Cuxhavener "Anton Dohrn": Für die Fischereiforschung
CUXHAVEN. Werner Jakobeit legt umfangreiche Arbeit über die Geschichte des Fischereiforschungsschiffes "Anton Dohrn" vor. Das Schiff fuhr über 600 000 Seemeilen.
1955 auf der Cuxhavener Mützelfeldtwerft gebaut, steht das Schiff für den Beginn der modernen Fischereiforschung in Deutschland.
Die Miniatur des Fischereiforschungsschiffes "Anton Dohrn" ist eines der schönsten Modellschiffe im Bestand des heutigen Museums "Windstärke 10". Nach Fertigstellung des großen Vorbildes ließ es die Cuxhavener Mützelfeldtwerft als Geschenk für den Auftraggeber anfertigen, die damalige Bundesforschungsanstalt für Fischerei, die dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstellt war. Die Taufe und Indienststellung des Neubaus am 3. März 1955 kennzeichnete einen großen Tag für den Fischereistandort Cuxhaven.
Ehrengast an Bord war bei der ersten Ausfahrt auf der Elbe der damalige Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss. 17 Jahre sollte die "Anton Dohrn" von 1955 bis 1973 als Fischereiforschungsschiff vor allem in den Gewässern des Nordatlantiks unterwegs sein und dabei über 600 000 Seemeilen zurücklegen.
Dem Cuxhavener Hobbyhistoriker Werner Jakobeit fiel vor einigen Monaten ein Fotoalbum in die Hände, das den Bau und die Indienststellung des Schiffes in wunderbaren Aufnahmen dokumentiert. Jakobeit, der sich im Vorstand des Fördervereins Schiffahrtsgeschichte um die Aufarbeitung der maritimen Geschichte Cuxhavens kümmert, erkannte den Schatz und verarbeitete die Fotos zu einer breit angelegten Dokumentation über die deutsche Fischereiforschung. Die "Anton Dohrn" steht dabei im Mittelpunkt der fast 100-seitigen Broschüre, die der Verein zum Selbstkostenpreis weitergibt.
Jakobeit geht in seiner Arbeit auch auf die historischen Wurzeln der Fischereiforschung in Deutschland ein, die bis in das Jahr 1870 zurückreichen. In diesem Jahr wurde in Kiel der "Deutsche Fischereiverein" gegründet mit dem Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für die Fischerei in Binnengewässern und im Meer zu erarbeiten. Daraus entstand 1894 der Deutsche Seefischerei Verein, der den preußischen Verwaltungsjuristen Walther Herwig später mit der Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen zur Gründung einer deutschen Hochseefischerei beauftragte. Der heutige Internationale Rat für Meeresforschung, kurz ICES, ging 1902 aus diesen Anfängen hervor und ist heute noch maßgeblich für die Festsetzung der Fangquoten im Nordatlantik.
Der 1840 in Stettin geborene Felix Anton Dohrn, der Namensgeber des ersten neu gebauten deutschen Fischereiforschungsschiffes nach dem Zweiten Weltkrieg, gilt als einer der großen Zoologen seiner Zeit. Nach seiner Habilitation an der Universität Jena zog er nach Neapel und gründete dort eine zoologische Station, zu der auch ein öffentliches Aquarium gehörte, mit dem er seine Forschungen finanzierte. Es ist noch heute eines der schönsten in Europa.
Der spätere erste Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss war so fasziniert von der Lebensleistung Anton Dohrns, dass er dem Zoologen eine Biografie widmete. Auf Betreiben von Theodor Heuss war es dann die Enkelin des Namensgebers, die den Taufakt am 16. August 1954 in Cuxhaven vollzog, verbunden mit einem Stapellauf, wie es damals noch üblich war.
Daten zum Schiff:
Baujahr 1954
Bauwerft: Mützelfeldtwerft
Auftraggeber: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten
Länge: 62,3 Meter
Breite: 10,2 Meter
Tiefgang: 2,40 Meter
Antrieb: Dreifach-Expansionsdampfmaschine mit 850 PS
Geschwindigkeit: 12 Knoten
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