bohröl, das erneut auf der Mittelplate zum Bohren eingesetzt wird und eine unbedenkliche Gesteinsmischung, die beispielsweise im Straßenbau Verwendung findet.

Die Gäste, darunter zahlreiche Wirtschafts- und Firmenvertreter, erfuhren eine Menge weiterer interessanter Details über das Bohren nach Öl. Zum Beispiel, dass auf der Mittelplate bisher 30 Bohrungen in die Tiefe getrieben wurden, was jedes Mal sechs bis zwölf Monate dauern kann.

Außerdem: von der Insel aus wird man in Kürze bis zu 9500 Meter in südliche Richtung bohren können. Alles, um das nach Meinung der Branche noch lange benötigte Rohöl zu fördern. Öl sei die Basis für unzählige Produkte des täglichen Lebens. Es fände sich zum Beispiel in Kosmetika, Arzneien, Farben und Kunststoffen aller Art.

Immer tiefer, immer weiter:

Etwa 30 Bohrlöcher wurden in den vergangenen 32 Jahren von der Bohrinsel Mittelplate bis zu 3000 Meter in die Tiefe gebracht. Um an die Lagerstätten zu gelangen, wird in einem immer größeren Umkreis von der Insel gebohrt. Zunächst waren es zwei, heute sind es sechs Kilometer. Eine erfolgreiche Bohrung kann bis zu einem Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Über eine sieben Kilometer lange Pipeline wird das Öl nach Friedrichskoog gepumpt.

Thomas Sassen

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tsassen@no-spamcuxonline.de

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