Lehramtsreferendarin Alina Müller-Wirts zeigt Kinderrechte, die sie mit Schülern der Nordholzer Grundschule in Videoclips verwandelt hat: Recht auf Spielen & Freizeit, Recht auf Schutz im Krieg & auf der Flucht, Recht auf Information & Beteiligung, Recht auf besondere Unterstützung bei Behinderung, Recht auf Schutz vor Ausbeutung, Recht auf Rechte, Recht auf Gesundheit & eine saubere Umwelt, Recht auf Schule & Bildung. Foto: Leuschner
Lehramtsreferendarin Alina Müller-Wirts zeigt Kinderrechte, die sie mit Schülern der Nordholzer Grundschule in Videoclips verwandelt hat: Recht auf Spielen & Freizeit, Recht auf Schutz im Krieg & auf der Flucht, Recht auf Information & Beteiligung, Recht auf besondere Unterstützung bei Behinderung, Recht auf Schutz vor Ausbeutung, Recht auf Rechte, Recht auf Gesundheit & eine saubere Umwelt, Recht auf Schule & Bildung. Foto: Leuschner
In Videoclips verwandelt

Diese Rechte wünschen sich die Kinder der Nordholzer Grundschule

01.03.2022

NORDHOLZ. Die Mädchen und Jungen der Nordholzer Grundschule werben für Kinderrechte. Jetzt haben sie Info-Videos gedreht - die bald in der Gemeinde abrufbar sein werden.

Von Heike Leuschner

Kryptische Schwarz-Weiß-Muster auf buntem Untergrund warten in den kommenden Tagen an vielen Orten in der Gemeinde Wurster Nordseeküste darauf, entdeckt zu werden. Es handelt sich um QR-Codes, die jedes Smartphone lesen und in kurze Filme verwandeln kann. Dahinter verbergen sich witzige, berührende und bewegende Kurzfilme von Mädchen und Jungen der Nordholzer Grundschule, die auf Kinderrechte aufmerksam machen. Für Schulleiterin Sabine Peter und ihr Team ist es der erste Schritt auf dem Weg zur Kinderrechtsschule.

"Das Beste kommt zum Schluss", sagt der zehnjährige Karl und lächelt verschmitzt. Natürlich meint er das Video Nr. 8, in dem er selbst mitspielt und am Ende einen riesigen Ball in Richtung Kamera wirft. "Alle Kinder dieser Erde haben das Recht auf Schule und Bildung" heißt das Kinderrecht, das er gemeinsam mit sechs Mitschülern vorstellt.

Dem Bürgermeister überreicht

Karl ist stellvertretender Sprecher seiner Klasse und der einzige Schüler, der die ersten acht QR-Codes zusammen mit Schulleiterin Peter sowie den beiden Lehrerinnen Maike Becker und Alina Müller-Wirts an den Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, Marcus Itjen, überreicht. Der Gemeindechef ist nicht nur beeindruckt aufgrund des Engagements der Kinder. Er gibt auch offen zu, dass ihm die einzelnen Kinderrechte erst durch die Videos der Schüler richtig ins Bewusstsein gerückt worden seien.

Genau dieser Effekt ist Zweck der Videoaktion. "Wir wollen die Menschen für Kinderrechte sensibilisieren", sagt Alina Müller-Wirts, die an der Nordholzer Grundschule im Sommer ihr Referendariat zur Mathematik- und Musiklehrerin abschließen wird. Die Kinderrechte und ihre Vermittlung ist Schwerpunkt ihrer Examensarbeit. Monatelang hat sie sich darauf vorbereitet und in mehr als hundert Stunden eine Projektwoche konzipiert, die Sportspiele, Arbeitsbögen und Projektaufträge für die gesamte Schule umfasst.

Umsetzung mit fast 300 Schülern

Innerhalb einer Woche sollen die Schüler zehn besonders wichtige Kinderrechte erarbeiten. Müller-Wirts will das Projekt gegen Ende dieses Schuljahres mit allen fast 300 Schülern umsetzen. Ob mit Kontaktbeschränkungen oder ohne: "Wir sind auf alles vorbereitet", sagt sie.

Ihre Arbeit dürfte ein Meilenstein auf dem Weg zur Kinderrechtsschule sein, den Nordholz anstrebt. Insgesamt, so die schulinterne Koordinatorin Maike Becker, werde das Vorhaben etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die Beteiligung der Kinder ist einer von sieben Schritten zum Ziel.

Codes an mehreren Orten

Karl ist stolz, als der Bürgermeister mit ihm die ersten QR-Codes mit den Kinderrechte-Videos gleich im Eingangswartebereich des Nordholzer Rathauses anklebt. "Hier", sagt Itjen und verweist auf eine Reihe mit Stühlen, "kommen immer besonders viele Leute vorbei." Die Codes sollen unter anderem auch im Dorumer Rathaus, in Kindergärten, bei Ärzten, der Polizei, im Nationalpark-Haus Wurster Nordseeküste und im Watt'n Bad sowie an Fußgänger-Ampelanlagen präsentiert werden.

Acht Videos haben die Schüler bislang gedreht. Auf einem wirbt Rika auf Deutsch und Arabisch für das Kinderrecht "Alle Kinder dieser Welt haben das Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht." Alias erzählt die Geschichte seiner spastischen Lähmung und macht sich für das Recht aller Kinder auf besondere Hilfe und Unterstützung bei Behinderungen und Beeinträchtigungen stark. Der Bedeutung von Freizeit widmen sich Oskar und Torge: "All de Kinner op düsse Eer hebbt dat Recht op Speel, Freetied und Verholen", fordern sie auf Plattdeutsch. Wie kess das Video von Oskar und Torge endet, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur eines: Die Suche nach den QR-Codes lohnt sich.

Kinderrechte gibt es seit fast 33 Jahren

Weil Kinder besondere Bedürfnisse in Bezug auf ihre Förderung, ihren Schutz, ihre Mitbestimmung und ihre Entwicklung haben, hat die UN 1989 die UN-Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet. Insgesamt wurden 41 Kinderrechte formuliert.

In Deutschland gilt die UN-Kinderrechtskonvention seit 1992. Vollständig umgesetzt ist sie immer noch nicht. "Insbesondere bei Entscheidungen von Politik, Verwaltung und Rechtssprechung werden die Rechte der Kinder und Jugendlichen noch viel zu wenig berücksichtigt", kritisiert das Deutsche Kinderhilfswerk.

Aufnahme ins Grundgesetz

Der Koalitionsvertrag der letzten Bundesregierung sah erstmalig die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz vor. Nachdem das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz im November 2019 einen Referentenentwurf vorlegte, hatte sich die Bundesregierung Mitte Januar 2021 auf einen Formulierungsvorschlag zur Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz verständigt.

Aus Sicht des Kinderhilfswerks war der Vorschlag unzureichend. Dies betraf unter anderem Formulierungen zum Kindeswohl sowie zum Recht des Kindes auf Beteiligung, die hinter der Konvention und auch hinter der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zurückblieben. Am 8. Juni 2021 scheiterte die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz für die bis Oktober 2021 währende Legislaturperiode.

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