Ein Paar, die "Macarena" und das Meer: Von Cuxhaven um die ganze Welt
CUXHAVEN. Alles Zurücklassen und auf einer Segeljacht ein neues Leben beginnen. Ein Göttinger Ehepaar hat sich diesen Traum erfüllt und ist am vergangenen Montag von Cuxhaven zu seiner Weltumsegelung aufgebrochen. Ein Projekt, das gut geplant sein will.
Elke Bachmann hat jahrelang eine Segelschule geleitet und ist viel auf Großseglern unterwegs gewesen. "Seit 1992 ist Wassersport und Schifffahrt der rote Faden in meinem Leben", erzählt sie. Für Elke Bachmann also nur folgerichtig, dass sie irgendwann einmal auf einem Boot leben möchte.
Ihr Mann Dietrich Gutknecht teilt ihre Leidenschaft. "Bei uns ist es so, Elke ist die Skipperin, weil sie höher qualifiziert ist und ich darf mich um den Rest kümmern", lacht er.
Freunde des Ehepaars lebten den Traum bereits. Sie waren immer wieder in Neuseeland und erkundeten von dort die Südsee. "Insgesamt 18 Jahre sind sie mit ihrem Boot um die Welt gesegelt", erzählt Gutknecht.
Die Suche beginnt
Doch wenn man plant, auf einer Segeljacht zu leben und die Welt zu bereisen, muss erst mal das richtige Schiff gefunden werden. "Ganz konkret beschäftigten wir uns zum ersten Mal mit einem Schiffstyp, als unsere Freunde Kerstin und Helmut mit ihrem Schiff ,Lop To‘ im Dezember 2016 in Argentinien lagen. Dort trafen sie die Crew der ,Pelorus Jack‘ - eine Island Paket 45", erinnert sich Dietrich Gutknecht. Der Vorteil der Island-Packet-Schiffe: Sie gelten als extrem langfahrttauglich und wertbeständig. Im August 2017, als die Brexitentscheidung anstand, kam es zu einem kurzfristigen Verfall des britischen Pfunds, was dazu führte, dass dem Ehepaar ein Angebot in Europa für eine Island Packet ins Auge fiel. Baujahr 2002 und der Liegeplatz in Port Hamble, nur wenige Kilometer südlich von Southampton. Auch wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick war, wie die Göttinger erzählen, wurde aus der "Pipe Dream" die "Macarena".
2018 wurde die "Macarena" nach Deutschland überführt. In mehreren Etappen und Stationen - unter anderem in Cuxhaven. Ein Jahr später ging es mit dem Schiff nach Kiel, dem Heimathafen.
Den Bedürfnissen angepasst
"Das Boot war super ausgestattet, aber die Technik natürlich veraltet", erklärt Bachmann. Die Elektronik an Bord wurde also erneuert. "Außerdem haben wir einen Geräteträger mit Solarpaneelen am Heck angebaut, die den grundsätzlichen Strombedarf an Bord decken", ergänzt Dietrich Gutknecht. Neben den Solarpaneelen kann die Maschine mit der Lichtmaschine Strom erzeugen und ein Generator an Bord produziert 230 Volt, womit Waschmaschinen, Frischwassererzeuger und Klimaanlage betrieben werden. Um herauszufinden, was an Bord benötigt wird und wo Anpassungen vorgenommen werden müssen, ging es in die Ostsee. "Dort konnten wir alles ausprobieren und das Schiff kennenlernen."
In den 90er-Jahren machte Elke Bachmann den Sporthochseeschifferschein in Hamburg und als Ergänzung den Traditionsschifferschein. Sie segelte bereits als Steuerfrau auf der "Royal Amundsen" und der "Alexander von Humboldt 2". Dennoch machte das Ehepaar in den letzten Jahren viele Weiterbildungen. Technische und medizinische Aspekte wie Notfallmanagement mussten erlernt werden. "Auf dem Pazifik kann man nicht mal eben nach Hilfe rufen, man muss sich selber helfen können."
Der ideale Startpunkt
Jahrelang wurde an der "Macarena" gefeilt, bis es am vergangenen Montag endlich losging. Familie und Freunde kamen im Seglerhafen in Cuxhaven zusammen, um das Ehepaar zu verabschieden. Die Entscheidung, in Cuxhaven zu starten, lag unter anderem daran, dass Trans Ocean (TO) hier einen Sitz hat. TO ist der Verein der deutschen Hochsee-Segler. "Außerdem ist Cuxhaven der letzte Hafen am Festland", sagt Bachmann und lacht. "Wir waren ja damals schon bei der Überführung der ,Macarena‘ in Cuxhaven und es hat uns hier gut gefallen. Hier kriegen wir alles. Es gibt einen Schiffsausrüster, Segelmacher und Lebensmittel. Und auch den Hafen fanden wir sehr schön, eine nette Location mit Restaurant und vernünftigen Liegeplätzen für die größeren Boote." Zum Abschied überreichte Hafenmeister Peter Küther den obligatorischen SVC-Stander und Trans Ocean-Stützpunktleiter Bert Frisch den sogenannten TO-Kescher für den "catch of the day".
Die Meere sauber halten
Mit "catch oft he day" ist nicht die teure Fischplatte im Restaurant gemeint, sondern das, was so im Meer herumschwimmt und da nicht hingehört. Die Idee hatten Bert Frisch und seine Frau in Norwegen, dort hängen ganz selbstverständlich Kescher zum Müllsammeln in vielen Häfen. "Deshalb sollten auch alle TO-Segler einen dabeihaben", erklärt Frisch.
Marc Itgen, Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung für den Bereich Stadt Cuxhaven, überreichte den beiden Seglern das Buch "Cuxhaven: Maritime Stadt mit Zukunft und Geschichte". Ein Exemplar für die Göttinger und eines, um in den Häfen und Ländern Stempel zu sammeln. Nach der Reise soll ein Buch dann in Cuxhavens Stadtarchiv gelangen.
Um 8.30 Uhr begann endlich das Abenteuer. Zuerst nach Helgoland, dort Tanken und dann los. Die englische Hafenstadt Ramsgate ist der erste Zielhafen. In der Nähe von Southampton, wo die "Macarena" gekauft wurde, ist ein Treffen mit dem Voreigner geplant. Dann geht‘s durch den Kanal mit seinen Inseln und immer weiter. "Wir wollen reisen und haben keinen Zeitdruck."
Irgendwann wird dann spontan entschieden, wann es wo hingeht. Endziel ist allerdings Neuseeland. "Wir wurden viel gefragt, ob es uns schwergefallen ist, die Wohnung aufzulösen und wegzugehen. Aber das Ziel und die Tatsache, dass es jetzt losgeht, das wiegt alles auf."