Geestland bekräftigt Energiewerk in Bad Bederkesa: "Vorzeigeprojekt"
GEESTLAND. Die Stadt Geestland bekräftigt die Standortwahl für das 4,6-Millionen-Projekt in Bad Bederkesa. Kohlendioxid soll drastisch reduziert werden
Die Stadt Geestland hat den Bau des geplanten Energiewerks in Bad Bederkesa als "unerlässlichen Baustein auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune" bekräftigt. "Mit diesem Projekt verwenden wir nicht nur regenerative Energie zur Beheizung von Moor-Therme und Wiesendammschule, sondern wir reduzieren auch Kohlendioxid in hohem Maße", unterstrich Bürgermeister Thorsten Krüger (SPD) die Notwendigkeit für das 4,6-Millionen-Projekt auf den Amtswiesen zwischen der Landesstraße 117, Ortsausgang Bederkesa, und dem Hadelner Kanal.
Zuletzt war immer wieder Kritik laut geworden am Standort für das Energiewerk. Vor allem der Verschönerungsverein Bederkesa (VV) und die Naturschützer um BUND und NABU hatten sich zu Wort gemeldet. Während der VV den Wert Bad Bederkesas als Tourismus- und Erholungsort in Gefahr sieht, um den "Bad-Titel" fürchtet und die Einsparpotenziale des Projekts infrage stellt, sehen die anderen eine Bedrohung der Artenvielfalt im Landschaftsschutzgebiet.
Bürgermeister Krüger beantwortete unter Hinweis auf Genehmigungen und Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Behörden, Gutachtern und Ministerien am Donnerstag im Rathaus Langen die offenen Fragen - nicht ohne sich zuvor für alle Einwände und Kritikpunkte zu bedanken. "Das sind wertvolle Anregungen im weiteren Prozess", betonte Krüger. In Anwesenheit der Verwaltung und etlicher Ratspolitiker präsentierte Projektleiter Heiko Ullrich die Basisdaten fürs "ganzheitliche und nachhaltige Vorzeigeprojekt".
Grüngut wird zu Energie
Demnach soll auf einer Betriebsfläche von knapp 60.000 Quadratmetern (fast acht Fußballfelder) bis Ende März 2022 ein Heizwerk anfallendes Grüngut in Energie umwandeln, eine Solaranlage soll umweltfreundlich Strom erzeugen - beides wird dann auf kurzem Wege in Moor-Therme und Wiesendammschule geleitet werden. Auf diese Weise sollen jetzt 900 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. In diesem Zusammenhang betonte Ullrich, dass die drei Hochzeitshaine im Bereich des Energiewerks erhalten bleiben. Mehr noch. "Wir wollen das umliegende städtische Gelände, das derzeit landwirtschaftlich intensiv genutzt wird, ökologisch aufwerten und daneben mit schnell wachsenden Gehölzen und Sträuchern begrünen." In dem Zusammenhang machte Krüger deutlich, dass es Studien gibt, wonach Grünflächen in der Nähe von Solarparks einen hohen Beitrag zur Stabilisierung der biologischen Vielfalt leisten.
Das Land habe für dieses "im Nordwesten bislang einzigartige Projekt", so Ullrich, eine Fördersumme in Höhe von einer Million zugesichert. Weitere Förderanträge in Höhe von bis zu anderthalb Millionen Euro seien beantragt - was ein weiterer wichtiger Schritt sei auf dem Weg zur klimaneutralen Effizienz-Kommune.
Drei Prozent Wärmeverlust
Natürlich habe man auch andere Standorte geprüft, erklärte Ullrich. Doch die seien zu weit entfernt von Moor-Therme und Wiesendammschule, die man ortsnah mit Wärme versorgen wolle. "Mit jedem Meter Leitung ist ein Wärmeverlust von drei Prozent gegeben", sagt Ullrich. "Das steigert nur die Investitionskosten und ist nicht sinnvoll im Sinne energieeffizienter Nutzung." Den kritisierten Eingriff in ein Landschaftsschutzgebiet wies Ullrich zurück. "Die freie Sicht auf das Gelände und damit der einstige Anlass fürs Landschaftsschutzgebiet ist heute längst nicht mehr gegeben", sagte der Projektleiter unter Hinweis auf die "mittlerweile zugebaute Sichtachse".
Was die Optik des Energiewerks anbelangt, orientiert sich Geestland nach dem Besuch von ähnlichen Anlagen am Beispiel Hallerndorf in Oberfranken. Dort wurden die Abluftkamine etliche Meter in die Erde versenkt, das Werk selbst wurde mit Holz verkleidet. Insgesamt soll das Energiewerk in Bad Bederkesa mit ungefähr zwölf Metern "in etwa so hoch werden wie die Moor-Therme". Eine weitere Befürchtung der Kritiker - zusätzliche Verkehrsbelastung - teilt die Verwaltung nicht. "Die Landesstraße 117 ist für 100 Lkw und 2000 Pkw pro Tag konzipiert und bei Weitem nicht ausgelastet." Man rechne im Zuge des Energiewerks mit maximal zwei Lastwagen mehr pro Tag.
"Grünes Licht" gegeben
Das Energiewerk liegt an der Grenze des Wasserschutzgebietes, insofern sei auch hier kein Kritikpunkt an der Standortwahl zu sehen, sagte Krüger. Auch das staatliche Gewerbeaufsichtsamt habe "grünes Licht" gegeben fürs Energiewerk. "Es bestehen hinsichtlich des Immissionsschutzes keine Bedenken gegen die Planungen", zitierte Krüger aus einem Schreiben der Behörde. Und weder der Bad-Titel noch die Prädikatisierung Moorkurbetrieb seien in Gefahr, so Krüger. Ein weiterer Kritikpunkt der Naturschützer bezieht sich auf die Sichtung des Raubwürgers auf den Amtswiesen.
Krüger berief sich auf eine gutachterliche Stellungnahme, wonach das Brutgebiet des Raubwürgers 50 Hektar groß sei und die Amtswiesen nicht dem arttypischen Habitat des amselgroßen Vogels entsprechen würden. Auch das Umweltministerium habe sich positiv gezeigt von den Planungen des Projekts und Unterstützung zugesichert, sagte Krüger und sprach davon, dass das Energiewerk - neben der bereits eingeführten LED-Beleuchtung, den zahlreichen energetischen Sanierungen und der Investition in Solaranlagen ein weiterer innovativer Meilenstein auf dem Weg zur Klimastadt sei.
Die versammelten Politiker - Ortsbürgermeister Uwe Bischoff (CDU), SPD-Fraktionschefin Christine Sturmheit, CDU-Fraktionschef Claus Seebeck, Siegfried Gronholz (SPD), Rainer Müller (CDU) und Dietmar Michalke (Die Linke/Grüne) unterstützen das Projekt übereinstimmend als sinnvoll für Ökologie und Ökonomie sowie zukunftsweisend in Sachen Klimaschutz.
Von Andreas Schoener