Die Frauenarzt-Praxis im Capio-MVZ in Cuxhaven schließt zum 1. Juli. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Die Frauenarzt-Praxis im Capio-MVZ in Cuxhaven schließt zum 1. Juli. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Frauenarzt

Frauenarzt gekündigt: Gynäkologe muss Praxis in Cuxhaven schließen

von Wiebke Kramp | 27.06.2020

CUXHAVEN/OTTENRDORF. Der Frauenarzt Dr. Hans-Peter Wenig ist ab 1. Juli freigestellt und seine Praxis im Capio-MVZ in Cuxhaven schließt.

Dr. Hans-Peter Wenig ist eingesessener Frauenarzt in Cuxhaven. Doch ab nächster Woche darf er nicht mehr praktizieren und keine Patientinnen mehr im Capio-MVZ im Ärztehaus in Cuxhaven behandeln. Der Bereich Gynäkologie wird wohl dort dann Geschichte sein. 

Aus betriebsbedingten Gründen

Nach Informationen unseres Medienhauses wurde dem Gynäkologe von Capio im Herbst vergangenen Jahres zum 31. Oktober 2020 aus betriebsbedingten Gründen gekündigt. Dr. Wenig ging allerdings davon aus, dass sein regulärer Vertrag noch bis 2022 laufen sollte. Vor wenigen Tagen erhielt der Arzt dann die weitere Nachricht, dass er ab 1. Juli freigestellt sei, also nicht mehr praktizieren kann und darf. Gegenüber unserem Medienhaus bestätigte Dr. Wenig die Kündigung, verwies aber in der Sache auf ein schwebendes Verfahren, sodass er zu Einzelheiten aus juristischen Gründen öffentlichen keine Stellung beziehen wollte.

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Vorwurf der Gewinnmaximierung

Ein Freund (der Name ist der Redaktion bekannt) allerdings nimmt kein Blatt vor den Mund. Für ihn ist diese Art und Weise völlig inakzeptabel: "Ich finde dieses ,unternehmerische Fehlverhalten‘ des Capio-Konzerns mit dem einzigen Ziel der Gewinnmaximierung auf dem Rücken kranker Menschen, ohne sich des Versorgungsauftrages bewusst zu sein, nicht mehr hinnehmbar." Dieser Schritt bedeute, dass 1200 Patientinnen pro Quartal langfristig nicht mehr versorgt seien, da alle anderen Frauenärzte in Cuxhaven bereits mehr als ausgelastet seien. Und der Freund denkt auch an die betroffenen Frauen: "Kurzfristig sind die Folgen dieser Aktion sehr viel schlimmer: Akut werden ab dem 1. Juli die Patientinnen, darunter Krebspatienten und Schwangere, einfach weggeschickt." Seine Mutmaßung: Bei dem Rückzug aus der Gynäkologie handele es sich um rein betriebswirtschaftliche Gründe, weil sie sich im Vergleich zu anderen Zweigen wie Orthopädie nicht rechne.

Patientin aus Otterndorf

Eine Patientin aus Otterndorf (Name ist der Redaktion bekannt) erfuhr am Donnerstag bei ihrem Vorsorgetermin davon, dass Dr. Wenig plötzlich aufhören muss und griff anschließend sofort zum Telefonhörer, um die Redaktion anzurufen: "Ich bin richtig geschockt - und so geht es bestimmt auch den anderen Patientinnen. Meine Befürchtung ist jetzt, dass er mir verloren geht und ich mir nach 20 Jahren einen neuen Frauenarzt suchen muss. Mir tun die Schwangeren und Krebspatientinnen leid, die von ihm jetzt nicht mehr betreut werden können."

2020: Wegfall des KV-Sitzes

Ulrike Kömpe, Verwaltungsdirektorin des Capio-Krankenhauses Land Hadeln und damit auch des Medizinischen Versorgungszentrums, bestätigt auf Nachfrage unseres Medienhauses die Freistellung und betriebsbedingte Kündigung des angestellten Gynäkologen. Allerdings handele es sich dabei um eine Geschichte, die sich längerfristig abgezeichnet habe. Die Kündigung sei bereits im vergangenen Herbst zum 31. Oktober 2019 ausgesprochen worden. Sie besage, dass das Anstellungsverhältnis zum 31. Oktober 2020 enden würde. "Es handelte sich dabei um eine betriebsbedingte Kündigung, da der KV-Sitz, der der Ausübung einer gynäkologischen Tätigkeit im Capio-MVZ Cuxhaven zugrunde liegt, ab 1. November 2020 wegfällt. Bereits für 2019 ist die Belegabteilung Gynäkologie im Krankenhaus vom Ministerium gestrichen worden", schildert Verwaltungschefin Kömpe die Hintergründe. KV steht für Kassenärztliche Vereinigung, die für die Facharztvergabe zuständig ist.

Versorgung der Patientinnen gesichert

An die Versorgung der Patientinnen sei gedacht worden: Für die sensible Phase der Suche nach einem neuen Gynäkologen habe das Praxismanagement für die Patientinnen bereits Vorkehrungen getroffen: "Den Damen, die im geburtshilflichen Sektor bei Herrn Wenig in Behandlung waren, wurde eine Behandlungsübernahme durch einen niedergelassenen Kollegen ganz in der Nähe des MVZ organisiert. Für die gynäkologische Betreuung stehen in Cuxhaven mehrere Frauenarzt-Praxen zur Verfügung."

Grund: Rentenfähiges Alter

Als ausschlaggebend für die betriebsbedingte Kündigung nennt Ulrike Kömpe das mit 66 Jahren rentenfähige Alter des angestellten Arztes sowie die Nicht-Nachbesetzung des Bereichs Gynäkologie: "Die Zahlen im Bereich der Gynäkologie im Capio MVZ Cuxhaven haben sich in den letzten Jahren deutlich rückläufig entwickelt. Daraus resultiert auch die Streichung der Belegabteilung im Bettenplan des Ministeriums."

Strategische MVZ-Neuausrichtung

Zur "betriebswirtschaftlichen Komponente" hinzugekommen sei noch die strategische MVZ-Neuausrichtung: "Künftig verstärken wir den Fokus noch mehr auf die Bereiche Orthopädie und Innere Medizin, die in der Bevölkerung sehr gut angenommen werden. Getreu einer Neukonzeption des Capio-MVZ Cuxhaven, die sich sehr am tatsächlichen Bedarf vor Ort orientiert, wird beides weiter ausgebaut." Im Otterndorfer Krankenhaus gebe es bereits seit 2019 keine gynäkologische Abteilung mehr. Analog dazu werde auch das Capio MVZ Cuxhaven sein punktuelles Engagement dort nicht mehr weiterverfolgen. Die Freistellung zum 1. Juli sei erfolgt, um in den Praxisräumen notwendige Arbeiten für die Nachbesetzung vorzunehmen.

Vor dem Arbeitsrichter

Laut Verwaltungsdirektorin Ulrike Kömpe habe Dr. Wenig lange Zeit nicht auf ein Angebot reagiert, die Räume im MVZ auf eigene Rechnung als selbstständiger Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe als "Praxis in der Praxis" zu führen und anzumieten. Letztlich habe er es jedoch abgelehnt. Im August treffen sich die Parteien vor dem Arbeitsrichter.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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