Zieht die Gorch-Fock-Schule Cuxhaven in einen Neubau neben dem Tennisclub?
CUXHAVEN. Eltern und Lehrkräfte sehen endlich einen Hoffnungsschimmer: Die Gorch-Fock-Schule Cuxhaven könnte in einen Neubau neben dem Tennisclub ziehen.
Die Rückkehr der Gorch-Fock-Schule in die frühere Kiautschou-Kaserne scheint endgültig vom Tisch. Nun soll mit einem Neubau eine nachhaltige Lösung geschaffen werden. Die Pläne lassen Eltern und Lehrkräfte erstmals seit Jahren Hoffnung schöpfen. Als neues Schulgrundstück ist eine Fläche hinter dem Kreishaus ins Auge gefasst worden.
Die Stadt habe sich nun lange genug an einer Machbarkeitsstudie für das ehemalige Schulgebäude abgearbeitet, befand Dezernatsleiterin Petra Wüst, die in der vergangenen Woche die Schulvorstände der Gorch-Fock-Schule und der Bleickenschule sowie die Vorsitzende des Stadtelternrats Claudia Meyer über den neuesten Stand informierte.
Nun liegen alle Hoffnungen auf einem Neubau. Ins Auge gefasst ist dafür ein städtisches Grundstück hinter dem Kreishaus in der Vincent-Lübeck-Straße 3 - inbegriffen ein Teil der Flächen, die dem Tennisclub Cuxhaven bis 2085 per Erbpacht zur Nutzung überlassen worden sind. Das Grundstück ist über die Haydnstraße und die Vincent-Lübeck-Straße sowie den Fuß- und Radweg am Claus-Oellerich-Weg bestens angebunden.
Immer höchste Schülerzahlen
Geplant werden soll eine vierzügige Grundschule. Die Prognosen gäben das her, so die Schulbehörde. Seit Jahren würden für das Einzugsgebiet der Gorch-Fock-Schule die höchsten Schülerzahlen prognostiziert. Zurzeit würden aber viele Kinder aus dem Einzugsgebiet in benachbarte Schulen geschickt.
Die Stadt rechnet damit, dass die Anträge auf Ausnahmegenehmigungen stark zurückgehen, wenn eine Lösung für die Raumprobleme in Sicht ist und erst recht, wenn neu gebaut wird. Die Schulbezirksgrenzen würden mit der Verlegung des Standorts ohnehin neu zugeschnitten, kündigte Petra Wüst an. Das sei auch notwendig, um die stark frequentierte Abendrothschule zu entlasten.
Der Neubau müsse natürlich den Anforderungen des Ganztagsbetriebs und der Inklusion genügen. Da Kinder mit Förderbedarf doppelt gezählt werden, wird häufig die Teilung einer Klasse erforderlich Zudem erfordert differenzierter Unterricht Rückzugsmöglichkeiten.
Endlich ein Hoffnungsschimmer, endlich ein gangbarer Weg, befanden einhellig die Schulleiterinnen Katja Arnold (Gorch-Fock-Schule) und Clarissa Schröer (Bleickenschule). "Ein richtig toller Vorschlag; ich hoffe, dass sich die Politik das auch vorstellen kann", so Katja Arnold.
Die Anwesenden interessierte aber auch brennend, was das Ganze kosten wird und wie es finanziert werden soll. Vor allem aber, wann mit einem Einzug zu rechnen sei.
Schon Planung dauert Jahre
Schnell wird's nicht gehen, warnte Petra Wüst vor: Änderungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen könnten leicht zwei Jahre dauern, weitere zwei Jahre nehme mindestens die Bauleitplanung in Anspruch - alles vor dem ersten Spatenstich. Gefasst nahmen es die Schulvertreterinnen und -vertreter auf: "Es hilft schon, eine Perspektive zu haben", so Clarissa Schröer. Beide Schulleiterinnen bedankten sich bei der Verwaltung für die intensiven Bemühungen in der Sommer- und Ferienzeit.
Kreis soll finanziell vorlegen
Stadt und Landkreis ringen seit geraumer Zeit um eine Lösung. Die Raumnot belastet und hat durch die Anmietung der Module und die Herrichtung der alten Realschule schon viel Geld gekostet. So überrascht das von der Stadt in die Diskussion gebrachte Finanzierungsmodell nicht: Sie erwartet ein erhebliches Engagement des Landkreises.
Ein Auszug der Bleickenschule aus dem angestammten Gebäude in der Rathausstraße in einen Hauptschulneubau würde den Kreis teuer kommen; die Baukosten für eine Hauptschule ohne Turnhalle werden auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Die Grundschule hingegen könne für rund 19,6 Millionen Euro (inklusive Sporthalle) errichtet werden.
Daher schwebt der Stadt vor, dass der Landkreis das Bleickenschul-Gebäude zu einem Preis erwirbt, der ihr den Bau der Gorch-Fock-Schule auf der grünen Wese ermöglicht. Dass hierüber bereits vorverhandelt worden ist, bevor die Stadtverwaltung die dementsprechende Vorlage geschrieben hat, ist zu erwarten. "Wir wollen ja alle die Probleme lösen", sagte Petra Wüst gegenüber den noch zweifelnden Schulvertretern.
Mittwoch im Schulausschuss
Am morgigen Mittwoch soll im städtischen Schulausschuss (16 Uhr, Rathaus, Cuxhaven-Saal) öffentlich über diese Vorlage beraten werden; mit dem Ziel, dass die Stadtverwaltung noch in dieser Legislaturperiode eine Detailprüfung für den neuen Standort vornimmt. Diese solle, so kündigte Petra Wüst an, idealerweise schon im Herbst abgeschlossen sein.
Zu den Verhandlungspartnern der Stadt wird neben der Landkreis-Verwaltung dann auch der TC Cuxhaven gehören. Aus seinem Erbbaurechtsvertrag müsste eine Teilfläche von 6000 Quadratmetern herausgelöst werden, damit die Planung umgesetzt werden kann. Außerdem steht der Vorschlag im Raum, eine Hälfte der vorhandenen Zweifeld-Tennishalle so umzubauen, dass dort Schulsport betrieben werden könnte.
Die Ausgangslage
Seit das Gebäude der Gorch-Fock-Schule verkauft wurde und die Grundschule 2013 mit in das Gebäude der Bleickenschule einziehen musste, ist es eng für beide.
Über 500 Schülerinnen und Schüler haben kaum Platz, und das, obwohl Schultrakte ausgebaut, eine Container-Mensa errichtet, Schulklassen in Module ausgelagert wurden und drei Bleickenschul-Klassen in das alte Realschulgebäude verlagert worden sind.
Zwischenzeitlich (2015) ist außerdem die Bleickenschule in die Trägerschaft des Landkreises übergangen, wobei das Gebäude noch der Stadt gehört.