Auch durch neue, zum Teil komplexe Aufgaben wird die öffentliche Verwaltung belastet. Die Genehmigung von neuen Windparks zum Beispiel bindet viel Personal. Foto: Büttner
Auch durch neue, zum Teil komplexe Aufgaben wird die öffentliche Verwaltung belastet. Die Genehmigung von neuen Windparks zum Beispiel bindet viel Personal. Foto: Büttner
Dringende Personalnot

Fachkräftemangel im Kreis Cuxhaven: Ingenieure händeringend gesucht

16.11.2021

KREIS CUXHAVEN/BREMERHAVEN. Durch den Fachkräftemangel dauern in öffentlichen Verwaltungen im Kreis Cuxhaven und in Bremerhaven die Bearbeitungsprozesse länger.

Von Ursel Kikker

Das Drama um fehlende Ärzte, Pflegekräfte, Altenpfleger, Polizeibeamte, Erzieher und Lehrer ist vielen Bürgern bekannt. Doch Fachkräftemangel zieht sich auch durch andere Ämter in Kreis- und Rathäusern gerade bei den Spezialisten wie Bauingenieuren. Der Öffentliche Dienst muss mit der Wirtschaft um diese Köpfe konkurrieren.

Bremerhavens Baustadtrat berichtete erst kürzlich, wie schwierig es sei, an Bauingenieure zu kommen. Damit steht die Seestadt keineswegs allein da, das Problem zieht sich durch viele Verwaltungen landauf, landab. "Schwierigkeiten haben wir im gesamten Ingenieursbereich in jeglicher Fachrichtung", sagt Amtsleiter Michael Lechlein, bei der Kreisverwaltung Cuxhaven für den Personalbereich zuständig. "Das bereitet uns eine gewisse Sorge."

Geld ist da, Personal nicht

Warum das so ist, macht Lechlein am Bauen deutlich. Straßen und Brücken müssten saniert, neue Schulen sollen gebaut werden, beschreibt er die Situation: "Ich habe das Geld, aber ich habe das Personal nicht." Früher sei es andersherum gewesen. Planungen und Antragsbearbeitungen ziehen sich nun in die Länge. "Es ist unbestritten, dass der Fachkräftemangel ein Flaschenhals ist", meint auch Bremerhavens Magistratsdirektor Claus Polansky.

"Was will ich schaffen und was kann ich mit den Personalressourcen überhaupt erreichen: Darüber wird aus meiner Sicht viel zu wenig diskutiert", sagt Lechlein und adressiert diese Kritik auch an die große Politik im Bund, die gerade neue Pläne zum Beispiel zu erneuerbaren Energiequellen schmiedet, die am Ende aber auch in den Kommunen umgesetzt werden müssen. Am Stellenabbau liege es nicht, dass Ämter nicht mehr hinterherkommen, sagen Lechlein und Polansky unisono und verweisen auf gestiegene Beschäftigtenzahlen. Doch abgesehen von Nachbesetzungen müssten auch zusätzliche Aufgaben personell dargestellt werden.

Ärzte und Pfleger gesucht

Händeringend gesucht wird im Gesundheitsbereich. "Ärzte sind ein Riesenproblem", heißt es zum Beispiel bei der Stadt Bremerhaven. Die Covid-19-Pandemie hat noch mal die Lücken in den Gesundheitsämtern aufgedeckt. Die Stadt Geestland konnte nach eigenen Angaben den Fachkräftemangel, der sich in einigen Bereichen zeige, bisher noch "gut auffangen" ohne Auswirkungen auf Genehmigungsverfahren.

Auch bei der Stadt Geestland gehört der technische Bereich zu den Bereichen, in denen es die größten Schwierigkeiten gibt, und zwar insbesondere im Hoch- und Tiefbau. "Aber auch in der IT bekommen wir als Kommune den Fachkräftemangel zu spüren", sagt Pressesprecher Merlin Hinkelmann. Auch im Bereich der Sozialarbeit merken die Kommunen, dass der Markt mehr oder weniger leer gefegt ist. Die Kreisverwaltung in Cuxhaven hatte gerade zwei Stellen ausgeschrieben, doch nur zwei Bewerbungen gingen ein. Beide Bewerber bekamen Zusagen, doch am Ende sagten beide noch ab. "Die Personalnot führt nicht dazu, dass wir jeden einstellen", sagt Lechlein: "Die Qualifikation muss schon stimmen."

Was kann man machen?

Wie lässt sich gegensteuern? Der Öffentliche Dienst ist an den Tarifvertrag gebunden und kann Fachkräfte abgesehen von Zulagen nicht mit mehr Geld locken. Ein Bauingenieur (Hochbau) verdient laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Mittel 5324 Euro brutto. Mit einer vergleichbaren Entgeltstufe bei ihnen in der kommunalen Verwaltung sei schon fast die Endstufe erreicht, sagt Lechlein. 25 Prozent in dieser Berufsgruppe verdienen in Deutschland mehr als 6326 Euro. Das große Pfund der kommunalen Verwaltung ist der sichere Arbeitsplatz mit langfristigen Perspektiven. Hinzu kommt eine nicht unattraktive "betriebliche Altersvorsorge", wie Polansky meint. Ausbildungsangebote wurden aufgestockt. Der Magistrat beispielsweise zählte 2018 noch 178 Auszubildende, 2020 waren es 203. Duale Studiengänge sind beliebt, hier wurden aus zehn 23 Plätze. In der Stadt Geestland werden seit einem Jahr auch IT-Kräfte (Fachinformatiker für Systemintegration) ausgebildet. Weiterbildung, Qualifikations- und Aufstiegsmöglichkeiten sind wichtige Themen.

Die Kreisverwaltung arbeitet an einem Konzept, Techniker zu Ingenieuren weiterzubilden. Die Stadt Geestland, die bereits Stipendien an angehende Kitafachkräfte vergibt, plane ein entsprechendes Programm für den Hoch- und Tiefbaubereich, teilt Hinkelmann mit. Geestland möchte die Teilnehmer im Anschluss für mindestens fünf Jahre an sich binden.

Weiche Faktoren entscheidend

Ansonsten spielen die kommunalen Verwaltungen die Klaviatur "weicher" Maßnahmen, die den Arbeitsplatz attraktiver machen sollen: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Homeoffice, Arbeitszeitkorridore, Gesundheitsmanagement und mehr. Das Arbeitsklima spiele eine wichtige Rolle, sagen die Personalverantwortlichen.

"Zufriedene Beschäftigte sind ein Pfund", meint Polansky. Wenn sie den Job weiterempfehlen an ihre Kinder, "dann macht das was aus". Gerade läuft eine Umfrage dazu unter den Magistratsbeschäftigten. Die Kreisverwaltung in Cuxhaven zielt auch mit Fortbildungen für Führungskräfte auf Arbeitsklima und Arbeitszufriedenheit in den Teams ab. Laut Lechlein hat die Stadt Geestland eine "Feel-Good-Managerin" benannt, die sich um das Wohlbefinden der Mitarbeiter kümmert. Am Ende sei es aber auch eine Standortfrage. Wenn sich ein Bewerber unter 20 Stellen eine aussuchen kann, "dann sind wir nicht immer die Nummer eins", so Polansky.

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