Das einstige Fischereiforschungsschiff "Anton Dohrn" war nach der Form eines Seitenfängers konstruiert, hatte aber höhere Bordwände. Fotos: Sammlung Jakobeit
Das einstige Fischereiforschungsschiff "Anton Dohrn" war nach der Form eines Seitenfängers konstruiert, hatte aber höhere Bordwände. Fotos: Sammlung Jakobeit
Historie

Cuxhavener "Anton Dohrn": Für die Fischereiforschung

30.11.2018

CUXHAVEN. Werner Jakobeit legt umfangreiche Arbeit über die Geschichte des Fischereiforschungsschiffes "Anton Dohrn" vor. Das Schiff fuhr über 600 000 Seemeilen.

1955 auf der Cuxhavener Mützelfeldtwerft gebaut, steht das Schiff für den Beginn der modernen Fischereiforschung in Deutschland.

Die Miniatur des Fischereiforschungsschiffes "Anton Dohrn" ist eines der schönsten Modellschiffe im Bestand des heutigen Museums "Windstärke 10". Nach Fertigstellung des großen Vorbildes ließ es die Cuxhavener Mützelfeldtwerft als Geschenk für den Auftraggeber anfertigen, die damalige Bundesforschungsanstalt für Fischerei, die dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstellt war. Die Taufe und Indienststellung des Neubaus am 3. März 1955 kennzeichnete einen großen Tag für den Fischereistandort Cuxhaven.

Ehrengast an Bord war bei der ersten Ausfahrt auf der Elbe der damalige Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss. 17 Jahre sollte die "Anton Dohrn" von 1955 bis 1973 als Fischereiforschungsschiff vor allem in den Gewässern des Nordatlantiks unterwegs sein und dabei über 600 000 Seemeilen zurücklegen.

Dem Cuxhavener Hobbyhistoriker Werner Jakobeit fiel vor einigen Monaten ein Fotoalbum in die Hände, das den Bau und die Indienststellung des Schiffes in wunderbaren Aufnahmen dokumentiert. Jakobeit, der sich im Vorstand des Fördervereins Schiffahrtsgeschichte um die Aufarbeitung der maritimen Geschichte Cuxhavens kümmert, erkannte den Schatz und verarbeitete die Fotos zu einer breit angelegten Dokumentation über die deutsche Fischereiforschung. Die "Anton Dohrn" steht dabei im Mittelpunkt der fast 100-seitigen Broschüre, die der Verein zum Selbstkostenpreis weitergibt.

Jakobeit geht in seiner Arbeit auch auf die historischen Wurzeln der Fischereiforschung in Deutschland ein, die bis in das Jahr 1870 zurückreichen. In diesem Jahr wurde in Kiel der "Deutsche Fischereiverein" gegründet mit dem Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für die Fischerei in Binnengewässern und im Meer zu erarbeiten. Daraus entstand 1894 der Deutsche Seefischerei Verein, der den preußischen Verwaltungsjuristen Walther Herwig später mit der Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen zur Gründung einer deutschen Hochseefischerei beauftragte. Der heutige Internationale Rat für Meeresforschung, kurz ICES, ging 1902 aus diesen Anfängen hervor und ist heute noch maßgeblich für die Festsetzung der Fangquoten im Nordatlantik.

Der 1840 in Stettin geborene Felix Anton Dohrn, der Namensgeber des ersten neu gebauten deutschen Fischereiforschungsschiffes nach dem Zweiten Weltkrieg, gilt als einer der großen Zoologen seiner Zeit. Nach seiner Habilitation an der Universität Jena zog er nach Neapel und gründete dort eine zoologische Station, zu der auch ein öffentliches Aquarium gehörte, mit dem er seine Forschungen finanzierte. Es ist noch heute eines der schönsten in Europa.

Der spätere erste Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss war so fasziniert von der Lebensleistung Anton Dohrns, dass er dem Zoologen eine Biografie widmete. Auf Betreiben von Theodor Heuss war es dann die Enkelin des Namensgebers, die den Taufakt am 16. August 1954 in Cuxhaven vollzog, verbunden mit einem Stapellauf, wie es damals noch üblich war.

Die Veröffentlichung Jakobeits ist eine wahre Fundgrube für Freunde der Fischereigeschichte. Sie enthält einmalige Fotos vom Bau des Schiffes auf dem Helgen der Mützelfeldtwerft, die sich bis ins Jahr 1984 am Schleusenpriel befand, wo heute die City-Marina ihren Platz hat. Sogar eine Aufnahme von den Werftleuten, die das Schiff gebaut haben, ist in dem Bändchen enthalten, versehen mit den Namen der Beschäftigten. Im Anhang beschreibt der Autor die Arbeit der Wissenschaftler während der Reisen. Und schließlich gibt er sogar einen Ausblick in die Zukunft und stellt den Neubau vor, der das heutige Forschungsschiff "Walther Herwig III" 2020 ersetzen soll.

Daten zum Schiff:

Baujahr 1954

Bauwerft: Mützelfeldtwerft

Auftraggeber: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten

Länge: 62,3 Meter

Breite: 10,2 Meter

Tiefgang: 2,40 Meter

Antrieb: Dreifach-Expansionsdampfmaschine mit 850 PS

Geschwindigkeit: 12 Knoten

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Lesen Sie auch...
Elbvertiefung

Flusstiefe reicht nicht aus: Notfahrpläne für große Schiffe auf der Elbe

von Redaktion

KREIS CUXHAVEN. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat eingeräumt, dass die vorgesehene Flusstiefe auf der Elbe nicht gewährleistet werden kann, sich die Schlickprobleme verschärft haben und die gebaggerten Böschungen unter Wasser immer wieder einbrechen.

Elbvertiefung

Cuxhavener Schifffahrtsexperte empört: "Havarierisiko ist unverantwortlich"

von Ulrich Rohde

KREIS CUXHAVEN. Ein Schifffahrtsexperte aus Cuxhaven kritisiert: Unrealistische Vorgaben in der Planfeststellung für die Elbvertiefung führen zu enormen Problemen.

Kostet Hunderte Millionen

Wann startet Hafenausbau in Stade: N-Ports gibt klare Aussage

STADE. Wann geht es mit dem 200 Millionen Euro teuren Ausbau des Stader Seehafens weiter? Die Frage trieb viele Insider um. Bis jetzt. Auf Nachfrage gab es von Hafenbetreiber N-Ports eine klare Aussage, die die Stader freuen wird.

Energiewende

Cuxhaven spielt entscheidende Rolle bei geplanter Errichtung riesiger Offshore-Parks

von Ulrich Rohde

KREIS CUXHAVEN. Die Energiekrise lässt derzeit die Bundesministerien rotieren. Insbesondere das Wirtschaftsministerium ist hier gefragt - und auch sein Parlamentarischer Staatssekretär Stefan Wenzel (Grüne). Er gewährt einen Einblick in die Pläne.