Das "Schiethus" am Wremer Strand
WREMEN. "Teuerstes Schiethus Europas" wurde er von einem Bürger genannt. Aber so ein bisschen ist der Strandturm am Wremer Tief auch heute noch ein Wahrzeichen Wremens. Über die ungewöhnliche Geschichte des Gebäudes und wie es in Zukunft genutzt werden könnte, unterhielten sich jetzt knapp 30 Bürger vor Ort.
Der Wremer Verkehrsverein, die Kurverwaltung, die Männer vom Morgenstern und der Wremer Heimatkreis hatten zum letzten Herdfeuerabend der Vorsaison eingeladen. Dieser beliebte Klön- und Infoabend fand aber nicht wie üblich im Wremer Gästezentrum, sondern ausnahmsweise im Wremer Strandturm statt. Die Gäste waren positiv überrascht: Das behagliche Innere des Turmes gefiel ihnen, vor allem der atemberaubende Blick auf den Sonnenuntergang im Wattenmeer und den Bremerhavener Hafen ließ schnell allgemeine Feierabendstimmung aufkommen.
Wolf-Dieter Lutz ließ die Geschichte des Turmes aufleben: In einer Ratssitzung 1968 wurde der Bau des Strandturms beschlossen. Der Zweck des Gebäudes lag zunächst ausschließlich in der Notwenigkeit einer Toilettenanlage am Strand, denn der Wremer Tourismus begann zunehmend stärker zu werden.
Da es zu der Zeit bereits ein Investitionsprogramm der Bundesrepublik gab, verständigte sich der Rat auf ein seefestes Gebäude mit Ausblick auf das Wattenmeer, berichtete Lutz. Nur 80 000 D-Mark hätte die Gemeinde zuschießen müssen.
Gähnende Leere
Große Pläne gab es damals. "Der Strand sollte bis nach Imsum ausgedehnt werden und man plante sogar mehrere dieser Toilettentürme", erläuterte Lutz. Ein Pächter mietete die Räumlichkeiten und richtete ein Restaurant ein. "Doch schon bald gab es nur noch gähnende Leere", wusste Lutz zu berichten.
Zwei Punkte seien es damals gewesen, die einen wirtschaftlichen Erfolg des Turms verhinderten, erläuterte Günter Brill. Als Unterpächter konnte der Betreiber nichts anbieten, was der Strandhallenbetreiber nicht duldete, und außerdem mussten die Gäste erst einmal am Wremer Strand Eintritt zahlen.
"Ich kann mich noch gut an eine Ratssitzung hier im Turm erinnern", erzählte Astrid Wawrczeck. "Das Wasser stieg so schnell, dass keiner mehr wegkam", so die Wremerin. Ein Bauer wäre dann mit Trecker und Leiterwagen vorgefahren und hätte die Ratsmitglieder abgeholt. 1994 wurde dann die Vereinbarung mit dem Pächter gelöst und dem Wremer Verkehrsverein der Turm übertragen. Ein extra dafür gegründeter Förderverein renovierte die Räumlichkeiten und richtete eine gemütliche Teestube im friesischen Stil ein. "Aber auch der neue Pächter kam auf keinen grünen Zweig", so Lutz. Zwischenzeitlich hatte der Samtgemeinderat beschlossen, mit einer Rutsche rund um den Turm den Wremer Strand attraktiver für Tagesgäste zu gestalten. Für einen Festpreis von 1,09 Millionen Mark wurde die Rutsche gebaut und im Herbst 2002 eingeweiht. Aber auch das Rutschen-Projekt brachte keinen Erfolg für den Turm.
Mittlerweile gibt es Überlegungen, entweder die Rutsche zu sanieren oder ganz zu entfernen. "Es ist wunderschön hier oben, man sollte es unbedingt erhalten", forderte auch ein Wremer Dauercamper.
Von Beate Ulich
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