Cuxhavener Schule am Meer endlich eine Lösung bieten
CUXHAVEN. Mit Kompromissen lebt die Schule am Meer seit Jahr und Tag. Doch die Geduld neigt sich dem Ende zu.
Karin Ladda-Winkler, Leiterin der Schule am Meer, empfindet jede Schulausschusssitzung des Kreises mittlerweise "als Hölle": Immer wieder neue Prüfaufträge, immer wieder Herauszögern, immer wieder Herumeiern, während Kinder und Lehrkräfte sich mit den abenteuerlichsten Behelfslösungen zufrieden geben müssen. "Das ist Leid, was Sie mit ihren Nicht-Entscheidungen verursachen", sagt sie in Richtung von Entscheidungsträgern und Verwaltung.
Mitgliedern des Rates und des Kreistags sowie den Landratskandidaten Kai-Uwe Bielefeld, amtierender Landrat, und Frank Berghorn sowie dem OB-Kandidaten Uwe Santjer dürften am Montag die Ohren geklingelt haben, als Eltern der Schule am Meer und eine Abordnung des Stadtelternrats die aktuelle Lage auseinander nahmen.
Das Treffen initiiert hatte der Stadtelternrat der Schulen, der sich mit dieser Aktion mit den Eltern der Schule am Meer solidarisierte: "Wenn Sie ein Kind in der Situation hätten, würden Sie sich überlegen, ob Sie es mit ruhigem Gefühl in diese Schule geben könnten", unterstrich Vorsitzende Claudia Meyer. "Wir erwarten, das jetzt umgehend ein Bauprojekt in Auftrag gegeben wird. Und wir werden in vier bis sechs Wochen wieder nachfragen."
Die Schule am Meer, Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, macht seit Jahren auf das Gedränge in Döse aufmerksam. Die mittlerweile in der Wichernschule (Grimmershörn-Kaserne) eingerichtete Außenstelle ist in keinster Weise auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingestellt. Eine Erweiterung in Döse ist bisher daran gescheitert, dass das benachbarte Grundstück noch nicht von der Stadt erworben werden konnte.
Bloß nicht ins Landgebiet
Seither wabern alle paar Monate wieder neue Vorschläge herum: Neubau hinter den BBS (verworfen aus naturschutzrechtlichen und Verkehrsanbindungs-Bedenken), Hermann-Allmers-Halle, Querkamp und die von den Betroffenen als besonders abwegig empfundene Idee einer Abschiebung irgendwo ins Landgebiet oder auch eine neue kleine Schule in Hemmoor - "wenn ich mir das vorstelle, dass mein Kind jetzt auch noch dorthin gebracht würde", kommentierte eine Mutter aus Otterndorf, "lassen Sie das fallen." Karin Ladda-Winker hätte sich gewünscht, dass vor all diesen Aufträgen auch mal die Schule mit ihren Fachleuten gehört worden wäre.
Ein Rundgang führte zunächst in Döse die Missstände vor Augen: Kein Computerraum, kein Textilraum, kein Erste-Hilfe-Raum, kein Besprechungsraum, obwohl die Schule Förderzentrum ist und beraten soll.
Wochenlanges Schleppen von Kindern bis in den zweiten Stock, wenn der Fahrstuhl ausfällt, ewig der Essenwagen auf dem Flur, ständiges Hin- und Herschieben von Mobiliar, Rollstühlen und Kindern in den Klassenräumen.
Im für 20 Lehrkräfte gebauten Lehrerzimmer sollen heute über 50 Beschäftigte unterkommen; bei Gesamtkonferenzen noch mehr. Konrektor Thomas Frauns behilft sich als Büro mit dem ehemaligen Kopierraum.
"Ich bekommen keine Antwort darauf, was ich mit neuen Anmeldungen, vor allem mit schwerst mehrfachbehinderten Kinder tun soll", so Karin Ladda-Winkler. Der Zuzug nach Cuxhaven sei enorm, was sich in der Schule bemerkbar mache. "Diese Leute wollen mit ihren Kindern in die Stadt ziehen." Auch kenne sie kein Kind, das unberechtigt an ihrer Schule sei, weil es etwa irgendwo anders im Schulsystem nicht mehr unterkomme: "Ich kann jeden Fall belegten."
Aber einfach zuzumachen - das sei keine Option: "Das könnten wir auf den Eltern, die schon so ein Leid tragen, nicht auch noch abladen." Eltern und Belegschaft hätten lange genug Kompromissbereitschaft gezeigt.
Das gilt auch ganz besonders für die Wichernschule, die als zweites besichtigt wurde. Eine Sporthalle, die bei Gewitter geräumt werden muss, nicht ein behindertengerechtes Spielgerät auf dem Schulhof (statt dessen Schlaglöcher), ein baufälliger Pavillon, abgenutzte Teppichböden, Klassenräume ohne Wasseranschluss oder gar Küchenzeilen, die eigentlich für den berufspraktischen Unterricht vorgeschrieben sind, hohe Schwellen, ein Pflegebad, in dem die Liege neben den Pissoirs steht - die Liste wollte schier kein Ende nehmen.
Und doch läuft alles darauf hinaus, dass eine (auf Kreisebene grundsätzlich bereits beschlossene) Ertüchtigung der Wichernschule der einzige Ausweg ist, um am schnellsten einen Effekt zu erzielen. "Wobei es mit dem Brandschutz nicht getan ist", stellte Schulausschussmitglied Ulla Bergen fest.
Döse-Pläne vorantreiben
Jede Woche ein neuer Prüfauftrag - das müsse aufhören, so Uwe Santjer. Es müsse auf die Erweiterung in Döse hinauslaufen. Bis dahin müsse die Wichernschule schnell verbessert werden. Eine Auffassung, die Kai-Uwe Bielefeld teilte: "Diese Zustände können wir auf Dauer niemandem mehr verkaufen." Warum diese Verbesserungen nicht längst passiert sind, ist den Beschäftigten schleierhaft. Christian Leuckhardt, Leiter der Wichernschule: "Man kriegt nicht mal Infos, warum nichts passiert." Es werde nicht deutlich, wer - Stadt oder Kreis - nun den "Hut aufhabe".
Nur aufwärts
Die Schule am Meer, konzipiert und gebaut für 48 Kinder, besuchen derzeit 103 Kinder, davon 27 in der Außenstelle in der Wichernschule und 78 in Döse. Nächstens Jahr werden es 108 sein. Dann müssen in der Wichernschule bereits vier (zurzeit drei) Klassen unterkommen. Die Förderschule benutzt außerdem bereits zwei Klassenräume der Döser Schule. 35 Kinder sprechen nicht, mehrere sind schwerst mehrfachbehindert.
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