Aus einer Idee ist Wirklichkeit geworden: Marion Hartig und René Kellermann mit ihrer Fahrradrikscha, die sie am Montag auspacken durften. Am Zaun haben sie Transparente mit Dankesbekundungen an ihre Unterstützerinnen und Unterstützer aufgehängt. Foto: Reese-Winne
Aus einer Idee ist Wirklichkeit geworden: Marion Hartig und René Kellermann mit ihrer Fahrradrikscha, die sie am Montag auspacken durften. Am Zaun haben sie Transparente mit Dankesbekundungen an ihre Unterstützerinnen und Unterstützer aufgehängt. Foto: Reese-Winne
Soziales Engagement

Für Senioren in Cuxhaven: Fahrrad-Rikscha jetzt am Start

von Maren Reese-Winne | 14.11.2020

CUXHAVEN-DÖSE. Marion Hartig und René Kellermann aus Cuxhaven haben sich einen Herzenswunsch erfüllt und wollen damit nun andere glücklich machen.

Ihre E-Fahrrad-Rikscha durften sie am Montag in Empfang nehmen.  Die ersten Routen haben die beiden schon ausprobiert - in dieser Woche noch ohne Fahrgäste, doch ab sofort soll es losgehen mit ihrem Herzensprojekt: Sie wollen Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung oder auch Kindern, die vom Kinderhospiz begleitet werden, mit kostenlosen Rikscha-Fahrten wieder ihr Cuxhaven erschließen, sie an deren Lieblingsplätze bringen, und dies nicht nur in der Stadt, sondern bei Bedarf auch im Landkreis.

So eine Rikscha ist teuer, rund 7000 Euro, weswegen Marion Hartig und René Kellermann im Sommer mit viel Aufwand eine Spendenaktion gestartet haben. Weil sie an ihr Herzenprojekt glaubten, haben sie nun die Rikscha bestellt und sind mit einem großen Betrag privat in Vorleistung gegangen, weil die benötigte Summe noch lange nicht zusammengekommen ist.

Großer Dank an Spender

Gleichwohl ist es ihnen ein großes Anliegen, sich bei allen, die an sie geglaubt und sich - obwohl sie als Privatleute keine Spendenbescheinigung ausstellen können - schon mit Spenden beteiligt haben, von ganzem Herzen zu bedanken. Das habe von abgesparten zwei Euro bis zu größeren Beträgen gereicht. 90 Prozent der Spenden kamen von Privatpersonen, aber auch der Landfrauenverein Sietland und "Weihnachten für alle" schossen etwas zu. Andere wollen helfen, indem sie eine Unterstellmöglichkeit oder eine Fläche anbieten, auf der sie ihr Vorhaben der Öffentlichkeit präsentieren können.

Aus der Isolation holen

Seit einer Fernsehsendung, in der Ina Müller von Fahrradrikscha-Fahrten für Senioren in Dänemark berichtete, waren die beiden Döser von der Idee elektrisiert. Sie hatten die vielen alten Herrschaften vor Augen, die gerade in diesem Jahr viel aushalten mussten, sich isoliert fühlten und ihnen oft traurig hinterher sahen, wenn Marion Hartig ihre Ziehmama Marlene Postel für einen Ausflug aus dem Heim abholte. "Ich seh' das Wasser nie wieder" - diesen Ausspruch hat Marion Hartig noch im Ohr.

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Lieferung aus Dänemark

In der Nacht, bevor das Gefährt - eine Mischung aus E-Bike und davor gebauten Fahrgastsitz - per Spedition aus Dänemark angeliefert werden sollte, konnte sie schon nicht mehr richtig schlafen vor Vorfreude. Kaum war das Fahrzeug von der Palette geholt und das Verdeck angebracht, ging es auch schon auf die Straße.

Die beiden haben schon einige Routen ausgeguckt, die klassische Hafentour zur Alten Liebe natürlich, die Fahrt durch die Bucht ("wir kommen tatsächlich den Deich hoch!") und die Paradestrecke mit Finale in Sahlenburg und Blick aus dem Wald aufs Wasser. "Gleichzeitig haben wir jetzt erst richtig festgestellt, wie schlecht manche Radwege in Cuxhaven sind", verraten sie.

Angeschnallt und gut verpackt

Passagiere können das Ganze von ihrem Sitz (Platz ist für ein bis zwei Personen) sicher angeschnallt verfolgen. Marion Hartig und René Kellermann haben den Sitz mit Sitzsack, Fell und Decke kuschelig ausgestattet: "Wir wollen ganzjährig bei gutem Wetter fahren, nicht aber bei Temperaturen unter acht Grad", kündigen sie an.

Bei den Fahrten tragen sie Rettungswesten, die mit Lichtsignalen ausgestattet sind, vor dem Abbiegen nach links oder rechts blinken oder "Achtung" signalisieren. Ein Begleitfahrrad mit Anhänger, auf den ein Rollator passt und auf dem ein von der Elbe-Orthopädie gesponsorter Rollstuhl mitfahren kann, ist immer dabei.

Auch Fahrten im Landkreis

Sind die Wunschziele zu weit weg oder die Fahrt findet in einem Ort im Landkreis statt, wird die Rikscha vorab dorthin gebracht - René Kellermann hat dafür extra einen neuen Anhänger gekauft. Interessierte können sich ab sofort am liebsten per E-Mail unter rema-rikscha@t-online.de melden. "Die Mails werden immer montags abgearbeitet", verspricht Marion Hartig.

Viele, die von der Idee erführen, seien direkt Feuer und Flamme, nur vonseiten der Seniorenheime sei es bislang noch recht ruhig geblieben. Dabei gebe es an anderen Orte durchaus Einrichtungen, die sich schon eine eigene Rikscha angeschafft hätten.

Trägt den Namen "Marlene"

"Wir wollen gerne Vorreiter sein", betont das Cuxhavener Paar. Sie bieten gerne an, andere Interessierte zu beraten - sofern der Gedanke des Ehrenamts bestehen bleibt.

Vorerst aber freuen sie sich auf viele Fahrgäste in ihrer - natürlich nach Marlene Postel - auf den Namen "Marlene" getauften Rikscha. Voraussetzung ist, dass Passagiere eine Belehrung und einen Haftungsausschluss unterschreiben. Eine Haftpflicht- und eine Vollkaskoversicherung sind vorhanden.

Familie darf begleiten

Familien sind eingeladen, sich an den Touren mit ihren mitfahrenden Eltern oder Großeltern mit dem eigenen Fahrrad anzuschließen. Begeisterung hätten sie auch beim "Wünschewagen Niedersachsen" des Arbeiter-Samariter-Bunds ausgelöst, als sie anboten, sterbenskranken Menschen den Wunsch zu erfüllen, mit der Rikscha noch einmal ganz nah ans Wasser zu kommen. Dafür hätten sie auch bei der Stadt angefragt, ob sie in solch seltenen Ausnahmefälle auch einmal auf der Promenade vor dem Deich fahren dürften.

In Kürze soll Marion Hartig das Projekt auch in einer Fernsehsendung vorstellen. Der Sendetermin steht aber noch nicht fest und sie darf vorab noch nichts verraten.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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