Erdbeben-Szenario in Cuxhaven ruft THW-Helfer aus ganz Norddeutschland auf den Plan
CUXHAVEN. Im ehemaligen Munitionsdepot Oxstedt erwartete fast 100 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) am Sonnabend ein spektakuläres Szenario: Nach einer missglückten Geothermiebohrung war es zu Erdverwerfungen und Erdbeben gekommen. Nun galt zu retten, was zu retten war.
Was sie erwarten würde, ahnten die Ehrenamtlichen des THW aus ganz Norddeutschland nicht, als sie sich aus allen Richtungen - ohne Sonder- und Wegerechte - auf den Weg in Richtung Cuxhaven machten. Meldeköpfe befanden sich bereits auf der B 73 und der A 27.
Ein knappes halbes Jahr an Vorbereitungen war dieser so genanten "standortverlagerten Ausbildung" mit Namen "Trümmer-Retter 2022" vorausgegangen, wie Gruppenführer Tim Thiele erläuterte.
Schweißtreibende Ausbildungsinhalte
Mit dem Auftrag der Gebäudesicherung hatten die 103 Leute auf dem Gelände - davon 94 vom THW - alle Hände voll zu tun. An fünf Stationen erwarteten sie schweißtreibende Ausbildungsinhalte. Dafür wurden die Einsatzkräfte aus allen Ortsverbänden bunt gemischt - wichtig auch für den Ernstfall, wie Tim Thiele weiß.
Die engagierten Ausbilder aus den Ortsvereinen Bremen-Süd, Osterholz-Scharmbeck, Hannover, dem Ausbildungszentrum Hoya und Eckernförde verstanden es, auch noch für erfahrene Routiniers etwas Neues im Gepäck zu haben, dabei aber auch diejenigen mitzunehmen, die zum ersten Mal mit gewissen Situationen konfrontiert waren. "Eine Search Cam haben bislang die wenigsten hier in der Hand gehabt", erzählte Tim Thiele.
Nehmen, was im Notfall zur Hand ist
Unter anderem ging es um Abstützungsmöglichkeiten mit Hilfe simpler Euro-Paletten - "überall vorhanden, gerade in den Hafenstandorten, genormt und überaus vielseitig einsetzbar" -, um die Vorstellung neuer Gerätschaften und Materialien, die nach und nach im gesamten THW eingesetzt werden sollen und um den Umgang mit Geräten zur technischen Ortung; alles zusammen auch ein Beweis dafür, wie vielfältig die Einsatzgebiete im THW sind.
Es flogen Späne
Bei der Abstützung eines Gebäudes flogen Späne beim Sägen und es kamen die größten Bohrer zum Einsatz - alles ein einziges Zusammenspiel, das die Beobachter, unter ihnen Oberbürgermeister Uwe Santjer, Vertreter der Katastrophenschutzorganisationen der Stadt, Ratsherr Michael Stobbe, Landtagsabgeordneter und -kandidat Thiemo Röhler (CDU) und Landtagskandidat Oliver Ebken, schwer beeindruckte.
Dieses Gelände passe einfach perfekt, um eine solche Übung durchzuführen, so Uwe Santjer, der allen Beteiligten - auch den Abordnungen von IuK, Freiwilliger Feuerwehr und DRK - seinen Dank aussprach. "Naturkatastrophen werden mehr und es wird Einsatzsituationen geben, wo wir dieses Zusammenspiel gebrauchen werden", sagte er voraus.
Er wisse auch, wie sehr sich alle Beteiligten nach der Corona-Zeit, in der solche Übungen nicht möglich gewesen sein, auf diese Übung gefreut hätten.
84 THW-Einsatzkräfte nächtigten in der Nacht zum Sonntag in einem Feldlager auf dem Gelände des THW in der Humphry-Davy-Straße und tauschten sich beim abendlichen Grillen über die neuen Erkenntnisse aus. "Ich wüsche mir, möchte, dass am Ende jeder mit einem Aha-Effekt hier runtergeht", so Tim Thiele.
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