"Döser Speeldeel" in Cuxhaven: Weltliteratur in Plattdeutsch
CUXHAVEN. Inzwischen ist es schon die dritte Lesung - "Weltliteratur op Platt" - und Reiner Frericks, Initiator wie bei den zwei vorangegangenen Lesungen, verspricht, dass die Reihe ganz bestimmt fortgesetzt wird. Dieses Mal ging es um die Seefahrt, genauer gesagt um "Seefahrt ist not".
Das "Weltliteratur"-Programm vereinte am vergangenen Donnerstagabend im Schloss Namen wie Detlev von Liliencron, Theodor Storm, Theodor Fontane, Herman Melville und Ernest Hemingway, erzählte von der letzten Nacht auf der "Titanic" und zum Schluss eine Geschichte "frei nach einem US-Navy-Tagesbefehl".
Dieses "frei nach …" spielt in Frericks Lesung, die er zusammen mit fünf weiteren Mitgliedern der "Döser Speeldeel" gestaltet, eine entscheidende Rolle. Und Reiner Frericks geht in der Tat sehr frei mit den Originalen der großen Erzähler und Dichter um. Seinem Satz auf der Rückseite des Programm-Flyers, in dem es heißt: "Der Übersetzer hat verschiedene Erzählungen, Balladen und Geschichten aus dem Gedächtnis … aufgeschrieben und anschließend übersetzt" sollte man in jedem Fall Beachtung schenken. Denn nicht um die dem Originaltext gerecht werdende Übersetzung ins Plattdeutsche geht es hier, sondern um die am Original entlang erzählte Geschichte.
Plattdeutsche Deich-Geschichte
Deutlich wird das zum Beispiel an "Op'n Diek", wo Frericks Theodor Storms Novelle "Der Schimmelreiter" die Grundlage seiner plattdeutschen Deich-Geschichte bietet. Ähnlich ist das bei "Door pust he" (frei nach Melvilles "Moby Dick") und "Santiago & Manolin" (frei nach Hemingways berühmter Erzählung "Der alte Mann und das Meer"). Ob man all das so machen kann, ist - wie schon bei den Vorgängern der Lesung - die Frage. Und zwar eine Frage, über die sich ausgiebig und sehr kontrovers streiten lässt. Doch dem Initiator der "Weltliteratur-op-Platt"-Lesung kommt es offensichtlich darauf ja auch gar nicht an. Die Form, die er mit seinem Team für die Unternehmung gefunden hat, ist eher szenisch erdacht und gedacht - mit dem erklärten Ziel, dem Publikum Weltliterarisches auf Plattdeutsch zu servieren.
Und das eben nicht pur, sondern mit verbindenden Texten, kleinen "Ausflügen" in Zeithistorisches, Persönliches und Vertrautes und natürlich mit einer das Geschehen illustrierenden Musik. Ingrid Ortmann, Sarah Kittel und Gisela Grote, Sigi Koperschmidt und Volker Kästner, wie Reiner Frericks allesamt Mitglieder von Cuxhavens niederdeutscher Bühne "Döser Speeldeel", belassen es denn in dieser Lesung durchaus auch nicht nur beim bloßen Lesen - sie geben den Texten Gestalt, lesen sie gewissermaßen mit verteilten Rollen. Und das kommt beim Publikum, darunter Bürgermeisterin Silke Karallus, gut an.
Unterschiedliche Qualität
Dass das so gesprochene Plattdeutsch der Mitwirkenden von unterschiedlicher Qualität ist, auch das gehört dazu. So wie die Seefahrt zu Cuxhaven, worauf Bühnenleiterin Marlies Lampe in ihrer Begrüßung hingewiesen hatte.
Das Thema stimmte also, war sozusagen passgenau und auf alle Fälle weit treffender ausgewählt als die beiden Male vorher. Doch - und diese Frage bleibt - warum nicht endlich einmal eine Lesung mit original plattdeutscher Literatur? Man glaubt gar nicht, wie viel Hervorragendes die aufzuweisen hat! Vielleicht wäre das ja etwas für das Jubiläumsjahr 2024 der 1924 gegründeten "Döser Speeldeel". (Von Ilse Cordes)
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.