Der Neue im Kreishaus Cuxhaven: Dezernent tritt seine Stelle an
KREIS CUXHAVEN. Michael Take, neuer Dezernent des Landkreises Cuxhaven, hat seine ersten Arbeitstage hinter sich. Der Verwaltungsfachmann aus Peine ist der neue Mann im Kreishaus.
Michael Take bewarb sich erst spät auf die Dezernentenstelle in der Cuxhavener Kreisverwaltung: Doch jetzt trat er seinen Dienst an. Aus dem Ilseder Rathaus mit 80 Beschäftigten der Wechsel ins Kreishaus mit rund 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: für Take ein Drahtseilakt zwischen Karrieresprung und der Erfüllung großer Erwartungen zugleich.
Wenn man Lotto spielt, muss man auch damit rechnen, dass man gewinnt", sagt Michael Take. Und er hat gewonnen: Der 41-Jährige, der bislang stellvertretender Chef der 80-köpfigen Verwaltung in der 22.000 Einwohner zählenden Gemeinde Ilsede war, gehört seit Jahresbeginn zur Dezernentenriege der Cuxhavener Kreisverwaltung, wo rund 1100 Menschen beschäftigt sind. Diesen - so Take - "Neuanfang" hätte er beinahe verpasst: Erst kurz vor Ende der Bewerbungsfrist reichte er seine Unterlagen ein. Er war der Letzte auf der Bewerberliste; am Ende des Auswahlverfahrens war er dann aber der Erste.
Eigentlich nicht geplant ...
Ein solcher Karrieresprung und Wechsel an die Küste waren ursprünglich nicht geplant. Er war in der Gemeinde Ilsede als aussichtsreicher Kandidat für die Bürgermeisterwahl im September gehandelt worden. 2016 hatte der Rat ihn einstimmig für acht Jahre zum stellvertretenden Verwaltungschef gewählt.
Doch als es nun um die Bürgermeisterwahl ging, scherte die dortige SPD bei der Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten aus und präsentierte einen Bewerber mit entsprechendem Parteibuch. Take dagegen ist parteilos.
Die "Peiner Nachrichten" kommentierten Takes Wechsel nach Cuxhaven unter anderem mit den Worten, dass er es mit seiner "offenen, aber nicht anbiedernden Art geschafft hat, sich Respekt und Sympathien zu verschaffen: parteiübergreifend sowie in der Bevölkerung". Er wäre "ein geeigneter Bürgermeisterkandidat/Bürgermeister" gewesen, so sie Zeitung.
Groß kommentieren will Take nach seinem Amtsantritt in Cuxhaven die Vorgänge in Ilsede nicht. Nachtreten ist offensichtlich nicht sein Stil. Er richtet den Blick vielmehr nach vorn - und da wartet auf ihn jede Menge Arbeit.
Die Erwartungshaltung ist auch in der Politik groß. Sie traut dem neuen Dezernenten zu, die Verwaltung in vielen Bereichen zu modernisieren und insbesondere die Digitalisierung voranzutreiben. Ein Bereich, der ihm liegt: Schon in Ilsede drängte er darauf, auch die sozialen Kanäle wie Facebook und Instagram stärker zu bedienen und damit "den Dialog mit der Bevölkerung suchen und Fehler der Verwaltung eingestehen".
Papierloses Büro im Blick
Auch das papierlose oder -arme Büro wäre so ganz nach dem Geschmack des neuen Dezernenten. Da passt es gut, dass das sogenannte "Onlinezugangsgesetz" (OZG) alle öffentlichen Verwaltungen verpflichtet, bis Ende 2022 den Bürgerinnen und Bürgern einen digitalen Zugang zu den Dienstleistungen der Verwaltung zu ermöglichen. Ob das die Kreisverwaltung wuppt? Take wird auch daran gemessen: "Ich hoffe, dass ich die Erwartungen erfüllen kann."
Denn über Arbeitsmangel auch in anderen Bereichen wird er sich im Kreishaus wohl kaum beklagen können. So ist er für die Bereiche Personal und Organisation, Zentrale Dienste, Kämmerei, Ordnungsamt und Kommunalaufsicht zuständig. Insbesondere die Tatsache, dass er das Finanzressort von seinem neuen Dezernenten-Kollegen Friedhelm Ottens übernommen hat, ist eine Herausforderung besonderer Art. Auf der einen Seite muss die Verwaltung die Folgen der Corona-Krise auch finanziell bewältigen und gleichzeitig die dreistelligen Millionenbeträge für Immobilien-Investitionen - unter anderem in die Schulen in Dorum, Langen und Hemmoor, Cuxhaven und die Berufsschule Cadenberge - stemmen. Kein leichter Start für Take, aber er verfügt über genügend Selbstvertrauen und auch Erfahrung im finanziellen Bereich, dass er diese Aufgabe bewältigt.
Verschiedene Baustellen
Als neuer Dezernent ist er zwar verantwortlich für die Ergebnisse und Leistungen in seinen Zuständigkeitsbereichen. Doch er sei - so Take am Donnerstag in einem Pressegespräch - niemand, der "gleich alles umwirft, wenn man neu im Amt ist". Natürlich sehe er, dass es verschiedene "Baustellen" in der Kreisverwaltung gebe: "Aber die Lösung von Problemen sollte man gemeinsam angehen. Ich krempele die Verwaltung ja nicht auf links."
Da wird auch jemand etwas dagegen haben, der Take vom letzten Platz der Bewerberliste auf die Poleposition im Finale gehievt hat: Landrat Kai-Uwe Bielefeld. Er werde sicherlich "frischen Wind" in die Verwaltung bringen.
Und daran, dass an der Küste auch hinter kuscheligen Kreishaus-Mauern oft eine steife Brise zwischen Politik und Verwaltung herrscht, wird sich Take wohl schnell gewöhnen müssen.
Gerangel in der Politik
Bei aller Qualifikation des neuen Dezernenten: Dass der parteilose Michael Take in die Dezernentenriege kam, hat - wie berichtet - auch eine politische Vorgeschichte. Die CDU hatte in den vergangenen Jahren immer wieder heftige verbale Attacken gegen den bisherigen Finanzdezernenten Friedhelm Ottens gestartet, der ein SPD-Parteibuch besitzt.
Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos) hatte Ottens dennoch als Nachfolger von Friedrich Redeker für den Posten des 1. Kreisrates vorgeschlagen und keinen Grund gesehen, angesichts dessen Leistungen ihm die Zuständigkeit für den Bereich Finanzen zu entziehen. Doch in einem parteipolitischen Gerangel hinter den Kulissen wurde letzten Endes ein Paket geschnürt, das Friedhelm Ottens die Wahl zum 1. Kreisrat und damit zum stellvertretenden Verwaltungschef ermöglichte. Aber die Zuständigkeit für den Finanzbereich musste er auf Druck der CDU abgeben.
Über Arbeitsmangel kann sich Ottens aber nicht beklagen. Er ist weiterhin für den Sozialbereich, aber auch für die Schulen und Kultureinrichtungen sowie das Jugend- und Gesundheitsamt tätig. Aktuell beschäftigt ihn besonders ein Thema: Ottens leitet beim Landkreis den Corona-Krisenstab. Und das dürfte wohl leider noch längere Zeit andauern.
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